Welche Nahrungsmittel die Umwelt am stärksten belasten

Der Preis des Steaks

Hoher Fleischkonsum schade der Umwelt, heißt es. Richtig, aber Fleisch ist nicht gleich Fleisch. Eine neue Studie berechnet die ökologischen Kosten für verschiedene tierische Produkte und kommt zu einem erstaunlich eindeutigen Ergebnis.

Rinder beim Fressen

Ernährung ist in unserer Zeit nicht mehr nur ein Gesundheits- sondern auch ein politisches Thema. Seit Jahren wird uns erzählt, zu viel Fleisch sei ungesund und außerdem schlecht für die Umwelt. Die Vegetarier bejubeln derartige Nachrichten, doch viele andere stellen sich stur. Auf das Schnitzel am Mittag verzichten? Warum denn, bitte schön? Die Empörung über den „Veggie-Day"-Vorschlag der Grünen ist da nur ein Beispiel von vielen. Gerade global gesehen steigt der Fleischkonsum unerbittlich an. Aber wer kennt die Kosten wirklich? Wieviel Wasser, wieviel Nährstoffe landen mit dem Steak auf dem Teller? Und welchen Unterschied für die Umwelt macht es, ob man nun Schweineschnitzel, Steak oder doch Gemüseburger isst?

Kostenrechnung pro Kalorie

Ohne Zweifel ist Tierhaltung, bzw. Fleischproduktion ein sehr wichtiger Teil der Frage, wie die Menschen die Umwelt beeinflussen. Sie verursacht ein Fünftel des globalen Treibhausgasausstoßes und nimmt große Landflächen und Ressourcen in Anspruch. Aber bisher waren immer nur Einzelaspekte wissenschaftlich untersucht worden. Milchprodukte galten als vertretbar, Rinder wurden zu Klimasündern erklärt, nur verlässliche Daten waren schwierig zu bekommen. Doch das könnte sich jetzt ändern. In einer neuen Studie des Weizmann Institute of Science in Zusammenarbeit mit amerikanischen Wissenschaftlern sind die Autoren den wirklichen ökologischen Kosten von Rind, Huhn, Schwein, Eiern und Milchprodukten auf den Grund gegangen und haben sie miteinander verglichen.

In den USA untersuchten sie die Daten von Freilandfarmen und großen Mastanlagen und errechneten für jedes Produkt die genauen ökologischen Kosten pro Kalorie oder Proteineinheit. Dabei mussten die Wissenschaftler sehr viel unterschiedliche Faktoren beachten: eine Rinderherde im weiten Westen des Landes beispielsweise verbraucht viel Platz, aber deutlich weniger Wasser als Tiere in Ställen, die sich hauptsächlich von Futtermais ernähren. Dafür ist der Anbau dieses Futtermittels mit viel Wasser- und Stickstoffverbrauch verbunden. Jeder dieser Kostenpunkte hängt zudem mit vielen anderen biologischen Faktoren zusammen. Ein hoher Landbedarf etwa beeinträchtigt auch die Biodiversität, die Treibhausgase hängen eng mit der Entwicklung des Klimas zusammen.

Weniger Rindfleisch schont die Umwelt

Das klare Ergebnis der Analyse: Der weitaus größte Einflussfaktor ist der Rindfleischverbrauch. Im Vergleich zu sämtlichen anderen untersuchten Tierprodukten verbraucht jedes Rind 28 Mal so viel Land, 11 mal so viel Bewässerung, sechs mal so viel Stickstoff und ist für fünf mal so viel Treibhausgas verantwortlich wie alle anderen untersuchten Produkte. Das ist im Durchschnitt ein Unterschied von einer Größenordnung (10 mal mehr). Die ökologischen Kosten für Eier, Milchprodukte, Hühner- und Schweinefleisch liegen alle auf etwa einer Ebene deutlich darunter. Diese große Lücke war es, die die Autoren der Studie am meisten überraschte.

