Genetische Forschung soll fischgerechte Zander-Zucht ermöglichen

Der neue "Star" der Aquakultur

Er schmeckt einfach köstlich – doch die Wildbestände des Zanders können die Nachfrage bei weitem nicht decken. Ausweg: Zucht. Der Süßwasserfisch soll zum neuen Star der Aquakultur in Europa avancieren. Diesem Ziel soll nun die Entschlüsselung seines Erbguts dienen.

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Zander sind in europäischen Binnengewässern weit verbreitete Raubfische und bei Anglern sehr beliebt. (Foto: Fotolia/Rostislav)

Die Nachfrage nach Speisefischen steigt – doch die Wildbestände in den Meeren und Binnengewässern schwinden. Aus diesem Grund gibt es schon seit vielen Jahren einen Trend zur kommerziellen Zucht von Fischen in Aquakultur. Auch dieses Konzept ist zwar aus ökologischer Sicht nicht ganz unproblematisch, kann aber bei kluger Umsetzung deutliche Vorteile bieten. Grundsätzlich wichtig ist dabei: Die Zuchtfische müssen nachgefragt sein. Für den Zander trifft das eindeutig zu. Der Edelfisch gehört wegen seines festen, schmackhaften und grätenarmen Fleisches zu den beliebtesten Speisefischen Europas.

Der Zander wird bereits in Aquakultur gezüchtet, dies ist allerdings nicht ganz einfach und erfordert deshalb weitere Optimierung und Erforschung. Mit Mitteln des Europäischen Meeres- und Fischereifonds und des Landes Mecklenburg-Vorpommern wurde deshalb nun ein Projekt zur Untersuchung der Zandergenetik mit einer knappen Million Euro gefördert. Die Wissenschaftler untersuchen drei Zuchtstämme, die aus der Müritz sowie aus Gewässern bei Potsdam und Sachsen stammen. Die im Schnitt 40 bis 50 Zentimeter langen Zander werden in einer experimentellen Aquakulturanlage in Hohen Wangelin bei Waren/Müritz gehalten. Eine weitere kleinere Aquakulturanlage soll nun in Dummerstorf neu errichtet werden.

Bioindikatoren für fischgerechte Aquakultur

Erfreulicherweise scheinen Nachhaltigkeit und Schonung der Fische wichtige Aspekt bei dem Projekt zu sein: "Unser Ziel ist es, die Haltungsbedingungen zu optimieren und mit unseren Ergebnissen eine wirtschaftliche und saisonal unabhängige Versorgung mit dem beliebten Speisefisch bei Schonung der natürlichen Wildressourcen zu ermöglichen", betont Forschungsleiter Tom Goldammer vom Institut für Genombiologie des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie (FBN). "Wir setzen dabei ganz klar auf Qualität, also auf Klasse statt Masse".

Im Rahmen des Projekts "Diversitätsanalyse des Zandergenoms zur Entwicklung molekularer Bioindikatoren für die fischgerechte regionale Aquakultur" soll das Zandergenom vollständig erfasst werden. "Im Gegensatz zu unseren seit 10.000 Jahren domestizierten Nutztieren erfolgt Fischzucht erst seit wenigen Jahrhunderten und die Haltung von Edelfischen in Aquakultur ist erst in jüngster Zeit von Bedeutung. Wir wollen die Gene des Zanders identifizieren, um nach Biomarkern zu suchen, die als Parameter für das Wohlbefinden des Fisches in der weiteren Zucht genutzt werden können", erklärt Goldammer.

Deutschland soll mehr Fische produzieren

Die Wissenschaftler wollen letztlich daran mitwirken, die Rolle Deutschlands an der europäischen Fischproduktion in Zukunft deutlich auszubauen. Weltweit werden derzeit rund 67 Millionen Tonnen Fisch in Aquakulturen produziert, davon aber bisher nur gerade einmal drei Millionen Tonnen in Europa – und Deutschland hat daran wiederum nur einen Anteil von 1,7 Prozent.

Quelle: Leibniz-Institut für Nutzierbiologie (FBN)

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Martin Vieweg
Autor: Martin Vieweg
Datum: 09.05.2017
Kategorien: Menschen / Umwelt
Kommentare: 0
Schlagworte: Aquakultur / Fischerei / Genetik

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