Schlechte Nachrichten vom größten aller Primaten

Bestand des Ă–stlichen Flachlandgorillas eingebrochen

Dem größten aller Primaten droht das Aus, warnen Forscher: Die jüngste Bestandserfassung des Östlichen Flachlandgorillas dokumentiert einen katastrophalen Einbruch. Der Grund: In der Heimat der Tiere ist die Hölle los.

112445_web.jpgNur wenige leben noch! (Foto: Jefferson Hall)

Es gibt nur noch etwa 3800 Östliche Flachlandgorillas in den Regenwäldern der Demokratischen Republik Kongo – im Jahr 1998 waren es hingegen noch geschätzte 17.000 Tiere. Über diesen dramatischen Rückgang berichtet das Smithsonian Tropical Research Institute. Den Experten zufolge muss der auch Grauergorilla (Gorilla beringei graueri) genannte größte aller Menschenaffen nun deshalb auf der internationalen Roten Liste von der bisherigen Kategorie "bedroht" auf "vom Aussterben bedroht" angehoben werden.

Verlieren wir den größten unserer Verwandten?

Der Östliche Flachlandgorilla ist der größte unter den vier Unterarten des Gorilla und damit der größte Vertreter der Primaten, zu denen auch der Mensch gehört. Männliche Tiere können ein Gewicht von über 200 Kilogramm erreichen, die Weibchen sind deutlich kleiner – sie entwickeln nur ungefähr die Hälfte des Gewichts der Männchen. Der Östliche Flachlandgorilla bewohnt ausschließlich den Osten der Demokratischen Republik Kongo. Die friedlichen Tiere durchstreifen dort die Regenwälder auf der Suche nach Früchten und Futterpflanzen.

Die aktuelle Bestandserfassung beruht auf umfangreichen Informationsauswertungen im Verbreitungsgebiet der Tiere. Als Vergleich dienten Einschätzungen der Populationsgröße, die der Naturforscher Jefferson Hall und sein Team durch Untersuchungen in den Jahren von 1994 bis 1998 im Kongo entwickelt haben. Sie kamen damals auf 17.000 Tiere – der aktuellen Bestandserfassung zufolge sind es nun offenbar nur noch etwa 3800 Gorillas. Es handelt sich also um einen Einbruch von 77 Prozent in rund zwanzig Jahren.

Gorillas werden aufgegessen

Den Hauptgrund für den dramatischen Rückgang sehen die Forscher in den grauenvollen Entwicklungen in diesem Teil Afrikas in den beiden letzten Jahrzehnten. Am Anfang standen demnach die Unruhen im Nachbarland Ruanda die 1994 im Völkermord an den Tutsi gipfelten. Menschenmassen flüchteten in der Folge in den Osten der Demokratischen Republik Kongo. Dies löste dort wiederum einen Bürgerkrieg aus, der bis zu seinem Ende 2003 vermutlich etwa fünf Millionen Menschen das Leben kostete. In solchen grausamen Zeiten interessieren sich Menschen wenig für den Tierschutz und in der Not sind auch Gorillas willkommene Jagdbeute.

Das hat sich offenbar auch nach dem Ende des Bürgerkriegs kaum geändert. Nun bedroht vor allem der Klein-Bergbau die Tiere: Bis in die entlegensten Teile der Urwälder dringen jetzt zunehmend Menschen auf der Suche nach dem Erz
Coltan vor. Ihre Nahrung beschaffen sie sich aus dem Wald. Mit anderen Worten: Die Östlichen Flachlandgorillas werden aufgegessen.

Den Forschern zufolge ist nun großer Einsatz nötig, um das Aussterben des östlichen Flachlandgorillas zu verhindern. Umfassende Schutzmaßnahmen seien nun nötig, andernfalls sehen die Experten schwarz für die Zukunft der charismatischen Tiere. "Der einzige Lichtblick ist, dass wir immer wieder erlebt haben, dass auch kongolesische Naturschützer ihr Leben riskieren, um etwas zu ändern", sagt Hall. "Dank dieser Menschen besteht immer noch Hoffnung, dass diese Tiere gerettet werden können und auch die Ökosysteme, in denen sie leben", so der Wissenschaftler.

Quelle: Smithsonian Tropical Research Institute

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