Herausforderung Klimawandel

Biodiversität schützt vor Artenverlust

Was bedeutet eine wärmere Welt für die Biodiversität? Mehr Arten, weniger Arten oder bleibt alles beim Alten? Ökologen sind diesen Fragen experimentell nachgegangen und zwar am Beispiel von "wichtigen Würmchen".

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Simulierter Klimawandel: Lampen erwärmen die Versuchsparzellen. (Foto:Jacob Miller)

Die Biodiversität zu Beginn eines Wandels ist ausschlaggebend für das weitere Schicksal eines Ökosystems, geht aus der Studie der Forscher von der Universität Leipzig und der University of Minnesota in Minneapolis hervor. Sie fand am Beispiel der erstaunlichen Artenvielfalt von bodenbewohnenden Fadenwürmern heraus, dass die Erwärmung eines Ökosystems die Biodiversität nicht unbedingt verringert. Der jeweilige Trend scheint davon abzuhängen, wie groß die Artenvielfalt im Ökosystem ist.

Der traurige Hintergrund auch für diese Studie ist: Der Klimawandel zeichnet sich immer deutlicher ab. In vielen Teilen der Welt wurde der vergangene Monat als der wärmste Juni verzeichnet, den es je gab. Auch das ganze letzte Jahr war erneut das wärmste seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Die Klimaerwärmung führt zu sofortigen Effekten, etwa zu extremen Wetterereignissen oder dem globalen Anstieg des Meeresspiegels - aber auch zu schleichenden: Wissenschaftler befürchten, dass der Klimawandel die Biodiversität verändern wird - die Vielfalt des Lebens, von Pflanzen und Tieren bis hin zu Mikroorganismen. Auch für den Menschen könnte diese Entwicklung letztlich drastische Folgen haben. Der Erforschung dieses Aspekts widmen sich die Wissenschaftler um Madhav Thakur von der Universität Leipzig.

Um die Effekte des Klimawandels auf die Artenvielfalt zu untersuchen, hat das Forscherteam einen Langzeit-Feldversuch in Minnesota durchgeführt: Sie richteten mehr als 30 verschiedene Wiesen-Beobachtungsflächen ein - einige davon mit nur einer einzigen Pflanzenart und andere mit bis zu 16 verschiedenen Pflanzenarten. Anschließend erwärmten sie die Wiesenparzellen mit Heizlampen um ungefähr drei Grad Celsius. Die für den Versuch geschaffenen Monokultur-Parzellen ähnelten Flächen, die man auch in der intensiven Landwirtschaft findet.

"Modell-Würmchen" im Fokus

Im Fokus der anschließenden Untersuchungen standen die sogenannten Nematoden - kleine, in großen Mengen im Erdreich vorhandene Würmchen. Das Besondere: Sie weisen einen enormen Artenreichtum auf. Nematoden spielen in vielen Ökosystemen außerdem eine wichtige Rolle, zum Beispiel tragen sie dazu bei, den Boden fruchtbar zu machen, was für die Pflanzenproduktion unverzichtbar ist. Die Frage war nun: Wie wirkt sich der experimentell hervorgerufene Wandel auf die Artenvielfalt dieser Modellwesen aus?

Es zeigte sich: Als die Forscher die Wiesen erwärmten, ging in den Monokultur-Parzellen die Vielfalt bei den Nematoden-Arten deutlich zurück. Auf den Beobachtungsflächen mit großer Pflanzenvielfalt nahm die Anzahl der Nematodenarten hingegen sogar etwas zu. "Die Botschaft dieses Studienergebnisses scheint somit klar: Wir brauchen Biodiversität, wenn wir die Biodiversität in einer wärmeren Welt erhalten wollen", resümiert Thakur. Co-Autorin Jane Cowles von der University of Minnesota schließt sich an: "Eine größere Anzahl von Spezies stellt eine gewisse Versicherung gegen negative Einflüsse dar". Auch Studien an anderen Organismen führten bereits zu einem ähnlichen Ergebnis. Somit heißt die Devise: Eine Förderung der Biodiversität ist buchstäblich grundlegend wichtig.

Quelle: German Centre for Integrative Biodiversity Research (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

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Martin Vieweg
Autor: Martin Vieweg
Datum: 17.07.2017
Kategorien: Natur / Umwelt
Kommentare: 0
Schlagworte: Artenvielfalt / Klimawandel / Bodentiere

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