Kampf gegen bedenkliches Pestizid

Baumärkte nehmen Glyphosat aus dem Regal

Zahlreiche Anbieter haben angekündigt, Glyphosathaltige Unkrautvernichter für den Einsatz im Privatgarten aus dem Sortiment zu nehmen. Sie reagieren damit auf den wachsenden Druck kritischer Verbraucher und Organisationen. Der Unkrautkiller ist vermutlich krebserregend.

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Glyphosat macht Unkraut den Garaus - aber zu welchem Preis? (Foto: Delphotostock/fotolia.com)

Zornig blickt der Schrebergärtner auf das wuchernde Unkraut... Doch es gibt eine scheinbar einfache Lösung: Ein paar Spritzer aus dem handlichen Giftfläschchen und schon beginnt das lästige Grünzeug zu welken.

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Herbizid, dazu tragen auch die Kleingärtner bei. Doch der Blick auf das Totalherbizid wird immer kritischer: Die Internationalen Agentur für Krebsforschung stuft die Substanz als wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen ein und auch die Weltgesundheitsorganisation steht Glyphosat entsprechend kritisch gegenüber.

Dass das Pflanzenschutzmittel sich im Menschen tatsächlich in bedenklicher Weise ansammelt, hat kürzlich eine Untersuchung von Muttermilch belegt: In allen analysierten Proben lagen die festgestellten Glyphosatrückstände über dem für Trinkwasser zulässigen Höchstmengen.

Öffentlicher Druck zeigt Erfolg

Wegen der unklaren Risikolage fordern Verbraucher und Institutionen einen Umgang mit der Substanz nach dem Vorsorgeprinzip. Deshalb gehöre es vor allem erst einmal aus den Händen von Privatgärtnern. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hatte dazu eine E-Mail-Protestaktion ins Leben gerufen, die ihren Angaben zufolge zum aktuellen Erfolg beigetragen habe.

Knapp 3000 Teilnehmer verschickten eine Protest-E-Mail gegen den Verkauf Glyphosat in Bau- und Gartenmärkten. Es ist nun eine Ausstiegswelle in der Branche zu verzeichnen, berichtet der NABU: Unternehmen wie Bauhaus, Globus Baumarkt, Pflanzen-Kölle, Obi und Hornbach haben einen vollständigen oder weitreichenden Verzicht auf das Totalherbizid zugesagt. Lediglich die Raiffeisen Waren-Zentrale und die Gartencenter-Kette Dehner werden offenbar weiterhin unverändert an ihrem Sortiment festhalten.

Der NABU appelliert nun auch an den Online-Handel, Glyphosat-Produkte konsequent auszulisten. Der Vertrieb über das Online-Shopping sei sowieso besonders bedenklich, weil die eigentlich vorgesehene Beratungspflicht zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln faktisch nicht umgesetzt werden kann. "Wenn sich der Online-Handel weiter vor einer Auslistung drückt, ist es Aufgabe der Politik, diesen Bereich strenger zu reglementieren und rechtliche Grauzonen im Internet zu verhindern", meint der NABU.

Vorsorgeprinzip rechtfertigt Komplettverbot

Die Hoffnung der Glyphosat-Gegner ist nun, dass der Verkauf des besenklichen Mittels für den privaten Einsatz im Garten in Deutschland komplett verboten wird. In unseren Nachbarländern ist man da offenbar schon weiter: In den Niederlanden und Frankreich ist bis Jahresende ein Verkaufsverbot vorgesehen. Auch im kommerziellen und landwirtschaftlichen Bereich müsse die Zulassung geprüft werden.

"Wir erwarten, dass im Zuge der bis zum Ende des Jahres anstehenden Neuzulassung des Wirkstoffs auf europäischer Ebene eine umfangreiche Risikoprüfung von Glyphosat stattfindet, welche die aktuellen Erkenntnisse mit berücksichtigt", sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Quellen: NABU, Untersuchung zu Glyphosat in Muttermilch

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