Interview mit Umweltpreisträger

Smarter Solarkocher sucht Abnehmer

Der Physiker Wolfgang Scheffler hat bereits vor Jahrzehnten einen Solarspiegel entwickelt, der die Sonne bündelt und Menschen in Entwicklungsländern hilft, ohne Holz, Kerosin oder Gas zu kochen. Der Solarkocher hat nur ein Manko: Ihm fehlt es an Bekanntheit. natur sprach mit dem Erfinder.

Solarspiegel

Die Solarspiegel gibt es in unterschiedlichen Größen und Ausführungen. (Foto: Solare Brücke e.V.)

Herr Scheffler, Sie bringen seit 30 Jahren Menschen in Entwicklungsländern bei, ihren Solarkocher nachzubauen. Mit welchem Erfolg?

Es gibt inzwischen circa 2500 Scheffler-Spiegel in etwa 40 Ländern. Mittlerweile gibt es ein Kraftwerk mit einem Megawatt mit 770 Spiegeln mit je 60 Quadratmeter. Das liefert Energie in einen Wärmespeicher aus Eisen, so dass es Tag und Nacht in Betrieb sein kann.

Was ist das Besondere an den Scheffler-Spiegeln?

Das Besondere ist, dass der Spiegel einen Brennpunkt hat, der - unabhängig vom Stand der Sonne - immer an der gleichen Stelle ist. Dadurch kann er sehr praxisnah zum Kochen oder zur Stromerzeugung genutzt werden. Den Spiegel gibt es in verschiedenen Größen, angefangen von zwei bis zu 60 Quadratmetern. Der kleine versorgt etwa einen kleinen Vier-Personen-Haushalt mit Wärme, hauptsächlich zum Kochen. Spiegel von etwa zehn Quadratmetern reichen für ungefähr 50 Personen. Damit kann zum Beispiel eine Schule kochen und sich selbst versorgen. Die ganz großen Spiegel dienen hauptsächlich der Dampferzeugung - mit Hilfe einer Dampfturbine wird die Wärme in Strom gewandelt. Die Spiegel haben keine fest Form, denn sie müssen je nach Jahreszeit unterschiedlich gebogen und an den Sonnenstand angepasst werden. Dadurch erreichen wir den fest stehenden Brennpunkt.

Wie teuer und wartungsintensiv ist die Technik?

Die Spiegel werden meist lokal und mit geringeren Arbeitskosten als bei uns hergestellt. In Indien kostet ein Zehn-Quadratmeterspiegel ungefähr 1500 bis 2000 Euro, den kleinen Spiegel gibt es für etwa 200 Euro. Damit hat man über Jahrzehnte praktisch alle Brennstoffkosten abgedeckt. Denn gewartet werden muss unser Spiegel fast gar nicht. Die Drehteile brauchen mal ein bisschen Fett, und die Oberfläche muss man immer mal wieder sauber machen. Mehr ist nicht notwendig.

Wenn in 30 Jahren 2500 Spiegel gebaut worden sind, dann ist das ja nicht besonders viel, wenn man sich diese großen Vorteile anschaut. Woran liegt es, dass ihr Solarkocher nicht millionenfach in der Welt verbreitet ist? Der Bedarf ist doch da...

Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir nicht die optimale Strategie hatten.

Was kann ich mir darunter vorstellen?

Ich hatte eigentlich erwartet, dass mir die Leute die Technik wie warme Semmeln aus den Händen reißen und einen Spiegel nach dem anderen bauen wollen. Zum Beispiel habe ich in Kenia fünf Jahre damit verbracht, verschiedene Gruppen im Spiegelbau auszubilden - aber bei keiner Gruppe ist es weitergegangen, nachdem ein paar Spiegel gebaut worden waren. Die Leute hatten einfach andere Prioritäten. Ich hätte selber ein Geschäft daraus entwickeln sollen - dann wäre es wahrscheinlich viel besser gelaufen. Ich war motiviert, die Technik zu verbreiten, habe aber selbst keine Produktionsfirma aufgebaut.

Da hat auch der Nuclear-free Future Award nichts geändert, den Sie 2006 erhalten haben?

