Im Würgegriff des Klimawandels

Die pazifischen Inselstaaten könnten ihren Fisch verlieren

Die Präsidentschaft Fidschis beim Klimagipfel in Bonn besaß Symbolcharakter: Die pazifischen Inselstaaten sind besonders von Überflutungen und Wetterextremen bedroht. Eine Studie hebt nun eine weitere Gefahr durch den Klimawandel hervor: Im Pazifik droht ein katastrophaler Artenschwund.

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Düstere Prognose! (Foto: Image by Quentin Hanich)

Viele pazifische Inseln werden bis zum Ende des 21. Jahrhunderts 50 bis 80 Prozent ihrer marinen Arten verlieren, wenn der Klimawandel unkontrolliert weitergeht, so lautet das Fazit der Forscher um Rebecca Asch von der East Carolina University in Greenville. Im Rahmen ihrer Studie haben sie systematisch die Bestandsentwicklung bei mehr als tausend Arten im Pazifik untersucht und Prognosen im Rahmen von Modellen zur weiteren Klimaentwicklung erstellt.

Wie sie erklären, ist die Ursache für das erschreckende Ergebnis ihrer Prognose die besondere Empfindlichkeit der Ökosysteme in diesem wärmsten aller Ozeane der Erde. Es handelt sich um ein Gebiet, wo es wenig jahreszeitliche Schwankungen gibt - es herrscht mehr oder weniger das ganze Jahr über Sommer. Die Tiere sind dadurch kaum an Veränderungen angepasst und kommen deshalb auch nicht gut mit ihnen zurecht, sagen die Forscher.

Zu warm, zu sauer, zu mager

Doch nun sind diese empfindlichen Wesen mit problematischen Entwicklungen konfrontiert: "Im Rahmen des Klimawandels wird die Region der Pazifikinseln voraussichtlich wärmer, weniger sauerstoffhaltig und saurer werden. Darüber hinaus wird es zu einer geringeren Produktion von Plankton kommen, das die Basis der ozeanischen Nahrungsketten bildet", sagt Asch.

Ihr Kollege Gabriel Reygondeau von der University of British Columbia in Vancouver führt weiter aus: "Die zusätzliche Erwärmung wird die Ozeantemperatur weit über die Bedingungen hinaus ansteigen lassen, die diese Organismen seit Ewigkeiten in dieser Region gewohnt sind". Da es nicht genügend Zeit gibt, sich an diese wärmeren Bedingungen anzupassen, werden viele Arten deshalb entweder aussterben oder abwandern, so dass dieses Gebiet am Ende eine viel geringere Artenvielfalt aufweisen wird", erklärt der Wissenschaftler.

Dies wäre nicht nur aus Sicht des Naturschutzes katastrophal, sondern auch für die Bewohner der pazifischen Inseln, betonen die Forscher. Ihre Ernährung, die Wirtschaft und ihr kulturelles Erbe sind in hohem Maße mit der Tierwelt ihrer Gewässer verknüpft. Neben den Gefahren durch den Anstieg des Meeresspiegels und durch die verschärften Stürme wäre der Verlust der marinen Artenvielfalt ein weiterer schlimmer Schlag für die meist arme Bevölkerung der Inseln.

Es gibt Hoffnung, wenn...

"Ein ermutigender Punkt ist allerdings, dass das Ausmaß der Veränderungen bezüglich Biodiversität und Fischerei in einem Klimaszenario drastisch geringer ausfällt, in dem die Treibhausgasemissionen dem entsprechen, was für die Erreichung des Pariser Klimaabkommens erforderlich wäre", sagt Co-Autor William Cheung, vom Nippon Foundation-Nereus Program, das sich für Meeres-Forschung und -Schutz einsetzt. "Folglich sind diese Veränderungen der ozeanischen Bedingungen nicht unvermeidlich, sondern hängen von den unmittelbaren Aktionen aller Länder ab, ihr Engagement zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen zu verwirklichen, wie es in der vergangenen Woche beim Klimatreffen in Bonn diskutiert wurde", so der Wissenschaftler.

Quelle: Nippon Foundation-Nereus Program

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Martin Vieweg
Autor: Martin Vieweg
Datum: 20.11.2017
Kategorien: Menschen / Umwelt
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