Menschliche Nutzung bedroht Bestäubung und Samenausbreitung von Waldbäumen weltweit

Wald der Zukunft in Gefahr?

Unsere Eingriffe in die Wälder belasten dieses wertvolle Ökosystem gleich doppelt: Der Wald verarmt und verliert zusätzlich seine Regenerationsfähigkeit. Denn in stark genutzten Wäldern sind Bestäubung und Samenausbreitung der Bäume beeinträchtigt – weil wichtige tierische Helfer fehlen.

Waldzukunft

Soll der Wald nachwachsen, müssen Bestäubung und Samenausbreitung der Bäume gesichert sein (Foto: Eike Lena Neuschulz)

Der Wald ist ein dynamisches System. Damit er dauerhaft erhalten bleibt, muss er sich immer wieder neu regenerieren, vor allem indem neue Bäume nachwachsen. Bei vielen Baumarten spielen Tiere dafür eine entscheidende Rolle: Bienen bestäuben Pflanzen und tragen ihr Erbgut weiter, Samen werden von Vögeln oder Kleinsäugern gefressen und fallen mit dem Kot anderswo zu Boden, um dort zu keimen. Längst jedoch greift der Mensch in die Waldökosysteme ein, unter anderem durch Abholzung, Umwandlung in Ackerland und Wilderei. Dadurch gibt es weltweit kaum noch ungenutzte, naturbelassene Wälder.

Wie sich die menschlichen Eingriffe auf den Nachwuchs des Waldes auswirken, haben nun Forschende der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt in einer ersten globalen Meta-Analyse über Waldregeneration ermittelt. Die Forscher untersuchten dafür an Wäldern in 34 Ländern weltweit, welche Prozesse des Regenerationszyklus von Pflanzen besonders von menschlicher Nutzung beeinflusst sind und verglichen dabei naturbelassene Wälder mit solchen, die durch Menschen intensiv genutzt werden.

Fortpflanzung der Bäume beeinträchtigt

Das Ergebnis: Unsere Eingriffe in das System Wald und vor allem seinen Artenreichtum beeinträchtigen seine zukünftige Entwicklung und Regeneration deutlich. Dieser Effekt war sowohl in tropischen Wäldern als auch in Wäldern der gemäßigten Breiten beobachtbar. Besonders negative Folgen hat die Waldnutzung dabei für die erste und wichtigste Phase der Waldregeneration: die Bestäubung und Samenausbreitung. "Sie sind die anfälligsten ökologischen Prozesse im Lebenszyklus der Pflanzen", erklären die Wissenschaftler.

Wie sich zeigte, bringen der Landnutzungswandel, Wilderei und Übernutzung der Wälder die an diesen Prozessen beteiligten Akteure – Insekten, Vögel und Säugetiere – in Bedrängnis und stören damit auch die Regeneration des Waldes. Zu den Verlierern im Ringen um den Nachwuchs identifizierte das Forscherteam insbesondere Bäume mit großen Samen, deren Ausbreitung von großen und besonders stark bedrohten Tieren unterstützt werden muss.

Nicht immer eindeutig

Die Studie ergab aber auch, dass die Effekte menschlicher Nutzung auf weitere Schritte in der Entwicklung des Baumnachwuchses weniger eindeutig sind. So wird beispielsweise durch Abholzung der Wald lichter und dies erleichtert die Keimung vieler Pflanzen. Andererseits trocknet der Boden in größeren Lichtungen schneller aus, was ungünstig für die Etablierung der Pflanze ist.

Ähnlich zwiespältig ist der Effekt auf den Verlust von Samen oder Blättern der Jungpflanzen durch pflanzen- und samenfressende Tiere: In stark fragmentierten Wäldern nimmt die Zahl dieser Herbivoren zwar oft ab, Störeinflüsse an den Rändern des Waldes können aber auch die Belastung durch Pflanzenfresser erhöhen, wie die Forscher berichten.

Klar scheint aber, dass ausgerechnet der wichtigste und erste Schritt in der Regeneration des Waldes am sensibelsten auf unsere Eingriffe reagiert. "Wir plädieren auf Basis unserer Ergebnisse dafür, Tierarten besser zu schützen, weil ihre Dienstleistung für die Bestäubung und Samenausbreitung von Waldpflanzen entscheidend ist", betont Studienleiterin Eike Lena Neuschulz vom Senckenberg Forschungsinstitut Biodiversität und Klima. "Nur so können wir die Regenerationsfähigkeit der Wälder langfristig erhalten."

Quelle: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen, Fachartikel: Scientific Reports, doi: 10.1038/srep29839

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