Erster weltweiter Zweirad-Zensus

Globaler Fahrradschwund verzeichnet

Wie verbreitet ist das Fahrrad auf der Welt und wie hat sich dies in den letzten Jahrzehnten verändert? Dieser Frage ist ein Forscherteam durch globale Datenanalysen nachgegangen. Die Ergebnisse können nun bei Strategien helfen, das saubere, klimafreundliche und gesunde Verkehrsmittel zu fördern.

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Umweltfreundlich und gesund: Das gute alte Fahrrad. (Foto:blas/fotolia.com)

Unterm Strich besitzen heutzutage rund 42 Prozent der Haushalte auf der Welt ein Fahrrad – damit hat sich die Zahl beim globalen Fahrradbesitz in den letzten dreißig Jahren halbiert, berichten die Forscher der Johns Hopkins University in Baltimore. Dieses Ergebnis basiert auf der Analyse von Daten aus insgesamt 148 Staaten, die den Zeitrahmen von 1881 bis 2012 abdecken. Wichtiger als dieses Gesamtergebnis ist den Forschern zufolge aber der Blick auf die regionalen Entwicklungen, denn was die Verbreitung und die Trends beim Fahrrad betrifft, gibt es auf der Welt enorme Unterschiede.

Globaler Blick

Anhand der Verbreitung des Fahrrads teilten die Forscher die Staaten in vier Kategorien ein: In der ersten besitzen durchschnittlich 81 Prozent der Haushalte ein Fahrrad, bei der zweiten Kategorie sind es 60 Prozent, bei der dritten 40 und bei der letzten schließlich nur 20 Prozent. Vergleichsweise unüblich ist demnach Fahrradbesitz beispielsweise in Afrika. Am meisten verbreitet ist das Rad hingegen bei den Ländern Nordeuropas – auch Deutschland gehört zur Kategorie eins. Bei ihnen hat sich die Verbreitung des Fahrrads in den letzten Jahrzehnten eher wenig verändert, zeichnete sich in den Daten ab.

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Bild: Verbreitungskarte des Fahrrads (Credit: Olufolajimi Oke et al. Journal of Transport & Health, doi:10.1016/j.jth.2015.08.006)

Was den weltweit betrachtet großen Schwund ausgemacht hat, ist die Entwicklung in bevölkerungsreichen Ländern wie Indien und vor allem in China. Durch die zahlreiche Bevölkerung und Verbreitung des Fahrrades fielen die Veränderungen hier global betrachtet enorm ins Gewicht. Die zunehmende Motorisierung hat dort zu einem drastischen Rückgang der Verbreitung des Fahrrades geführt: 1992 gab es den Daten zufolge noch fast in jedem Haushalt (92 Prozent) ein Fahrrad. Dieser Wert ging dann bis 2007 auf 48,7 Prozent zurück. Glücklicherweise scheinen sich die Werte nun zu erholen: 2009 erreichte die Verbreitung bereits wieder 63 Prozent. Aber auch wenn man Indien und China aus den Statistiken entfernt, zeichnete sich in den letzten 30 Jahren ein enormer Rückgang bei der weltweiten Verbreitung des Fahrrads ab, berichten die Forscher.

Basis für "Fahrrad-politische Maßnahmen"

Sie sehen in ihren Ergebnissen nun Ausgangsmaterial, um den Ursachen für den unterschiedlichen Verbreitungsgrad des Fahrrades und dessen Entwicklungen genauer nachzugehen. Letztlich könnten sich daraus Hinweise für politische Entscheidungsträger ergeben, wo und wie man die Nutzung des Fahrrades verbessern könnte. Denn eines ist klar: Es handelt sich um ein ausgesprochen umweltfreundliches, klimaschützendes und zugleich gesundheitsförderliches Fortbewegungsmittel, das vor allem in Zeiten des Klimawandels gefördert werden sollte. "Durch die Bündelung und Auswertung der vielen Datenquellen haben wir nun eine Datenbank geschaffen, die Entscheidungsträgern Informationen liefern kann, um die richtigen Maßnahmen zu ergreifen", so Studienleiter Olufolajimi Oke.

Dass sich politische Maßnahmen zur Förderung des Fahrradfahrens auszahlen können, wird an einem herausragenden Beispiel in der Studie deutlich: Der afrikanische Staat Burkina Faso fällt in die Kategorie Nummer eins der Staaten mit der weitesten Verbreitung von Fahrrädern, obwohl es sich um ein ausgesprochen armes Land handelt und es zudem von Staaten umgeben ist, die nur in die Kategorie drei und vier fallen. Den Forschern zufolge scheint der Erfolg des Fahrrades in Burkina Faso gezielten Investitionen in Fahrradwege und der Förderung des Radelns als eine Art Nationalsport zu verdanken zu sein.

Quelle: Elsevier

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