Deutschland - Wolfsland

15 Wolfsrudel sind jüngst dazugekommen

Nach 150 Jahren macht sich der Wolf wieder in seiner alten Heimat breit: In den nun vorgestellten Ergebnisse des Monitorings 2015/2016 zeichnet sich ein erfreulicher Trend ab.

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Seit dem Jahr 2000 hat der Wolf wieder zunhemend Fuß gefasst. (Foto: NABU/Jan Noack)

Seit dem letzten Monitoring vor einem Jahr ist die Zahl der Wolfsrudel in Deutschland von 31 auf 46 gestiegen, berichtet das Bundesamt für Naturschutz (BfN). Daneben gibt es noch 15 alleinstehende Pärchen und vier sesshafte Einzelwölfe. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Wolf nun wieder sechs Bundesländer zurückerobert: Die meisten Tiere leben derzeit in Sachsen und Brandenburg, daneben gibt es Wölfe in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen.

"Die positive Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes seitdem der Wolf unter strengem Artenschutz in der Europäischen Union steht", sagt BfN-Präsidentin Beate Jessel. Auch beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) freut man sich über das aktuelle Ergebnis: "Die Populationen entwickeln sich gut und perspektivisch rechnen wir damit, dass Wölfe in allen Flächenbundesländern vorkommen werden", sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Er empfiehlt deshalb nun allen Bundesländern, sich auf die Rückkehr des Wolfes vorzubereiten.

Wolfs-Schutz und -Aufklärung weiter wichtig

Wie BfN und der NABU betonen, ist weiterhin aufmerksamer Wolfsschutz angesagt: "Trotz der erfreulichen Zahlen weist die Art insgesamt immer noch eine ungünstige Erhaltungssituation auf", so Jessel. Nur 14 der 147 insgesamt seit 2000 in Deutschland tot aufgefundenen Wölfe sind nachweislich eines natürlichen Todes gestorben. Bis August 2016 wurden mehr als 100 Tiere tot auf Deutschlands Straßen gefunden. Die Zahl illegaler Wolfs-Tötungen ist mit mindestens 19 toten Tiere seit dem Jahr 2000 ebenfalls hoch. Hinzu kommen sicherlich viele unentdeckte Fälle. Bis heute wurde kein einziger Schütze durch polizeiliche Ermittlungen identifiziert, kritisiert der NABU. "Diese Straftäter haben in Deutschland leider zu leichtes Spiel. Es gibt zu wenige auf Umweltkriminalität spezialisierte Beamte bei Polizei und Justiz", sagt Miller.

"Mehr als 15 Jahre mit dem Wolf in Deutschland zeigen uns, dass der Wolf keine finstere Bedrohung in dunklen Wäldern ist, wie es uns in den Märchen überliefert wird. Aber er bleibt ein Wildtier, an dessen Rückkehr wir uns erst gewöhnen müssen", so der NABU-Bundesgeschäftsführer. Vor allem Nutztierhalter müssen sich mit dem Wolf arrangieren, aber dabei sollte man sie nicht alleine lassen. So habe sich zum Beispiel der Ausgleich von Schäden für getötete Nutztiere als ein wichtiges Mittel für die Akzeptanz des Wolfes erwiesen, berichtet der NABU.

Die deutschen begrüßen die Rückkehr des Wolfs

Wie eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag des NABU zeigt, stößt die Rückkehr des Wolfes in der deutschen Bevölkerung grundsätzlich auf breite Unterstützung: 80 Prozent der Befragten freuen sich, dass der Wolf unsere Landschaft wieder bereichert. 78 Prozent befürworten außerdem, dass Wölfe auch dann hier leben sollten, wenn es teilweise zu Problemen kommt. So sieht das auch die BfN-Präsidentin: "Wir müssen die Koexistenz von Mensch, Haus- und Nutztier und Wolf wieder erlernen. Wölfe leben heute in der Kulturlandschaft in direkter Nähe zum Menschen und es gehört zu ihrem normalen Verhalten, dass sie gelegentlich auch tagsüber in Sichtweite zu bewohntem Gebiet entlanglaufen", so Jessel. "Deshalb ist die Arbeit des Wolfsberatungszentrums von so großem Wert."

Diese Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) wurde zu Beginn des Jahres 2016 eingerichtet. "Wir führen alle relevanten Monitoringdaten zu Wölfen aus der gesamten Bundesrepublik Deutschland in einer komplexen Datenbank zusammen und werten diese aus", erklärt Hermann Ansorge, Projektleiter der DBBW. Die Ergebnisse stellen wir wiederum allen Beteiligten zur Verfügung. Darüber hinaus beraten wir insbesondere Naturschutzbehörden von Bund und Ländern bei der Beurteilung und Bewertung von Nachweisen und Hinweisen von Wölfen, aber auch bei der Schadensprävention oder beim Umgang mit auffälligen Wölfen", so Ansorge.

Nach Ansicht des NABU muss es künftig vor allem darum gehen, die Entwicklung von kritischen Situationen von Vornherein zu vermeiden. Mit entscheidend sei dabei der Umgang des Menschen mit dem Wolf. "Durch Fehlverhalten von Menschen, wie etwa Fütterungen, kann es dazu kommen, dass einzelne Tiere auffällig werden. Die effektivste Methode, kritische Situationen von Beginn an zu vermeiden, ist, Wölfe als echte Wildtiere zu behandeln und respektvollen Abstand zu wahren", sagt Miller.

 

Video: Der NABU hat die wichtigsten Fragen rund um das Thema Wolf anschaulich in einem Video beantwortet.

Weitere aktuelle Informationen zum Wolf in Deutschland gibt es beim BfN:

-Umfassende Daten und Fakten zum Wolf bietet das Hintergrundpapier "Der Wolf (Canis lupus) im Porträt"

-Eine Karte der aktuellen Wolfsvorkommen in Deutschland steht als Download zur Verfügung

 

Quellen: BfN, NABU

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