chicken-vs-cowDie Frage ‚lieber Rind oder Hühnchen?' lässt sich somit ganz einfach beantworten – zumindest ökologisch gesehen. Die Produktion der Mengen von Rindfleisch, die heute gegessen werden, ist extrem ressourcenineffizient. Für jede Kalorie, die ein Mensch verwerten kann, müssen rund 35 an die Tiere verfüttert werden. Im Alltag der Menschen ist diese Erkenntnis aber noch nicht angekommen. In den USA werden 7 Prozent aller Kalorien über Rindfleisch aufgenommen und auch in Deutschland essen die Menschen im Durchschnitt viel mehr tierische Produkte als empfohlen. Auch die beliebteste Nährstoffquelle, nämlich Milchprodukte, sind keineswegs ideal. Sie kommen in der Studie schlechter weg, als erwartet. Was in der Studie allerdings noch fehlt, ist die genaue Betrachtung von Pflanzen wie Soja und Bohnen, die häufig als alternativer Proteinproduzent ins Spiel gebracht werden. Auch ihre Produktion verlangt eine Menge Land und Wasser, die in der vorliegenden Studie nicht in den Vergleich eingeflossen sind. Das, so die Autoren, müsse in zukünftigen Arbeiten untersucht werden, um das Bild Stück für Stück zu vervollständigen.

Ein Aufruf an die Politik

Ron Milo, Hauptautor der Studie hofft, dass diese Ergebnisse sowohl Einfluss auf die Ernährung jedes Einzelnen haben werden, wie auch auf die Landwirtschaftspolitik. Welche Art von Anbau wird bezuschusst, wo müssen neue Gesetze her? Denn neben dem Umweltschutz dient eine geringere Beanspruchung der Umwelt auch der globalen Versorgungssicherung. Die aktuellen Ergebnisse stützen sich zwar auf Daten aus den USA, doch man kann davon ausgehen, dass die prinzipiellen Tendenzen auch für andere Länder gültig sind. Viele der amerikanischen Gewohnheiten und Strukturen sind inzwischen weltweit verbreitet. Doch noch wichtiger ist Milo, endlich ein Instrument zu haben, mit dem eine Vergleichbarkeit geschaffen werden kann. „Die Berechnungsmodelle, die wir für diese Studie entwickelt haben, können erweitert und verfeinert werden und dann beispielsweise auch auf pflanzliche Lebensmittel angewendet werden." Dabei geht es ihm gar nicht nur um den privaten Verzicht auf Fleisch, sondern vor allem um ein besseres Verständnis der Zusammenhänge. So zeigt die Studie beispielweise auch, welche Teilbereiche der Produktion am schädlichsten sind und wo Verbesserungspotenzial besteht.

Quelle: Gidon Eshel, Alon Shepon, Tamar Makov, and Ron Milo. Land, irrigation water, greenhouse gas, and reactive nitrogen burdens of meat, eggs, and dairy production in the United States. PNAS, July 2014 DOI: 10.1073/pnas.1402183111

Foto: © romankorytov - Fotolia.com / Weizmann Institute of science

8 Leserkommentare zu diesem Artikel:
von Sigi / 06. August 2014 / 14.23 Uhr

Gülle

Gravatar Thumbnailinwieweit ist das Nebenprodukt 'Gülle' als Düngung für die Felder in die Studie miteingeflossen ? Oder die weiteren Produkte, die ein Rind abwirft - wie Leder. Oder die Schädlichkeit der Pflanzenschutzmittel auf das Tier- und Menschen- und Pflanzenreich. Ich bin nicht überrascht : dass ich auch nach Lesen dieses Artikels solchen wissenschaftlichen Studien skeptisch gegenüber stehe.

von Erich / 04. September 2014 / 12.19 Uhr

Der Preis des Steaks

Gravatar ThumbnailDie ganze Studie dient nur dazu, bei uns ihre GVO Futtermittel einzuführen und zu verkaufen. Diese Studien werden doch nur um des Geldes wegen in Auftrag gegeben, die Umwelt interessiert diese Auftraggeber in den USA in keinster Weise. Es geht nur ums Geld.

von Jürgen / 05. September 2014 / 10.21 Uhr

Wissenschaft?

