Projekt "Boodha – Just swap it"

Kampf der Pappbecher-Flut! Mehrweg statt Einweg

Sie werden irgendwo stehengelassen oder aus dem überfüllten Abfalleimer geweht - Einweg-Kafeebecher vermüllen vielerorts die Städte und ihre Entsorgung sowie Herstellung sind problematisch. Mit einem Poolsystem wiederbefüllbarer Mehrwegbecher haben Berliner Cafés der Pappbecher-Flut nun den Kampf angesagt.

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Einweg-Kafeebecher vermüllen Parks und Plätze. (Foto: Sascha Krautz/DUH)

Bislang beteiligen sich 15 Cafés in den Berliner Bezirken Neukölln und Kreuzberg an dem Pilotprojekt "Boodha – Just swap it". Das Konzept: Die Cafés verkaufen ihren "Coffee to go" in standardisierten Mehrwegbechern mit Pfand. Um das Konzept verbraucherfreundlich zu gestalten, kann der Becher nach dem Kafeegenuss bei allen anderen teilnehmenden Cafés gegen die Rückerstattung des Pfandes wieder abgegeben werden. Der Becher wird dann gespült und wieder in den Umlauf gebracht. Es gibt die Mehrweg-Version bislang in zwei Größen, sodass für jeden Kaffeegeschmack, von Cappuccino bis Latte Macchiato eine Variante vorhanden ist.

Mehrweg soll praktikabel sein

Die hohe Nachfrage zeigt offenbar bereits, dass das Bechersystem ein Erfolg ist: "Nach anfänglicher Zurückhaltung wird mehr und mehr von unserem Angebot Gebrauch gemacht", sagt Clemens Pech, Initiator des Projekts. Seit Beginn der Pilotphase im September 2016 konnten auf diese Weise bereits 1.500 Einwegbecher eingespart werden. "Mehrweg soll Spaß machen und zur täglichen Gewohnheit werden. Das ist unser Ziel und daran arbeiten wir", so Pech.

Zum Start der Europäischen Woche der Abfallvermeidung hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) das Projekt nun ausgezeichnet. "Die Initiative "Boodha – Just swap it setzt mit ihrem Pilotprojekt ein wichtiges Zeichen gegen den umweltschädlichen Einwegtrend. Es zeigt aber vor allem, dass Poolsysteme für Mehrwegbecher hervorragend funktionieren können", sagt Thomas Fischer, Leiter für Kreislaufwirtschaft bei der DUH. Ziel ist es nun, das Pilotprojekt nach der gelungenen Startphase auszuweiten und noch mehr Cafés für die Teilnahme am Pfandsystem zu gewinnen. Denn je dichter das Netzwerk zur Rückgabemöglichkeit der Becher ist, desto besser funktioniert das Konzept natürlich.

Der Trend zu mehr Müll muss gestoppt werden

Neben dem Angebot von Mehrwegbechern hält die DUH aber auch die Einführung einer Abgabe von 20 Cent auf Einwegbecher für dringend geboten, um den Trend zu immer mehr Müll wieder umzukehren. Denn das Problem ist immens: Allein in Berlin werden täglich 460.000 und im ganzen Jahr 170 Millionen Einwegbecher verbraucht, berichtet die DUH. Auf diese Weise werden über 2.400 Tonnen Müll in der Stadt verteilt.

Nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der DUH sind sich auch die Berliner des Problems bewusst: 85 Prozent sind der Meinung, dass weggeworfene Kaffeebecher die öffentlichen Mülleimer überlasten und Plätze sowie Parks verschmutzen. Klar ist auch: Für die Produktion der Einwegbecher werden Unmengen an Energie und Rohstoffen verbraucht. Allein für die Herstellung eines einzigen 0,3 Liter Pappbechers wird schon mehr als ein halber Liter Wasser benötigt, betont die DUH.

Webseite der DUH-Kampagne: www.becherheld.de

Webseite des Projekts "Boodha - Just swap it": http://justswapit.de/

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