Kauf-Nix-Tag in 45 Ländern

Ein Tag ohne Konsum

Kaufen, kaufen, kaufen - jetzt, wo es auf Weihnachten zu geht, ist es in den Einkaufsmeilen der Städte besonders voll. Die perfekte Zeit für Konsumkritiker, um zumindest für einen Tag aus dem Wahnsinn auszusteigen und ein Zeichen zu setzten. Machen Sie mit: am 29. November beim Kauf-Nix-Tag.

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Einmal im Jahr 24 Stunden lang nichts kaufen! Keine Klamotten, kein neues Handy, kein ausgedehnter Bummel durch den Supermarkt. Am Samstag, den 29. November ist in vielen Ländern Europa der „Kauf-nix-Tag", ein Konsumkritischer Aktionstag. Einfach mal nichts kaufen: Auf den ersten Blick eine nette Idee. Eine, die ein Zeichen setzen soll gegen den übermäßigen und so oft sinnlosen Konsum, der in unserer Gesellschaft leider Normalität geworden ist. Gerade in der Vorweihnachtszeit, der umsatzstärksten Zeit im Jahr. 2013 machte allein der Online- und Versandhandel 10,3 Milliarden Euro. In den USA gibt es diesen Tag übrigens auch – gleichzeitig mit dem berühmten „Black Friday". Der Freitag nach Thanksgiving leutet in Amerika traditionell mit vielen Sonderangeboten und Schnäppchenpreisen das Weihnachtsgeschäft ein. Wer sich hier von Kaufhäusern und Onlineläden fernhält, fällt definitiv auf.

Ein Zeichen, aber keine Lösung

„Ein Tag ohne Konsum ist gut, aber nicht gut genug", sagt zum Beispiel die Philosophin und Ökonomin Christine Ax. Eine solche Aktion dient vielleicht dazu, den Leuten das Ausmaß ihres Dauerkonsums bewusst zu machen, das Problem wird sie jedoch nicht lösen können. Konsum ist heutzutage nicht mehr Notwendigkeit, sondern Vergnügen, Hobby, Lustbefriedigung. An die Folgen für die Umwelt denken die meisten eher selten. Mit jedem Kleidungsstück, das wir kaufen, mit jedem neuen Fernseher und jedem Plastikteil verbrauchen wir auf der einen Seite wertvolle Ressourcen und produzieren auf der anderen Seite Unmengen von Müll. Allein die Verpackungen füllen zahlreiche Abfallsäcke und wenn die Geräte kaputt sind, fliegen sie meist ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden hinterher. Was Handys und Tablets angeht, müssen die Geräte noch nicht einmal kaputt sein – meist sind sie nur veraltet und ein neues muss her. In der Mode geht es ebenfalls um Aktualität: was in der einen Saison in war, ist im nächsten Jahr schon wieder out und damit für manche nicht mehr tragbar. Fast Fashion heißt die schnelle Mode von der Stange auf neudeutsch. Noch dazu sind viele Teile immer billiger zu haben. Die Deutschen sind beim Klamottenkauf übrigens ganz weit vorne: geschätzte 40 bis 70 Kleidungsstücke kauft der Durchschnittsbürger im Jahr. Damit liegen wir gemeinsam mit den USA und der Schweiz ganz vorne im Länderranking.

Reparieren statt verbrauchen

Doch die Ressourcen sind nun mal nicht unendlich. Lange können wir mit dieser Verbrauchsmentalität nicht mehr weiter machen, so die Ökonomin. „Wir müssen in einer Größenordnung ressourceneffizienter werden, die schwer vorstellbar ist: um den Faktor 8 bis 10", sagt Ax. Das heißt, die Ressourcen, die für einen bestimmten Nutzen draufgehen, müssten enorm verringert werden. Auf ganz persönlicher Ebene könnte man sagen: Wer bisher 100 Kilogramm im Jahr braucht, um sich gut gekleidet zu fühlen, müsste das mit 10 Kilo schaffen. Dass für dieses Ziel ein einziger Tag ohne Konsum nicht ausreicht, ist offensichtlich. Ökonomin Ax setzt im Wesentlichen auf zwei Dinge, für die sich vor allem etwas in unseren Köpfen ändern muss. Erstens: Weg von der Wachstumsgesellschaft. Wachstum ist nicht alles und nicht ewig möglich. Zweitens: Die Ressourcen, die wir haben besser und vor allem länger nutzen. Heißt zum Beispiel, kaputte Elektrogeräte reparieren anstatt wegwerfen. Um das Reparieren für den Verbraucher attraktiver zu machen, sind entsprechende Angebote wichtig. Plattformen im Internet geben Ratschläge zum Selbermachen oder vermitteln Handwerker und Experten in der Nähe. Was früher ganz selbstverständlich war, ist heute eher die Ausnahme. Die industriellen Großproduzenten haben wenig Interesse daran, dass ihre Geräte möglichst lange halten. Der Kunde soll besser ein neues Produkt kaufen. Immer wieder wird Firmen auch vorgeworfen, Verschleißerscheinungen absichtlich einzubauen – natürlich knapp nach Ablauf der Garantie. Gewollte Obsolenz nennt sich dieser Einbau von Fehlern in der Fachsprache. Sicher ist in jedem Fall, dass immer häufiger mehr auf Masse als auf Klasse geachtet und zum Beispiel beim Material gespart wird. Detlef Vagerow von der Plattform www.meinmacher.de, auf der sich Reparaturwerkstätten in ganz Deutschland zusammen geschlossen haben, kennt die Probleme, die sich durch diese Wegwerfkultur für Bastler und Reparateure ergeben. Geräte werden so konstruiert, dass eine Reparatur unnötig schwierig wird und es ist häufig schwierig an Ersatzteile zu kommen. Vangerow fordert deshalb politische Rahmenbedingungen, die die Langlebigkeit und Reparierbarkeit von Produkten fördert. Doch der wichtigste Akteur bleibt der mündige Verbraucher. Nur wenn immer mehr Menschen bewusst einkaufen und Wert auf Qualität und Reparierbarkeit legen, besteht die Chance, dass sich diese Praxis der Industrie ändert. Der Kauf-Nix-Samstag könnte eine wunderbare Gelegenheit sein, damit anzufangen.

Quelle: MeinMacher/Reparatur-Revolution

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