Dem Bienensterben auf den Spur

Bienen sammeln fatale Giftcocktails an

Eine neue Methode zum Nachweis von Pestiziden hat aufgedeckt: In kranken Bienen steckt eine gruselige Mixtur aus bis zu 57 verschiedenen Wirkstoffen. Diese Erkenntnisse könnten nun wichtige Informationen für den Kampf gegen das weltweite Bienensterben liefern.

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Tote Bienen - woran liegt's? (Foto: Eric Isselée/fotolia.de)

Seit etwa 15 Jahren befinden sich die Bienen auf dem Sinkflug: Die Bienenstaaten auf der Nordhalbkugel der Erde scheinen geschwächt und sterben teils in einem dramatischen Ausmaß ab. Die Gründe für das sogenannte Bienensterben (Colony Collapse Disorder) sind vielfältig und nach wie vor nicht vollständig geklärt. Neben eingeschleppten Parasiten wie der gefürchteten Varoamilbe wird vermutet, dass auch Pflanzenschutzmittel zu den Völkerverlusten beitragen.

Vor allem bei den Insektenvernichtungsmitteln aus der Gruppe der sogenannten Neonikotinoide legten Studien bereits einen negativen Effekt auf Bienen nahe. Daher hat sie die Europäische Union nun vorerst aus dem Verkehr gezogen. Aber damit ist das Problem vermutlich nicht einmal annähernd gelöst: Die Beziehung zwischen dem Einsatz von Pestiziden und dem Bienensterben scheint komplex und Wissenschaftler versuchen immer noch, genau herauszufinden, was den kostbaren Insekten so zu schaffen macht.

Gift-Analyse für kranke Bienen

"Die Bienengesundheit ist eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse, da sie bis zu 80 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Pflanzen und Wildpflanzen in Europa bestäuben", sagt Tomasz Kiljanekomasz Kiljanek vom Nationalen Veterinärforschungs-Institut in Polen. "Wir wollten nun einen Test für eine große Anzahl von Pestiziden entwickeln, die in Europa zugelassen sind, um eingrenzen zu können, was die Bienen vergiftet." Kiljanek und seinen Kollegen glückte es schließlich, ein Verfahren zu entwickeln, das so genau wie nie zuvor aufdecken kann, welche Pestizide in einer Biene stecken. Es handelt sich um eine abgewandelte Methode aus der Lebensmittel-Analytik. Die Forscher können mit diesem System nun 200 unterschiedliche Pestizide gleichzeitig identifizieren.

Die Forscher nutzten das Verfahren bei 70 Fällen, in denen Bienenvölker dem Anschein nach an Vergiftungen litten. Ihre Analysen offenbarten einen ausgesprochen bunten Gift-Cocktail in den betroffenen Insekten: 57 unterschiedliche Wirkstoffe, die in Europa als Pflanzenschutzmittel zugelassen sind, steckten in den Bienenkörpern. Den Forschern zufolge handelt es sich um ein giftiges Puzzle, das es nun zu lösen gilt. Das Problem dabei ist: Möglicherweise entfalten manche Wirkstoffe erst in Kombination mit anderen oder deren Abbaustoffen ihr fatales Potenzial.

Wissen, mit welchen Mixturen man es zu tun hat

"Dies ist nur der Anfang unserer Forschung über die Auswirkungen von Pestiziden auf die Gesundheit von Honigbienen", sagt Kiljanek. "Die drastischen Vergiftungsfälle sind sowieso nur die Spitze des Eisbergs. Selbst bei einem sehr niedrigen Niveau können Pestizide Bienenabwehrsysteme schwächen, so dass Parasiten oder Viren den Kolonien schließlich den Rest geben können", so Kiljanek. Er und seine Kollegen hoffen nun, dass ihre Ergebnisse das Wissen über den Einfluss von Pestiziden entscheidend erweitern können. Andere Forscher könnten dadurch nun besser beurteilen, mit welchen Mixturen von Pestiziden sie es zu tun haben, sagt Kiljanek.

Quelle: Elsevier

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Martin Vieweg
Autor: Martin Vieweg
Datum: 11.03.2016
Kategorien: Natur / Umwelt
Kommentare: 0
Schlagworte: Bienen / Pflanzenschutzmittel

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