Einmalige Umsiedlungsaktion in Vietnam

Münsteraner Zoologen retten seltene Affen

Die Halong-Bucht im Norden Vietnams zählt zu den Unesco-Welterbestätten. Sie ist Lebensraum für eine extrem bedrohte Primatenart: den Cat Ba- oder Goldkopflanguren. Sie zählen zu den seltensten Affenarten weltweit. Unter Leitung des Zoos Münster ist es nun gelungen, zwei Weibchen umzusiedeln und damit die Überlebenschancen der Cat Ba-Languren zu erhöhen.

Languren_250.jpgDie Cat Ba- oder Goldkopflanguren, einer Primatenart aus der Gruppe der so genannten Schlankaffen, die einen ausgeprägten Schwanz besitzen. Auf der größten Insel des Archipels - Cat Ba - leben die letzten 50 bis 60 dieser Affen. Sie sind eine der seltensten Tierarten Vietnams und eine der seltensten Affenarten weltweit. Seit mehr als zehn Jahren engagiert sich der Allwetterzoo Münster mit Partnern aus aller Welt für das Überleben der Languren.

Seit mehr als fünf Jahren ist dieses Pilotprojekt unter Leitung der Münsteraner Zoologen vorbereitet worden. Denn bei einer derart geringen Restpopulation dieser Affenart ist jedes Tier von besonderer Bedeutung. Deshalb wurde die Rückführung der beiden Languren in ihren ursprünglichen Lebensraum präzise geplant - samt Masterplan und Risikoabschätzung. Als dann ein Unterstützungsschreiben der Weltnaturschutzunion (IUCN) und die Genehmigungen lokaler und regionaler Behörden Vietnams vorlagen, wurde ein internationales Expertenteam unter Leitung des US-Amerikaners Richard Passaro zur Insel Cat Ba entsandt.

Zwei Weibchen der durch Wilderei und Lebensraumverlust extrem bedrohten Cat Ba-Languren lebten seit den 1990er Jahren auf der Nachbarinsel Don Cong, von der sie keinen Zugang mehr zur Hauptinsel Cat Ba hatten. Ein Mangrovengürtel, der früher beide Inseln verbunden hatte, war für den Ausbau von Shrimpsfarmen vernichtet worden. Dadurch wurde eine Rückkehr unmöglich. Die Affen übernachteten in den Höhlen der Karstfelsen dieses Inselarchipels. Die Wissenschaftler versahen eine der Höhlen, die von den beiden Weibchen regelmäßig zur Übernachtung aufgesucht wurde, mit aufwendigen technischen Maßnahmen - darunter eine in Münster entwickelten Netzfalle.

Am Abend 10. November schnappte die Falle zu: Die Languren waren in der Höhle gefangen. Gegen zwei Uhr am nächsten Morgen begann die Umsiedlung der Affen, dei 19 Stunden dauern sollte. In der nur über Bambus- und Strickleitern erreichbaren Höhle in zwölf Metern Höhe wurden beide Tiere per Blasrohr betäubt und dann in Körben zu Boden gelassen. Zwei australische Tierärzte schlossen sie, mitten im felsigen Urwald, an ein Narkosegerät an, entnahmen Blut- und Haarproben, vermaßen die Körper und legten den Tieren GPS-Halsbandsender an. Damit ist eine Ortung der Affen möglich, zudem kann man fortan die täglichen Wanderungen nachvollziehen.

Als die beiden Primaten aus der Narkose erwachten, wurden sie in zwei Transportboxen auf die Insel Cat Ba gebracht. Eine Fimcrew aus Deutschland begleitete die dreistündige Fahrt mit Schnellbooten (siehe Filmlink in der rechten Spalte). Auf Cat Ba wurden die Languren in einem eigens errichteten geräumigen Käfig eine Stunde lang beobachtet. Nach dem Öffnen des Käfigs entschwanden die zwei Cat Ba-Languren mit wenigen Sprüngen in ihren neuen Lebensraum. „Dieser Moment, dieser Sprung in ein neues Leben, war für mich das größte emotionale Erlebnis in meiner langjährigen Arbeit in Vietnam", sagt Zoodirektor Jörg Adler. Mittlerweile kam aus Vietnam die erfreuliche Nachricht, dass die beiden umgesiedelten Languren bereits Anschluss an eine andere Gruppe gefunden haben.

Foto oben: Die zwei australischen Tierärzte Dr. Larry Vogelnest und Dr. Michael Lynch sowie Jörg Adler mit einem der beiden Cat Ba-Languren.
Copyright Allwetterzoo Münster

Keine Kommentare
Diesen Artikel kommentieren

natur 02/2018: Das Ende der Freiheit?

natur 02/2018

Sie entstehen weltweit und sind Brennpunkte des Natur- und Artenschutzes: Zäune. Viele Barrieren bedrohen die Natur, manche aber nützen ihr sogar. Lässt sich mit ihrer Hilfe der Konflikt zwischen Mensch und Natur entschärfen?

Leserfoto des Monats

Abendlicher Feuerball

Abendlicher Feuerball

Am häufigsten kommentiert

Folgen Sie natur.de

natur-Newsletter abonnieren