Raubbau am Amazonas-Regenwald

Weltweiter Goldhunger frisst Wald

Gold liegt im Trend, die Nachfrage nach dem edlen Metall boomt wie lange nicht mehr. Das hat auch Folgen für die Umwelt. Plötzlich lohnt der Abbau selbst in entlegenen Regenwaldgebieten des Amazonas, immer mehr Wald fällt den Goldsuchern zum Opfer - vor allem die artenreichsten Waldgebiete.

Regenwald

Gold gilt gerade in Krisenzeiten noch immer als relativ sichere Anlage. Kein Wunder also, dass die Nachfrage steigt und die Goldproduktion kaum hinterher kommt. Als Folge ist der Goldpreis von 250 US-Dollar pro Feinunze im Jahr 2000 auf 1300 US-Dollar pro Unze im Jahr 2013 angestiegen. Dieser Hochstand hat einen wahren Goldrausch ausgelöst – mit fatalen Folgen für die Umwelt. Denn angesichts dieser Preise lohnt sich nun selbst der Abbau in bisher als nicht lukrativ geltenden Regionen wie beispielsweise entlegenen Gebieten des südamerikanischen Regenwalds.

Artenreichste Gebiete besonders bedroht

Was die für den Regenwald bedeutet, macht nun eine Studie von Forschern der Universität von Puerto Rico deutlich. Wie die Wissenschaftler feststellten, führte der neue Goldrausch in Südamerika zwischen 2001 und 2013 zur Zerstörung von insgesamt 1680 Quadratkilometern tropischem Regenwald. Neben direkten Abholzungen im Abbaugebiet wird die Natur auch durch Straßen, Bahnverbindungen und wilde Siedlungen der Goldsucher geschädigt. Hinzu kommen die Langzeitfolgen durch giftige Chemikalien und Abgase, wie die Forscher erklären.

"Der Verlust der Wälder durch den Goldabbau ist zwar geringer als durch die Entwaldung für die Landwirtschaft oder andere Flächennutzungen", betont Studienleiterin Nora L. Álvarez-Berríos. "Aber die Entwaldung durch den Goldabbau trifft ausgerechnete einige der artenreichsten Gebiete der Tropen." So ereignete sich 89 Prozent des Waldverlusts in nur vier Regionen, ein Drittel der Zerstörungen betraf dabei Gebiete, die noch innerhalb einer zehn-Kilometer Pufferzone um streng geschützte Urwaldgebiete liegen.

Appell an die Goldkonsumenten

Die Wissenschaftler appellieren daher vor allem an die Käufer von Gold in den Industrieländern, hier aufmerksamer zu werden. "Um den Verlust tropischen Regenwalds durch den Goldabbau einzudämmen, ist es wichtig, dass auch die Goldkonsumenten verstehen, welche sozialen und ökologischen Auswirkungen es hat, wenn sie Goldschmuck kaufen oder in Gold investieren", so Álvarez-Berríos. Sie fordern die Käufer dazu auf, stärker auf einen nachhaltigen Ursprung ihres Goldes zu achten und dies gegebenenfalls auch beim Verkäufer einzufordern.

Die Forscher halten es aber auch für wichtig, dass die Behörden in den Abbauländern gezielt verantwortungsvollere Wege des Goldabbaus fördern. "Wenn sie ihnen helfen, das Gold auf effizientere und schonendere Weise zu extrahieren, kann dies verhindern, dass sie schon nach kurzer Zeit noch tiefer in die Wälder hineinziehen um nach neuen Vorkommen zu suchen", so Álvarez-Berríos.

Quelle: Environmental Research Letters, doi: 10.1088/1748-9326/10/1/014006

Foto: guentermanaus/Fotolia.de

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