Viele Spitzenpolitiker fahren aber noch immer dicke Dieselautos

Dienstwagen-Check: Hendricks bekommt "grüne Karte"

Gutes Vorbild: Im diesjährigen Dienstwagen-Check auf Umweltfreundlichkeit kann Bundesumweltministerin Barbara Hendricks punkten: Sie fährt einen Benzin-Hybrid. Viele andere Minister und Landeschefs jedoch setzen weiter auf schwere, emissionsreiche Diesel -trotz Dieselskandal und dicker Stadtluft.

Auto

Die meisten Politiker fahren als Dienstwagen noch immer PS-starke, emissionreiche Dieselfahrzeuge (Foto: kuxfoto1/ Fotolia)

Wie umweltbewusst sind deutsche Spitzenpolitiker, wenn es um ihren Dienstwagen geht? Wer geht mit gutem Beispiel voran - und wer setzt noch immer auf umweltschädliche Dieselmotoren? Das hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) auch in diesem Jahr untersucht. Sie befragte dafür 233 deutsche Bundes- und Landespolitiker zu ihren Dienstwagen. Die für diese Fahrzeuge ermittelten Abgaswerte stützen sich auf die offiziellen beim Kraftfahrt-Bundesamt hinterlegten Angaben zum durchschnittlichen CO2-Ausstoß in Gramm pro Kilometer (g/km).

Voraussetzung für die Auszeichnung mit einer "Grünen Karte" ist die Unterschreitung eines CO2-Ausstoßes von unter 117 g/km sowie eine umweltfreundliche Antriebsart (Elektro-, Erdgas-, Benzin-Plug-In Hybrid oder konventioneller Benzinantrieb). Ausgenommen vom Check waren jedoch die besonders gepanzerten Fahrzeuge der Bundeskanzlerin, der Verteidigungsministerin, des Finanz-, Innen- und Außenministers und des Bundespräsidenten.

171 Politiker fahren weiterhin Diesel

Das Ergebnis: Der jährliche Blick unter die Motorhauben des politischen Spitzenpersonals zeigt offenbar Wirkung. Denn der Anteil der Spitzenpolitiker mit umweltfreundlicheren Fahrzeugen und Antriebsarten ist deutlich angestiegen. Immerhin 19 Politiker bekamen die "grüne Karte" für ihren Dienstwagen. "Es freut uns, dass deutlich mehr Spitzenpolitiker als im Vorjahr klimaverträglicher und gleichzeitig sauber unterwegs sind und so zeigen, dass man auch ohne schmutzigen Dieselantrieb mobil sein kann", sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Allerdings: Mit 171 von 233 befragten Spitzenpolitikern bleibt die Mehrheit der Politiker weiterhin dem Dieselantrieb treu. Gerade der beliebte Audi A8 der Euro 6-Norm ist auf der Straße mit einer gemessenen 24-fachen Überschreitung des geltenden Grenzwertes für Stickoxid eine wahre Drecksschleuder und eine Gesundheitsgefahr. Die DUH fordert daher alle Politiker auf, auf schmutzige Diesel-Dienstwagen zu verzichten, mit alternativen emissionsarmen Antriebsarten ein positives Beispiel zu setzen und die Verkehrswende voranzubringen.

Hendricks vorn, Seehofer ganz hinten

Ganz weit vorn liegt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks im diesjährigen Ranking: Sie fährt inzwischen einen Benzin-Hybrid, der 115 g CO2/km ausstößt. Damit ist ihr Dienstwagen der sparsamste und umweltfreundlichste unter den Bundesministern. Schlusslichter sind in diesem Jahr Bundesjustizminister Heiko Maas und Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries, deren Dienstwagen nicht nur durch einen Diesel-Motor angetrieben werden, sondern auch jeweils 159 g CO2/km ausstoßen.

Enttäuschend fällt das Ergebnis bei den Regierungschefs der Länder aus: Elf Länderchefs sind in schweren Diesel-Limousinen unterwegs. Die größte Dreckschleuder fährt dabei der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer: Mit einem CO2-Ausstoß von 303 g CO2/km liegt er unter allen befragten 233 Spitzenpolitikern auf dem letzten Platz. Die grüne Nase vorn hat unter den Landeschefs der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann: Er fährt einen Benzin-Hybrid mit 142 g CO2/km.

Grüne fahren emissionsärmer, CSU ist Schlusslicht

Im Vergleich der Parteien schieden die Grünen erwartungsgemäß am besten ab: Die rund 30 grünen Spitzenpolitiker fahren größtenteils emissionsarme Hybrid-Fahrzeuge. Mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 126 g/km liegen die Grünen als einzige Partei unter dem durchschnittlichen CO2-Ausstoß der Pkw-Neuzulassungen in Deutschland. Im Parteienranking folgen dann die Die Linke mit durchschnittlich 136 g CO2/km, FDP mit 138 g CO2/km, SPD mit 145 g CO2/km und die CDU mit 155 g CO2/km. Schlusslicht sind auch in diesem Jahr die Mitglieder der CSU, die im Durchschnitt 163 g CO2/km ausstoßen.

Unter den Bundesländern sind die Politiker der Stadtstaaten Hamburg und Bremen besonders vorbildlich: Ihre Flotten stoßen im Mittel 114 bzw. 116 g CO2/km aus. Damit sind sie auf bestem Weg, den ab 2020 geltende Flottenzielwert der EU von 95 g CO2/km einzuhalten. Schlusslichter unter den Bundesländern sind die Spitzenpolitiker des Freistaats Bayern und von Nordrhein-Westfalen.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 20.09.2017
Kategorie: Umwelt
Kommentare: 0
Schlagworte: Diesel / Abgas / Auto / Verkehr / Politiker / Emission / CO2

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