Wiederansiedlungs-Projekt bringt Kulane in die Steppe Zentralkasachstans

Die Wildesel kehren zurück

Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrhundert gibt es wieder Asiatische Wildesel in der zentralkasachischen Steppe. Neun dieser Kulane wurden Ende Oktober nach Zentralkasachstan gebracht und sollen im nächsten Frühjahr ausgewildert werden - als Grundstock einer neuen Wildesel-Population.

Wildesel

Kulane (Equus hemionus kulan) in Kasachstan (Foto: Zoologische Gesellschaft Frankfurt/ Rosengren)

Einst kamen die Kulane (Equus hemionus kulan) im gesamten mittleren Osten und Zentralasien vor, ihr Lebensraum reichte vom Mittelmeerraum bis in die östliche Mongolei. Doch in den letzten 200 Jahren ist ihr Verbreitungsgebiet dramatisch geschrumpft. Heute umfasst es weniger als drei Prozent seiner ursprünglichen Größe, die Wildesel kommen nur noch in kleinen, voneinander isolierten Populationen in Turkmenistan, Kasachstan und Usbekistan vor. Kulane gelten daher als stark gefährdet und stehen auf der Roten Liste.

Neue Wildesel für die kasachische Steppe

Doch das soll sich ändern. Ein internationales Projekt will die Kulane wieder zurück nach Zentralkasachstan bringen - in ein Gebiet, in dem einst große Wildeselherden lebten. Mit dem Kulan soll das dortige Steppenökosystem eine große Pflanzenfresserart zurückbekommen. Das Wiederansiedlungsprojekt will in den nächsten drei bis vier Jahren insgesamt 30 bis 40 Kulane vom Altyn Emel Nationalpark in den staatlichen Naturreservat Altyn Dala bringen und dort auswildern.

Die Wildesel sollen sich in ihrer neuen Heimat vermehren und so den Grundstock für eine neue Population dieser bedrohten Art bilden. Die für die Auswilderung eingesetzten Wildesel stammen aus dem Altyn-Emel-Nationalpark im Süden Kasachstans. Dort ist die Kulan-Population inzwischen so stark gewachsen, dass der Nationalpark Tiere abgeben kann, die nun als Gründerpopulation für andere Gebiete dienen können.

Die ersten neun sind schon am Ziel

In einer Art Testlauf wurden nun die ersten neun Kulane erfolgreich nach Zentralkasachstan umgesiedelt. Am 24. Oktober 2017 wurden dafür die Tiere vorsichtig eingefangen und dann mit dem weltgrößten Helikopter Mi-26 1.200 Kilometer weit nach Zentralkasachstan geflogen. "Unser Ansatz, die Tiere in einen Pferch zu treiben und sie so zu fangen, hat gut funktioniert", berichtet Steffen Zuther, Projektleiter der Altyn Dala Conservation Initiative. "Auch der Transport mit dem gigantischen Helikopter stellte kein Problem dar. Die Tiere wurden medikamentös ruhiggestellt und reisten einzeln in speziell dafür angefertigten Boxen."

Jetzt sind die Wildesel in einem Eingewöhnungsgehege am Rande des staatlichen Naturreservats untergebracht. Im kommenden Frühjahr werden sie in die Weiten der Steppe entlassen. Im Laufe der nächsten Jahre sollen dann weitere Gruppen von Wildeseln folgen. Dass solche Wiederansiedlungsprojekte erfolgreich sein können, belegen die Przewalski-Pferde. Sie waren einst in freier Wildbahn komplett ausgestorben. Doch durch Zuchtprogramme und gezielte Auswilderung leben heute wieder einige hundert dieser Wildpferde in den Steppen Zentralasiens.

Quelle: Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e.V.

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Nadja Podbregar
Datum: 08.11.2017
Kategorie: Natur
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