Hauptquellen für Feinstaub in Großstädten der Welt identifiziert

Woher kommt die dicke Luft in der Stadt?

Woher stammt der Feinstaub in den Großstädten der Welt? Eine Studie der EU und der Weltgesundheitsorganisation WHO liefert nun teilweise überraschende Antworten. So spielt der Verkehr in den Ballungsräumen Mitteleuropas eine geringere Rolle als der Feinstaub aus Heizungen.

Smog

Luftverschmutzung in Schanghai (Foto: Oleksandr Dibrova/ Fotolia)

Feinstaub ist eine Gefahr für die Gesundheit – das belegen Studien seit Jahren. Die feinen, zwischen 2,5 und 10 Mikrometer kleinen Schwebstoffe schaden der Lunge, den Gefäßen und sogar dem Gehirn. Immerhin gut drei Millionen Todesfälle weltweit gehen jedes Jahr auf das Konto dieser eingeatmeten Partikel. Woher dieser Feinstaub kommt, ist dabei von Region zu Region unterschiedlich – und auch zwischen Stadt und Land.

Woher die dicke Luft in den großen Städten der Erde stammt, hat nun ein internationales Forscherteam anhand von 51 Ballungsräumen weltweit untersucht. Insgesamt liegt demnach - wie erwartet - der Verkehr mit rund einem Viertel des Feinstaubs vorne. Weitere wichtige Quellen der Luftverschmutzung sind Heizung und Öfen in den Haushalten mit 20 Prozent und die Industrie mit 15 Prozent. Ebenfalls bedeutend sind sekundäre Schwebstoffe, die erst durch die Reaktion von Stickoxiden, Schwefeldioxid und anderen Gasen in der Luft entstehen.

Europa: Feinstaubschwaden aus Kohleöfen

Doch sieht man genauer hin, dann zeigen sich auffallende – und überraschende – Unterschiede zwischen dem globalen Durchschnitt und einzelnen Regionen: So wird sowohl in Afrika als auch in Mittel- und Osteuropa der meiste Feinstaub von den einzelnen Haushalten produziert. Er ist bei uns immerhin für 32 Prozent der Partikel mit 2,5 Mikrometern Größe und 45 Prozent des Feinstaubs um 10 Mikrometer Größe verantwortlich.

In Afrika verwundert dies nicht, denn hier heizen und kochen die Menschen meist mit offenen, stark rußenden Feuern. Aber in Europa würde man so starke Emissionen aus Haushalten eigentlich nicht erwarten. Die Forscher vermuten, dass die in Osteuropa noch gebräuchlichen Kohleöfen für die Feinstaubschwaden der gesamten Region verantwortlich sind.

Feinstaub

Auf die Bevölkerungsdichte umgerechneten Anteile der verschiedenen Feinstaubquellen. (Grafik: EU, 2015)

Sekundäre Schwebstoffe und die Industrie

In der Türkei und den Großstädten Nordamerikas ist der von den Abgasen des Verkehrs erzeugte sekundäre Feinstaub die Hauptquelle der schädlichen Schwebstoffe, wie die Forscher feststellten. Auch in Frankreich, Spanien, Portugal und Korea liegen diese indirekten Folgen des Verkehrs mit 44 Prozent an erster Stelle. Rechnet man dann noch die direkten Feinstaub-Emissionen durch Dieselruß und Co dazu, dann ist der Verkehr dort für rund zwei Drittel des Feinstaubs in den Städten verantwortlich.

Die Industrie liegt bei uns in Mitteleuropa immerhin auf Rang drei der Feinstaubschleudern. Ihr Anteil liegt in unserer Großstadtluft bei 17 Prozent, wie die Forscher ermittelten. In vielen Regionen Asiens hat die Industrie jedoch einen deutlich höheren Anteil an der dicken Luft in der Stadt. Sie ist in Japan, Südchina und Südasien für rund ein Drittel des Feinstaubs in den Ballungsräumen verantwortlich.

"Um die Luftverschmutzung in den Städten zu senken, müssen dringend Lösungen gefunden werden, um die Feinstaubemissionen durch Verkehr, Industrie und die Verbrennung von Biomasse zu reduzieren", warnen die Forscher.

Quelle: European Commission Joint Research Centre, Fachartikel: Atmospheric Environment, doi: 10.1016/j.atmosenv.2015.08.087

Keine Kommentare
Diesen Artikel kommentieren

natur 01/2018: Das größte Rätsel aller Zeiten

natur 01/2018

Gibt es außerirdisches Leben? Neue Missionen zu unseren Nachbarn im All suchen nach der Antwort.

Leserfoto des Monats

Abendlicher Feuerball

Abendlicher Feuerball

Am häufigsten kommentiert

Folgen Sie natur.de

natur-Newsletter abonnieren