Zwei Pflanzenschutzmittel schädigen Bienenköniginnen

Royales Bienen-Problem

Was sind die Ursachen des sogenannten Bienensterbens? Eine Studie gibt nun Hinweise, dass zumindest teilweise auch geschwächte Bienenköniginnen zu den Verlusten beitragen könnten: Zwei Insektenvernichtungsmittel schaden offenbar den kostbaren Staatsoberhäuptern.

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"Autopsie" einer Bienenkönigin: Das weiße Kugelgebilde an der Pipettenspitze ist das Organ für die Samenaufbewahrung der Königin. (Foto: Geoffrey Williams, Universität Bern)

Seit etwa 15 Jahren geht das Gespenst des Bienensterbens (Colony Collapse Disorder) um: Die Bienenstaaten auf der Nordhalbkugel der Erde scheinen geschwächt und sterben teils in einem dramatischen Ausmaß ab. Die Gründe sind vielfältig und nach wie vor nicht vollständig geklärt. Neben eingeschleppten Parasiten wie der gefürchteten Varoamilbe wird vermutet, dass auch Insektenvernichtungsmittel aus der Landwirtschaft zu den Völkerverlusten beitragen. Doch bisher ließen widersprüchliche Studienergebnisse zur Wirkung auf Bienen keine eindeutigen Schlüsse zu. Beobachtungen von Imkern in mehreren Ländern deuteten allerdings darauf hin, dass der Verlust der Kolonien möglicherweise mit Gesundheitsproblemen bei den Bienenköniginnen zusammenhängen könnte. Dieser Spur sind die Forscher um Geoffrey Williams von der Universität Bern nun konkret nachgegangen.

Wenn mit der Königin etwas nicht stimmt...

Sie untersuchten im Rahmen ihrer Studie die Wirkung von zwei Insektiziden aus der Gruppe der sogenannten Neonikotinoide: Thiamethoxam und Clothianidin. Untersuchungen von Bienenköniginnen, die diesen Substanzen ausgesetzt waren zeigten: Die royalen Wesen wiesen vergrößerte Eierstöcke auf, konnten weniger Spermien von männlichen Bienen speichern und waren insgesamt weniger erfolgreich bei der Eierlegetätigkeit. "Dies ist die erste Studie zu den Auswirkungen von Neonikotinoiden auf die Physiologie, die Anatomie und allgemein auf den Reproduktionserfolg von Bienenköniginnen", resümiert Williams. "Die Ergebnisse zeigen, dass diese Chemikalien Königinnen schädigen und dadurch für die Verluste von Bienenvölkern mitverantwortlich sein können", so der Wissenschaftler. Klar ist: Wenn mit der Königin etwas nicht stimmt, ist dies eine staatsgefährdende Angelegenheit für ein Bienenvolk. Sie allein kann Eier legen und ist daher zentral für den Nachwuchs im Staat verantwortlich. Zudem sorgt sie durch die Produktion von Pheromonen für den sozialen Zusammenhalt.

Kritischer Blick auf die Neonikotinoide

Immerhin wurde der zuvor in Europa weitverbreitete Einsatz von Thiamethoxam und Clothianidin bereits 2013 vorsorglich für zwei Jahre stark eingeschränkt, um die Auswirkungen auf die Bienengesundheit genauer zu untersuchen. Dies ist nun erfolgt und das Ergebnis scheint klar: Die Chemikalien sind nicht so harmlos für Nützlinge wie ursprünglich angenommen. Die Forscher fordern nun noch gründlichere Umweltverträglichkeitsprüfungen von Neonikotinoiden, um Bienen und andere Nützlinge zu schützen.

Erneut betonen die Forscher auch, was ökologisch aber auch ökonomisch betrachtet auf dem Spiel steht: Jedes Jahr produzieren die Millionen von Honigbienenvölkern in Europa und Nordamerika nicht nur Honig, sie sorgen für die Bestäubung und damit für die Samenproduktion und Fruchtentwicklung vieler Wild- und Kulturpflanzen. Die gesamte Bestäubungsleistung beträgt jährlich mehrere Milliarden Euro.

Quelle: Universität Bern

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