Nachhaltiges Aquakultur-Futter aus Insektenlarven soll Wildfische schonen

Aquakultur: Insekten statt Fischmehl

Auch die Aquakultur trägt zur Überfischung der Meere bei. Denn viele Speisefische werden mit Fischmehl und -öl aus Wildbeständen gefüttert. Abhilfe soll nun ein nachhaltigeres Fischfutter schaffen: pflanzenfressende Insektenlarven als Lieferanten für tierisches Eiweiß.

Aquakultur

Rund die Hälfte unserer Speisefische stammt aus Aquakultur (Foto: Slavko Sereda/ Fotolia)

Große Teile der weltweiten Fischbestände gelten heute als überfischt, dennoch steigt die Nachfrage nach Speisefischen immer weiter. Um diesen Bedarf zu decken, werden Lachs und Co häufig in Aquakulturen gehalten. Rund 50 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte werden nach Angaben des WWF inzwischen in Süßwasser- und Meereszuchten erzeugt – das entspricht rund der Hälfte des weltweit verzehrten Fisches.

Aquakultur "frisst" Wildfisch

Auf den ersten Blick erscheint diese Fischzucht zumindest schonend für die Wildfischbestände, doch das täuscht leider. Der Grund: Viele Speisefische sind Fleischfresser. Um sie zu füttern, wird daher meist Fischmehl oder Fischöl verwendet, das wiederum aus Wildbeständen stammt. Um beispielsweise ein Kilogramm Lachs zu produzieren, wird doppelt so viel Wildfisch benötigt, bei Thunfisch sind es sogar fast 20 Kilogramm Futterfisch. Nachhaltig ist dies daher eher nicht.

Um Abhilfe zu schaffen, suchen Forscher nach Möglichkeiten, nachhaltigeres und trotzdem nahrhaftes Fischfutter für Aquakulturen zu produzieren. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben hierfür nun eine auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkende Lösung parat: Insektenlarven.

Insektenlarven statt Fischmehl

Der große Vorteil: Insekten und vor allem ihre Larven sind sehr proteinhaltig und eigenen sich daher ausgezeichnet als Lieferant für tierisches Eiweiß. Gleichzeitig sind die Larven einfach zu halten und zu vermehren und benötigen meist nur pflanzliche Nahrung für ihr Wachstum. Als potenzielle Fischfutter-Lieferanten haben die Forscher bereits die Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens) getestet.

"Die Larven der Schwarzen Soldatenfliege können mit organischen Reststoffen ernährt werden, zum Beispiel Abfällen und Nebenprodukten aus der Landwirtschaft", erklärt Projektleiter Martin Tschirner vom IGB. "Bisher ungenutzte Nährstoffe werden so recycelt und einem intelligenten Stoffkreislauf zugeführt, der sich an der Natur orientiert." Die Zucht der Larven erzeugt zudem Nebenprodukte, die ebenfalls wirtschaftlich interessant sind: "Das Restsubstrat kann als organischer Dünger vermarktet werden, das gewonnene Insektenöl ist auch für technische Anwendungen geeignet."

Wie machbar ist die Massenproduktion?

Doch bevor die Insekten als Fischfutter eingesetzt werden, muss klar sei, ob auch die Produktion in großem Maßstab technisch machbar sowie ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. In einem vom BMBF geförderten Projekt arbeiten die IGB-Forscher zurzeit daran, ein tragfähiges Grundkonzept für die wirtschaftliche Großproduktion von insektenbasierten Futtermitteln zu entwickeln.

"Gelingt die großskalige Produktion von Insektenmehl, dann erhalten wir ein nachhaltiges Futtermittel mit dauerhafter Verfügbarkeit, kontrollierter Qualität und Sicherheit sowie stabilen Preisen", erklärt Werner Kloas, Leiter der IGB-Abteilung Ökophysiologie und Aquakultur. "Hier können Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit im Sinne der Bioökonomie ideal verknüpft werden." Entwickeln sich Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsanalyse sowie die europäische Rahmengesetzgebung weiter positiv, soll die Produktidee auch kommerziell verwertet werden.

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 20.04.2017
Kategorie: Umwelt
Kommentare: 0
Schlagworte: Aquakultur / Fischerei / Fisch / Überfischung / Insekten

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