Gentechnik

Wie schädlich ist "Gen-Honig"?

Im Interview: Christoph Then, Leiter des Vereins Testbiotech, über genmanipulierte Pollen, Insektengifte und politische Interessenkonflikte

Fotolia_41444742_XS-250.jpgEs war ein Aufsehen erregendes Urteil, das der Europäische Gerichtshof im September 2011 verkündet hat: Genmanipulierte Pollen gehören demnach nicht in unseren Honig. Jetzt will die EU-Kommission den Richterspruch durch ein neues Gesetz aushebeln.

Herr Then, sind gentechnisch veränderte Pollen im Honig gesundheitsschädlich?

Auf jeden Fall müssen sie in der Risikobewertung berücksichtigt werden. Es gibt in der Landwirtschaft zum Beispiel etliche Pflanzen, in die Gene eines Insektengifts eingebaut wurden. Zehn solcher Toxine sind heute in der Pflanzenzucht zugelassen. Von einigen ist bekannt, dass sie eine immunverstärkende Wirkung haben. Das heißt, sie können die Wirkung allergener Stoffe, wie sie Honig beispielsweise enthält, verstärken. Da reichen schon Pollenspuren aus.

Deshalb hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) jetzt Honig, der genmanipulierte Pollen beinhaltet, verboten?

Die Richter haben klar gemacht: Es kann nichts zugelassen werden, was nicht anhand seiner Risiken bewertet wurde. Das entspricht dem Rechtsprinzip der Europäischen Union, auf dem die gesamte Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen beruht. Der EuGH hat dieses Grundprinzip durch sein Urteil gestärkt. Es kann da keine Ausnahmen geben. Auch die Produktion von Honig muss sich nach diesen Grundsätzen richten.

Das Urteil hatte ein Imker aus Baden-Württemberg erstritten. Müssen jetzt alle Imker ihren Honig auf Genpollen testen lassen?

Nein, weil in Deutschland gentechnisch veränderte Pflanzen derzeit noch nicht kommerziell angebaut werden dürfen. Und die Nähe zu den Testfeldern ist vermeidbar. Eine andere Sache wäre es, wenn gentechnisch manipulierte Pflanzen im großen Stil angebaut würden.

Was wird sich durch das Honig-Urteil ändern?

Zunächst mal bringt es mehr Transparenz. Der Streit um die Gentechnik ist ein Interessenkonflikt zwischen den Verbrauchern und der Industrie. Wie dieser Konflikt ausgeht, ist offen. Aber das Urteil zeigt: Eine Basta-Politik, die über die Köpfe der Verbraucher hinweg entscheidet, ist heute nicht mehr gesellschaftsfähig.

Das Gespräch haben wir im November 2011 in unserem Magazin abgedruckt.

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