Abschluss der UN-Klimakonferenz in Paris 2015

Akt de Triomphe für den Klimaschutz

Es ist geschafft: Knapp 200 Staaten haben sich zu einem gemeinsamen Klimavertrag durchgerungen. Doch das Abkommen ist längst nicht perfekt, viele Kritikpunkte bleiben und die meiste Arbeit kommt erst noch. Ein Kommentar von Sylvia Ratzlaff, WWF

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Eine Performance-Aktion vor dem Louvre während der Klimakonferenz 2015 in Paris (Foto: Emma Cassidy / Survival Media Agency)

Die COP 21 hat den Stresstest bestanden. Das UN-Klimaschutzabkommen ist in trockenen Tüchern. Seit zwei Jahrzehnten verhandelt die Welt darüber, jetzt liegt es vor. Freude und Erleichterung unter Umweltschützern. Denn nach harten Verhandlungen steht das erste für alle Staaten verbindliche Weltklimaschutzabkommen, das auf das 1997 verabschiedete Kyoto-Protokoll folgen soll. Es wird erstmals eine Architektur aufgesetzt bei der sich alle Staaten gemeinsamen, transparenten Zielen und Regeln unterwerfen, um den Klimawandel zu bekämpfen.

Die Ergebnisse des Klimagipfels sind ein Meilenstein, aber nicht der Endpunkt der globalen Klimaschutzanstrengungen. Das Abkommen ist längst nicht perfekt, viele Kritikpunkte bleiben. Dennoch - die Richtung ist klar vorgegeben: raus aus Kohle, Öl und Gas. Alle Staaten müssen mitmachen, wenn auch die Industriestaaten bei der Umgestaltung der Wirtschaft vorangehen müssen. Die armen und durch den Klimawandel besonders bedrohten Staaten werden Unterstützung erhalten.

Alle fünf Jahre Revision

Im Pariser Abkommen wird die Begrenzung der globalen Erwärmung von deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber den vorindustriellen Werten als verbindliches Ziel festgeschrieben. Die Klimaschutzanstrengungen sollen sogar eine globale Klimaerwärmung von höchstens 1,5 Grad in den Blick nehmen. In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts soll daher der Ausstoß der menschengemachten Treibhausgasemissionen nicht höher sein, als die natürlichen Senken wie etwa Wälder aufnehmen. Dies bedeutet letztlich, schnell aus der Nutzung von Kohle, Öl und Gas auszusteigen und deutlich mehr in den Waldschutz zu investieren.

Grundlage des Transformationsprozesses sollen Aktionspläne sein, die von den einzelnen Staaten ausgearbeitet werden und die, sozusagen im Pilotverfahren, vor der Pariser Konferenz von über 180 Staaten bereits übermittelt wurden. In klaren Fünf-Jahres-Revisions- und Überprüfungszyklen soll das Ambitionsniveau jeweils erkennbar erhöht werden. Staaten, die sich nicht regelmäßig vor der gesamten Weltgemeinschaft blamieren wollen, bleibt nichts anderes übrig, als Klimaschutzmaßnahmen viel ernsthafter umzusetzen als bisher. Damit wird auch an die Wirtschaft ein klares Signal gesendet, dass Investitionen in treibhausgasintensive Technologien hohen Risiken ausgesetzt sein werden.

COP21_Ratzlaff_WWFRückenwind für den Ausstieg

Diese neue rechtliche Grundlage gibt uns Rückenwind für unsere Arbeit in Deutschland. Zwei Beispiele: Die Bundesregierung muss aktiv werden, um die Emissionslücke zu schließen, die sie von der Erreichung ihrer eigenen Klimaziele trennt. Dafür ist der schnelle Kohleausstieg vor dem Hintergrund eines Limits von 1,5 Grad beziehungsweise zwei Grad globaler Erwärmung (wir sind heute schon bei einem Grad angekommen!) unausweichlich. Andererseits gibt uns der Klimavertrag ein starkes Argument, um Investoren zu überzeugen, damit sie ihre Gelder aus klimaschädlichen Investments zurückziehen.

Die Folgen des Klimawandels sind in den letzten Jahren weltweit spürbarer und sichtbarer geworden. Andere Folgen unseres nicht nachhaltigen Energie- und Wirtschaftssystems waren durch Smog-Bilder aus Peking prominent zu sehen. Dieser Hintergrund hat sicherlich zum Erfolg von Paris beigetragen. Doch die Abkehr von klimaschädlichen Wirtschaftsweisen und vor allem der Ausstieg aus fossilen Energieträgern lohnen sich zunehmend auch ökonomisch.

Es bleibt, viel zu tun

Die Preise für Photovoltaik und Windenergie sind innerhalb weniger Jahre drastisch gefallen. Rund um den Globus wurde 2013 erstmals mehr erneuerbare als fossil-nukleare Kraftwerksleistung installiert. Und 2014 floss mehr als doppelt so viel Geld in erneuerbare wie in fossile Anlagen. Seit der Jahrtausendwende hat sich die weltweit installierte Leistung der Photovoltaik verfünfzigfacht. Die Windenergie nahm im gleichen Zeitraum um den Faktor acht zu. Die Folge: Im vergangenen Jahr stieg der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase im Energiesektor erstmals seit 40 Jahren nicht an – und das trotz steigender Wirtschaftskraft und weiterhin wachsendem Energieverbrauch. Dank der erneuerbaren Energien haben die Staaten die Möglichkeit, Energiearmut zu überwinden, Strom zu erschwinglichen Preisen für alle verfügbar zu machen und klimafreundliche Jobs zu schaffen.

Nach dem Gipfel von Paris ist jedoch auch klar, dass noch viel tun bleibt. Die alte Fußball-Weisheit beweist sich als wahr: Vor dem Spiel ist nach dem Spiel. Damit das Pariser Abkommen im Jahr 2020 in Kraft tritt, muss es noch von den Vertragsstaaten ratifiziert werden. Dafür müssen mindestens 55 Prozent der Staaten, die zusammen mindestens 55 Prozent der Treibhausgasemissionen ausstoßen, das Abkommen rechtlich anerkennen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erinnerte in Paris daran, dass dem Abkommen konkretes Handeln folgen müsse. "Die Arbeit beginnt morgen!" sagte er.

Sylvia Ratzlaff war auf der Klimakonferenz in Paris und arbeitet für den WWF Deutschland.
Foto: WWF Deutschland (2)

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Informationen zum Artikel

Datum: 14.12.2015
Kategorie: Umwelt
Kommentare: 0
Schlagworte: Klimakonferenz / Paris

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