Wider der Wegwerfmentalität

Mehrheit befürwortet Umweltabgabe auf Plastiktüten

Über drei Viertel der Deutschen befürworten die von den Grünen geplante Zusatzgebühr von 22 Cent pro Plastiktüte. Das hat eine Umfrage ergeben.

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Praktisch, aber nicht sehr umweltfreundlich (Foto: antiksu/fotolia.de)

Die aktuellen Ergebnisse basieren auf der Auswertung einer repräsentativen Umfrage mit 1000 Teilnehmern, die das Institut myMarktforschung.de im März 2015 durchgeführt hat. Dabei gaben die Befragten Auskunft über ihren Umgang mit Plastiktüten und über ihre Einstellung zu diesem umweltrelevanten Thema. Im Zentrum stand dabei die diskutierte Umweltabgabe auf Plastiktüten. In Irland wurde sie bereits schon vor Jahren eingeführt und erwies sich aus Umweltsicht als sehr erfolgreich: Die Iren haben nun den geringsten Plastiktütenverbrauch pro Kopf in Europa.

Ein Symbol der Wegwerfgesellschaft

Den aktuellen Umfrageergebnissen zufolge scheinen auch die Deutschen ausgesprochen offen für dieses Konzept zu sein. Eine hohe Zustimmung ist dabei vor allem in den alten Bundesländern zu verzeichnen: Knapp 79 Prozent der Bürger befürworten hier die vorgeschlagene Umweltabgabe von 22 Cent pro Plastiktüten, in den neuen Bundesländern sind rund 68 Prozent der Befragten dafür.

Die Umfrage belegte zudem, dass viele Bundesbürger bereits jetzt schon den Einsatz von Plastiktüten eher meiden: Jeder zweite Deutsche verwendet für den Transport seines Einkaufs vorzugsweise Stoffbeutel und Einkaufskörbe. Der Stoffbeutel ist dabei bei Männern und Frauen gleichermaßen am beliebtesten. Nur jeder zehnte Deutsche gab bei der Befragung an, vorwiegend Plastiktüten zu verwenden. Die 18- bis 29-Jährigen und Singles sind dabei besonders häufig vertreten: Etwa jeder Fünfte greift in diesen Gruppen beim Einkauf zur Plastiktüte. Dagegen vorbildlich sind die über 60 jährigen - sie nutzen am seltensten eine Plastiktüte.

Umweltbewusst aber besserungsfähig

Unterm Strich betrachtet, verwenden die Deutschen drei neue Plastiktüten in einem Zeitraum von vier Wochen. Ist eine Tüte einmal in Gebrauch, zeichnet sich häufig durchaus eine erfreuliche Einstellung ab: Über 90 Prozent achten den Angaben zufolge darauf, Plastiktüten mehrfach zu verwenden. Statistisch bedeutet das: Durchschnittlich wird eine Plastiktüte von den Deutschen siebenmal verwendet. Über zwölf Prozent nutzen eine einzige Plastiktüte auch mehr als zehnmal.

Informationen des Bundesumweltamtes zufolge steht Deutschland im europäischen Vergleich bereits gar nicht so schlecht da: 71 Stück pro Person und Jahr entsprechen dem viert niedrigsten Wert in Europa. Doch wie am Beispiel Irland zu erkennen ist, lässt sich dieses Ergebnis durch die Umweltabgabe noch deutlich verbessern. Durch die Einführung ist hier der Verbrauch von 328 Plastiktüten auf 18 Plastiktüten pro Einwohner im Jahr 2010 gesunken. Das spiegelte sich offenbar auch deutlich im Müllaufkommen wider: Stellten Plastiktüten 2002 noch etwa fünf Prozent der Müllfunde in Irland dar, reduzierte sich dieser Anteil bis 2007 auf unter ein Prozent, berichtet das Bundesumweltamt.

Der Plastiktüte widmet sich auch das Titelthema in der nächsten Ausgabe von natur, die am 17. April 2015 in den Handel kommt.

Quelle: myMarktforschung, Bundesumweltamt

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