Umweltverschmutzung

Plastikmüll durchzieht die Themse

Am Grund der Themse zieht ein Strom aus Plastikmüll Richtung Nordsee. Bislang blieb diese Umweltbelastung weitgehend unbemerkt - und könnte ungesehen schon bis zu Mensch und Tier gedrungen sein.

S_Fotolia_46931199.jpgWeltweit treiben Tonnen von Kunststoffabfall in Binnenmeeren und Ozeanen. Das Umweltproblem kennen Experten schon seit den 90er Jahren. Lange unbemerkt blieb allerdings, dass der Plastikmüll auch Flüsse plagt. In London etwa haben Forscher ansehnliche Mengen Plastik aus der Themse geborgen. Das Tückische daran: Der Abfall wandert am Grund des Flusses unbemerkt Richtung Nordsee. Jetzt schlagen die Wissenschaftler Alarm ob der bislang unbeachteten Bedrohung für die Flusstiere.

Per Zufall stießen die Biologen um David Morritt von der Royal Holloway University of London und des Londoner Natural History Museum auf den Strom aus Kunststoffabfall. Sie hatten am Grund der Themse Reusen ausgelegt, um Krabben zu fangen und anschließend zu untersuchen. Die Käfige sammelten aber auch große Mengen an alten Verpackungen, Plastikbesteck oder Kunststoffhüllen, die aus den Abwasserkanälen der Millionenstadt stammten. Ende 2012 haben die Wissenschaftler dann erneut in der Themse Reusen versenkt. Neben den Krabben dokumentierten sie dieses Mal aber auch drei Monate lang den angesammelten Abfall.

Dabei ging den Biologen nicht weniger als 8490 Stück Plastikmüll ins Netz. Was sie vor allem fanden: Klebestreifen von Damenbinden, Verpackungen für Lebensmittel und Plastikhüllen von Zigarettenschachteln. Vor allem die Vielzahl an sanitärem Abfall, der wohl die Toiletten hinuntergespült wurde, überraschte Morritt und seine Kollegen. "Das legt nahe, dass sich das Verhalten der Verbraucher entscheidend wandeln und/oder mehr Druck auf die Hersteller ausgeübt werden muss, um die biologische Abbaubarkeit solcher Produkte zu verbessern." Plastiktüten fanden sich dagegen nur wenige, weil, so vermuten die Forscher, die Öffnungen der Reusen zu klein sind, um Tüten aufzunehmen.

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Gesammelter Plastikmüll vom Grund der Themse

Das größte Problem sehen die Wissenschaftler aber darin, dass die Plastikteile im Flussbett zerrieben werden und Weichtiere, Krebse und Fische die Partikel fressen. Sie können dann nicht nur die Organe der Tiere verletzen, sondern es gelangen auch Giftstoffe in die Nahrungskette der Flusstiere - und über Speisefische auch bis zum Menschen.

Umweltgifte aus Plastikabfall belasten aber nicht nur die Themse: Erst im Sommer 2013 registrierten Forscher des Projekts Plarimar auch in mehreren norddeutschen Flüssen wie Spree, Weser und Elbe zahlreiche Plastikpartikel sowie Bestandteile von Kosmetikprodukten.

Quelle: David Morritt et alia, Plastic in the Thames: A river runs through it. Marine Pollution Bulletin (2013) dx.doi.org/10.10156/j.marpolbul.2013.10.035

Fotos: Fotolia/Ariene; Royal Holloway, University of London

Ein Leserkommentar zu diesem Artikel:
von Oke / 30. Januar 2014 / 08.37 Uhr

Hat London keine Kläranlagen?

Gravatar Thumbnail"Vor allem die Vielzahl an sanitärem Abfall, der wohl die Toiletten hinuntergespült wurde, überraschte Morritt und seine Kollegen." Das überrascht mich auch, denn eigentlich sollte so etwas doch in der Kläranlage gefiltert werden. Fließen die Fäkalien in London ungeklärt in die Themse? Dann dürften zu dem Plastikmüll wohl auch noch andere Probleme kommen ...

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