Interview mit einer Teilnehmerin des WWF-Wildniscamps

"Das Spannendste war die Lauer auf den Wolf"

Im Sommer waren zwölf Jugendliche in einem entlegenden Winkel der Lausitz fünf Tage lang auf der Spur der Wölfe. Im Interview erzählt Una Steinleitner, die als natur-Leserin an dem Wildniscamp teilnehmen durfte, was sie über die Erforschung ihres Lieblingstiers gelernt hat - und warum sie findet, dass die Arbeit von Naturschützern beim Schutz der Tiere nicht aufhören darf.

Canis-lupus_259182_-®-Sergey-Gorshkov-WWF-250.jpgnatur: Una, mit elf anderen Jugendlichen und den Campleitern warst Du fünf Tage lang in der wilden Natur der Lausitz auf der Spur eines großen Raubtiers. Und, wie war's?

Una Steinleitner: Toll! Das Überraschende war, dass wir bei diesem Camp unseren Tag selbst planen durften. Jeder konnte aufstehen und ins Bett gehen, wann er es für richtig hielt. Wir haben mit einem bestimmten Budget selbst für unsere Verpflegung gesorgt, wir haben gekocht und so weiter. Das war wirklich ziemlich cool.

Kein Chaos?

Nein, überhaupt nicht. Wir waren alle ziemlich vernünftige Leute. Die Organisation hat echt gut geklappt, alle haben an einem Strang gezogen.

Und was habt Ihr zusammen erlebt?

Wir waren zum Beispiel beim Schäfer Neumann, der uns erzählt hat, wie er mit seiner Herde mitten im Wolfsgebiet klar kommt. Anfangs hat er wohl viele Schafe an die Wölfe verloren. Doch seit er einige Hütehunde hat, ist das kein Problem mehr. Dann haben wir gezeigt bekommen, wie man Wölfen Halsbänder umlegt, um ihre Wanderungen per Peilsender zu verfolgen. Zur Probe haben wir dann ein verstecktes Sender-Halsband gesucht, mit dem einer der Campleiter losgelaufen ist. Nur mit Peilsender und Karte ausgestattet haben wir ihn dann ausfindig gemacht - beziehungsweise das Band, denn er hatte es irgendwo hinter einem Busch versteckt. Das war sehr interessant. Aber das Spannendste war natürlich, als wir uns auf die Lauer gelegt haben, um einen Wolf zu sehen. Da haben wir stundenlang auf einem Hügel gesessen, alle Sinne geschärft. Und wir haben gesehen, wie schwer es ist, einen Wolf überhaupt zu treffen. Aber dann hörten wir ein Geräusch, und...

Halt! Ob ihr wirklich einen Wolf getroffen habt, wollen wir eigentlich noch nicht verraten. Das können die Leser dann in unserer Oktoberausgabe nachlesen, die in ein paar Tagen in den Handel kommt. Kannst Du denn jetzt auch heulen wie ein Wolf? Das stand ja auch auf dem Programm...

Das nicht, den Punkt „Heulen wie ein Wolf" haben wir weggelassen. Aber wir haben gelernt, wie man Spuren liest. Man kann daran nicht nur erkennen, welche Tierart da gelaufen ist. Anhand der Spreizung eines Abdrucks vom Reh zum Beispiel sieht man, ob das Tier langsam oder schnell unterwegs war oder wie schwer es ist.

Was nimmst Du in Sachen Wolf an Erkenntnissen mit aus dem Camp?

Der Wolf war schon immer mein Lieblingstier. Darum war das für mich natürlich ein ganz besonderes Erlebnis, von dem ich allen meinen Freunden erzähle. Ganz wichtig zu wissen ist, dass der Wolf wahnsinnig scheu ist und viel mehr Angst vor uns Menschen hat als wir vor ihm. Darum sind die ganzen Vorbehalte gegenüber dem Wolf Unsinn. Wenn man Schafe und Hühner gut vor ihm schützt, gibt es überhaupt keinen Grund, ihn zu fürchten. Außerdem fotografiere ich sehr gern in der Natur und habe bei dem Camp natürlich alle Speicherkarten voll gemacht. Über das Fotografieren war ich ja sogar erst auf Euer Heft und so auf die Verlosung gekommen. Das Abo hatte ich bei Eurem Fotowettbewerb „Natur im Fokus" gewonnen.

Das ist der Nachwuchs-Fotowettbewerb des Münchener Museums Mensch und Natur, den natur als Medienpartner begleitet. Gibt es denn auch andere Tiere, die bei dem Camp eine Rolle spielten?

Oh ja, ich habe da zum ersten Mal gesehen, wie riesig Kraniche sind! Die sind echt cool. Aber ich möchte noch etwas anderes sagen, das mir am Herzen liegt: Wir haben da auch ein großes Tagebaugebiet besucht und live gesehen, wie dafür Häuser abgerissen werden. Das einzige Argument sind ein paar Arbeitsplätze, die Kohle als Energieträger ist ja eigentlich von gestern. Und trotzdem werden dafür wunderschöne Dörfer geopfert. Und natürlich die Natur - was für ein Irrsinn! Gegen solche Zerstörung zu kämpfen, finde ich genauso wichtig wie den Kampf für Wölfe, Tiger oder Elefanten. Ich finde es wirklich gut, dass sich Organisationen dafür einsetzen.

_MG_3437_Freisteller_150.jpgUna Steinleitner ist 15 Jahre alt, leidenschaftliche Naturfotografin und Leserin von natur. Die Teilnahme am WWF-Jugendcamp in der Lausitz hatte sie bei unserer Verlosung im Februar gewonnen.

 

 

 

Mehr über das WWF-Wildniscamp und die Erlebnisse von Una und den anderen Teilnehmern - vor allem aber die Antwort auf die Frage, ob sie einen Wolf gesehen haben - gibt es in der Oktoberausgabe von natur. Sie erscheint am 20. September.

Infos über das Jugendcamp-Programm des WWF gibt es hier.

Fotos: Sergey Gorshkov/WWF (Wolf mit Welpe), Jörg Fokuhl (Una Steinleitner)

Fotogalerie unten: Una Steinleitner

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Informationen zum Artikel

Jan Berndorff
Autor: Jan Berndorff
Datum: 14.09.2013
Kategorien: Freizeit / Menschen / Natur
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Schlagworte: Wolf / WWF / Jugendcamp / Wildnis / Spurenlesen / Tierspuren / Lausitz

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