Gravatar ThumbnailWie kann man den Ergebnissen einer solchen Studie vertrauen! Da findet sich die Aussage, daß Rinder Platz "verbrauchen"! Völliger Unsinn, der Platz ist noch da, wenn die Rinder längst gegessen sind! Das bedeutet, dieser Faktor ist offensichtlich völlig falsch bewertet worden! Platz "verbraucht" wird für die mehr oder weniger industrieller Massentierhaltung und für den Bau von Straßen und dergleichen. Es ist wie immer, die Ergebnisse einer Studie werden nicht von dem bestimmt, der sie erstellt, sondern von dem , der sie bezahlt!

von Dr. Anita Idel / 05. September 2014 / 13.37 Uhr

Der Preis des Steaks

Gravatar ThumbnailWissenschaftlickeit erfordert, n i c h t Äpfel mit Birnen zu vergleichen. So wie wir Menschen anhand ihrer LEBENSSTILE - energieaufwändig oder ressourcenschonend - vergleichen, gilt es Tiere anhand der AGARSYSTEME, in denen sie gehalten werden zu vergleichen: Rind energieaufwändig versus Rind ressourcenschonend Schwein nergieaufwändig versus Schwein ressourcenschonend Geflügel energieaufwändig versus Geflügel ressourcenschonend Fisch energieaufwändig versus Fisch ressourcenschonend Eine wissenschaftliche Differenzierung erfordert in diesem Sinne, eine Rinderfütterung überüberwiegend von Wiesen und Weiden zu vergleichen mit Rindern, die von Ackerflächen ernährt werden, (wobei ihre Nutzung dann in Nahrungskonkurrenz zum Menschen steht). Dieses Kraftfutter wird überwiegend importiert aus Südamerika auf Kosten der dortigen (Regen-)Wälder und der Pampa (Grassteppe). Daraus folgt: Wir müssen unseren Fleischkonsum drastisch reduzieren UND auf die Herkunft tierischer Produkte achten - aus Gründen des Natur-, Tier- und Klimaschutzes und auch aus sozialen Gründen.

von Karin Ulich / 05. September 2014 / 13.54 Uhr

Der Preis des Steaks

Gravatar ThumbnailWiederkäuer spielen einen wichtigen Part bei der Bewahrung eines ökologischen Gleichgewichts im Naturkreislauf. Vorausgesetzt, sie werden nicht mit Getreide gefüttert, sondern beweiden Dauer-Grasland in angepasster Tierzahl, die nicht die Grasnarbe zerstört (das wäre Überweidung,)sondern stärkt. Damit bereichern sie das Bodenleben und die Wurzelmasse zunehmend und erhöhen die Bodenfruchtbarkeit. Der ökologische Fußabdruck ist unter solchen Umständen super - was für eine ärmliche Studie, die das nicht berücksichtigt!

von Kinocarlo / 20. Oktober 2014 / 12.52 Uhr

Ausreden

Gravatar ThumbnailWenn auch für Einige die Wissenschaftlichkeit dieser Studie nicht gegeben ist, so ist doch die Richtung erkennbar. Alles Andere sind peinliche zu Teil skurrile Ausreden (Wiederkäuer spielen einen wichtigen Part bei der Bewahrung eines ökologischen Gleichgewichts im Naturkreislauf) vor sich selbst oder Anderen. Unter dem Fleischverzehr des Menschen leiden Millionen Tiere und die Umwelt !

von Quarry / 28. November 2014 / 11.22 Uhr

Kalorien

Gravatar ThumbnailUnd wieviel von den benötigten 35 Kalorien die ein Rind verbraucht sind für den Menschen eh nicht verwertbar?

von Birgit Bossbach / 21. Dezember 2014 / 16.14 Uhr

Milchprodukte sind also günstiger als Rindfleisch????

Gravatar ThumbnailDa hat beim texten wieder mal jemand abgeschrieben ohne eine Minute inne zu halten und nachzudenken. Wer Milch (Käse Quark, Joghurt) will, muss Kühe (also Rinder) züchten. Die Milchkuh muss einmal jährlich kalben, um Milch zu erzeugen. Jedes 2. Kalb ist ein Bulle. Was bitte soll denn mit den Bullenkälbern geschehen, wenn man sie nicht mehr aufziehen und essen darf? Soll man sie gleich nach der Geburt schreddern, wie die männlichen Küken aus der Legehennenzucht? Bei extensiver Weidewirtschaft steigt die Biodiversität und jetzt schon gehen einige Arten massiv zurück, weil Weiden zu Äckern gemacht werden.

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Informationen zum Artikel

Edith Luschmann
Datum: 22.07.2014
Kommentare: 8
Schlagworte: Fleisch / Umweltschutz / Ernährung

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