Kampf den Bienen-Vampiren

Bienen-Sauna lässt Milben schmoren

Hitzschlag statt Giftkeule - der Varroamilbe soll jetzt ein cleveres Konzept den Garaus machen: die Sauna für Bienen. Das Gerät erhitzt den Stock auf Temperaturen, die nur den Blutsaugern schaden. "Schwarmfinanzierung" ermöglichte, dass die Entwickler nun Imker mit den Saunen beliefern können.

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Varroamilben auf einer Bienenpuppe (Foto: Wikipedia/gemeinfrei)

Der Feind ist winzig, doch seine Wirkung gewaltig: Die Varroamilbe saugt erwachsenen Bienen und ihrer Brut buchstäblich die Lebenskraft aus. Die Bienen-Vampire gelten als wichtige Mitverursacher des sogenannten Bienensterbens, das weltweit die Bienenbestände bedroht. Bisher versuchen Imker die hartnäckigen Parasiten mit der Giftkeule zu erschlagen. Doch diese Waffe ist problematisch: Sie schwächt auch die Bienen selbst und es ist zu befürchten, dass sich Rückstände der Wirkstoffe im Honig absammeln.

Parasit mit warmer Schwachstelle

Aus diesem Grund setzten die beiden Tüftler-Imker Richard Rossa und Florian Deising auf die Alternative namens Hyperthermie. Dieses Konzept packt die Varroamilbe an einer charakteristischen Schwachstelle: Die Parasiten sind hitzeempfindlicher als ihre Opfer. Ab 39 Grad Celsius machen die Milben die Grätsche - Bienen können hingegen bis zu 45 Grad noch problemlos aushalten. Konkret heißt das: Traktiert man die Parasiten etwa eine Stunde lang mit 40 bis 42 Grad, fallen sie Tod von ihren immer noch fröhlich summenden Opfern.

Es gab bereits Versuche, Bienenkästen gezielt von außen zu erhitzen, doch sie stellten sich als wenig praktikabel heraus. Die Bienen-Sauna ist hingegen effektiv und zugleich leicht handhabbar, sagen Richard Rossa und Florian Deising. Die Bienekästen müssen dabei nicht in irgendeine Hitzekammer geschleppt werden, sondern die Behandlung findet am Standort statt. Die Bienensauna ist wie eine Art Schublade, die sich in einen Sockel schieben lässt, auf dem der Bienenkasten ruht. Heizelemente lassen dann Wärme langsam im Kasten aufsteigen. Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden dabei im Stock ständig automatisch erfasst und reguliert.

Tüftler-Imker setzten auf Schwarmfinanzierung

Um Startkapital für die Produktion ihrer Entwicklung aufzutreiben, setzten die beiden Entwickler auf die Unterstützung von Imkern und Bienenfreunden. Crowdfunding heißt das Stichwort. Es lässt sich am treffendsten mit "Schwarmfinanzierung" übersetzen. "Wir finden, das passt wunderbar zu Bienen und zur Bienen-Sauna", schreibt das Team auf seiner Internetpräsenz "www.wir-retten-bienen.org". Ein großer "Schwarm" von mehr als 350 begeisterten und engagierten Unterstützern sammelte Startkapital. Als dann auch noch ein größerer Investor sich beteiligte, konnten die Entwickler ihr Projekt Bienen-Sauna in eine GmbH verwandeln.

Forschung soll die Wirkung wissenschaftlich untermauern

So können sie nun dieses Jahr Imker mit den Bienen-Saunen beliefern. Sie hoffen dabei auf eine rege Beteiligung an einem Forschungsprojekt, das wissenschaftlich begleitet wird. Es soll konkret aufzeigen, wie gut die Bienensauna im Vergleich zu den bisherigen Bekämpfungsmaßnahmen wirkt. Auf seiner Homepage verweist das Team aber bereits auf Erfolge mit den ersten Testgeräten. Eine Imkerin schreibt: "Anfang des Jahres wurde mein schwächstes Bienenvolk mit der Bienen-Sauna behandelt. Jetzt gehört es zu den stärksten Bienenvölkern und trägt mehr Honig ein als jedes andere Volk. Ich bin absolut begeistert und habe schon ein Gerät vorbestellt." Es bleibt zu hoffen, dass nun bald viele Imker ebenfalls solche Erfahrungen machen.

Link: http://www.wir-retten-bienen.org/

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