Den Öko-Reisende im Visier

CO2-neutrale Fernbusreisen locken Fahrgäste

Die Anbieter auf dem boomenden Fernbusmarkt wollen umweltbewusste Kunden gewinnen. CO2-neutrales Reisen heißt das Schlagwort. Fahrgäste können beim Ticketkauf Ablass für ihre "Klimasünde" zahlen. Die große Frage: Tun sie es auch?

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Seit der Liberalisierung der Regelungen für Fernbusreisen vor drei Jahren boomt die Branche: Bis 31. März 2014 stieg die Zahl der befahrenen Strecken von 86 auf 247. Das entspricht einem Anstieg um 187 Prozent. Der Markt ist offenbar auch noch immer heiß umkämpft. Die Anbieter versuchen sich mit unterschiedlichen Strategien gegen ihre Konkurrenten durchzusetzen.

Neben den niedrigen Preisen wollen sie zunehmend mit ihrer Umweltbilanz bei den Kunden punkten. Dabei nutzen sie ein Konzept, das auch bereits vom Flugverkehr bekannt ist: Fahrgäste haben die Möglichkeit, anfallende Kohlenstoffdioxidemission durch eine Zusatzzahlung beim Ticketkauf auszugleichen. Der Anbieter garantiert dabei, dass mit den Ausgleichszahlungen ein zertifiziertes Klimaschutzprojekt unterstützt wird.

Für ihre Studie haben die Forscher des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Kooperation mit einem deutschen Fernbusanbieter anonymisierte Daten von über 10.000 Onlinebuchungen ausgewertet. Dabei war es allen Kunden möglich, die Kompensation direkt beim Ticketkauf zu zahlen. Konkret: Bei durchschnittlich 286 gefahrenen Kilometern wird ein Zuschlag von 23 Cent auf den Ticketpreis fällig. Neben diesem Grundkonzept war auch eine zweite Variante im Test: Wenn ein Kunde das Angebot annahm, verdoppelte der Anbieter auf eigene Kosten die Kompensationsmenge.

Finanzieller Beitrag des Anbieters gefällt

Die Auswertungen der Forscher zeigten: Im Durchschnitt machten etwa 27 Prozent der Busreisenden von dem Angebot Gebrauch, die bei ihrer Fahrt entstehenden CO2-Emissionen auszugleichen. Durch das Angebot, des Fernbusunternehmens, den Betrag aufzustocken, erhöhte sich die Buchungsrate für das Öko-Angebot noch deutlich, berichten die Forscher. Dies wirkte sich offenbar auch auf die Treue der Kunden aus. Fazit: Die Analyse der Daten zeigt, dass dieses Angebot bei einer gleichmäßigen Beteiligung von Kunde und Anbieter langfristig am häufigsten wahrgenommen und gebucht wird.

Wirklich umweltfreundlich? Die große Unbekannte 

Neben den ökonomischen Aspekten spiegelt sich in den Ergebnissen noch eine erfreuliche Botschaft wider. Vielen Menschen ist Klimaschutz wichtig und teuer. Dabei stellt sich natürlich sofort die grundsätzliche Frage, wie umweltfreundlich Fernbusreisen überhaupt sind. Informationen des Umweltbundesamtes zufolge lassen sich dazu bisher noch keine klaren Aussagen treffen. Dies liegt daran, dass die Auslastung – also die Anzahl der tatsächlich besetzen Sitzplätze – beim Fernlinienbus nicht genau bekannt ist sowie Informationen zum Alter und der Größe der eingesetzten Busse bisher nicht vorliegen.

Das Preisniveau bei Fahrten mit dem Fernlinienbus liegt derzeit erheblich unter dem Preisniveau des Schienenverkehrs. Es ist daher nicht auszuschließen, dass dieses vergleichsweise preisgünstige neue Fernlinienbusangebot insgesamt verkehrsverstärkend wirkt, so das Umweltbundesamt. Der Behörde zufolge gilt grundsätzlich: Zu den Umweltwirkungen des Fernbusverkehrs bestehe momentan erheblicher Forschungsbedarf!

Quellen: Mitteilung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, Umweltbundesamt

Bild: fotokalle/Fotolia.com

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