Das war eine schöne Ehrung meiner Arbeit. Aber wie viel zusätzliche Popularität das gebracht hat, weiß ich nicht.

Das Thema umweltfreundliches Kochen ist in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern ja immer noch ein zentrales Problem. Die meisten Familien kochen mit Holz und erhöhen damit den Druck auf die Wälder. Die etwas besser Situierten haben Kerosin- oder Gaskocher und tragen damit zu einer höheren CO2-Last bei. Hätte Ihr Solarkocher nicht immer noch beste Chancen, mehr Verbreitung zu finden?

Das finde ich letztlich auch. Meine Frau und ich müssen einfach unsere Arbeitsweise ändern. Seit drei Jahren arbeiten wir mit zwei weiteren Partnern als Firma zusammen - und sehen schon, dass wir derzeit mehr Zeit mit Verbesserungen des Spiegels verbringen und weniger mit dem Versuch, den Nachbau vielen Leuten beizubringen. Dadurch wird das Produkt besser und attraktiver. Derzeit wenden sich viele Leute an uns, um eine Produktion in Kooperation aufzubauen.

Beim Convent sind hier in Freiburg ja Umweltpreisträger aus der ganzen Welt. Ist das für die größere Verbreitung des Solarkochers eine Hilfe?

Das ist eine wirklich wunderbare Gelegenheit, engagierte Leute von überallher zu sprechen und sie von dem Spiegel zu überzeugen. Ich habe gerade mit Leuten aus Madagaskar, Äthiopien und Eritrea gesprochen - die sind an der Technik sehr interessiert. Von daher ist die Veranstaltung wie eine Art Börse, an der wir Kontakte für die Zukunft machen. Meine Erfahrung sagt mir, dass wir jetzt aber noch einige Zeit brauchen, bis vor Ort wirklich der erste Solarkocher gebaut wird.

Dann wünsche ich viel Erfolg!

Das Interview führte Horst Hamm.

 

Umweltpreisträger fordern CO2-Steuer

EEF_HistKaufhaus_004_S.jpgDie Europäische Umweltstiftung hat am vergangenen Wochenende zum vierten Mal den Internationalen Konvent der Umweltpreisträger veranstaltet. Im Rahmen des Konvents unterzeichneten mehr als 100 Preisträger einen Appell, in dem sie die Einführung einer CO2-Steuer fordern. Wir veröffentlichen an dieser Stelle Teile des Aufrufs:

"Wir - die Gewinner der internationalen Umweltpreise - die an dem 4. Internationalen Konvent der Umweltpreisträger teilnehmen, fordern die Regierungen auf, eine Steuer auf CO2-Emissionen einzuführen und Subventionen fossiler Brennstoffe einzustellen, um die  Menschheit auf den richtigen Weg zu bringen und einen katastrophalen Klimawandel abzuwenden.

Um den Übergang zu erleichtern, könnte die Kohlenstoffsteuer relativ niedrig beginnen (zum Beispiel fünf US-Dollar pro Tonne CO2) und jährlich erhöht werden (zum Beispiel ein US-Dollar pro Tonne CO2), um die Effektivität zu maximieren. 

Die Besteuerung von Kohlenstoff-Emissionen ermutigt Entscheidungsträger auf allen Ebenen der Gesellschaft CO2 durch einen geringeren Verbrauch fossiler Brennstoffe, mehr erneuerbare Energien und erhöhte Energieeinsparungen zu reduzieren.

Die Kalkulation von Kohlenstoff ist der kostengünstigste Weg, um Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig den wirtschaftlichen Paradigmenwechsel zu katalysieren, den die Welt zum Überleben braucht. Der Kohlenstoffpreis kurbelt saubere Technologie und Marktinnovation an und fördert neue, kohlenstoffarme Motoren des Wirtschaftswachstums.  

Die Einnahmen sollen teilweise dazu verwendet werden, um den internationalen Green Climate Fund zu finanzieren, um Entwicklungsländern dabei zu helfen den Klimawandel zu mäßigen und sich an diesen anzupassen."

 

 

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