Vorwurf: Software-Update für Dieselfahrzeuge sei bloße Placebo-Maßnahme

Diesel-Skandal: Klage gegen Kraftfahrt-Bundesamt

Der Streit um die Dieselabgase geht weiter: Weil auch die Software-Updates für VW-Fahrzeuge die Abgaswerte nicht genügend senken, hat die Deutsche Umwelthilfe Klage gegen das Kraftfahrt-Bundesamt eingereicht: Das Amt habe sich auf einen wirkungslosen Kompromiss mit dem Autohersteller eingelassen.

Autoabgase

Was bringt das Software-Update für VW-Autos wirkich? (Foto: Sergiy Serdyuk/Fotolia)

Nach dem Skandal um die manipulierten Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen von VW und anderen Herstellern, hatte das Kraftfahrt-Bundesamt einen Rückruf für die mit den illegalen Abschalteinrichtungen ausgestatteten Fahrzeugen angeordnet. Es wurde ein Kompromiss ausgehandelt, nach dem VW die Fahrzeuge durch Software-Updates nachrüsten und so die Abgasnormen erfüllen sollte.

Noch immer dreifach überschrittene Werte

Wie effektiv und wirksam diese Nachrüstung ist und ob dadurch die Abgasnormen erfüllt werden, hat nun die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in einer Stichprobe ermittelt. Das Ergebnis der Straßenmessungen: Auch nach dem Software-Update eines VW Golf 6 (Abgasnorm Euro 5) stößt dieser mit 602 Milligramm Stickoxiden pro Kilometer mehr als das Dreifache der für die Abgasnorm Euro 5 erlaubten Menge von 180 mg/km aus.

"Über 600 mg Stickoxide sind erschreckend. Damit erfüllt der Golf gerade den Euro 2-Standard des Jahres 1996", sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. "Unsere eigenen aber auch andere Untersuchungen des Abgasverhaltens von VW-Diesel nach dem Softwareupdate zeigen weiterhin stark überhöhte NOx-Werte und damit einen klaren Verstoß gegen geltendes Recht."

Klage eingereicht

Die Umweltorganisation hat daraus die Konsequenz gezogen und verklagt nun das Kraftfahrt-Bundesamt: Vor dem Verwaltungsgericht Schleswig soll Klage gegen die Rückrufanordnung erhoben werden, weil diese "offenkundig ungeeignet ist, um rechtmäßige Zustände herbeizuführen", so die DUH. Resch wirft der Bundesregierung zudem Versagen bei der Bewältigung des Diesel-Skandals vor: Während VW der amerikanischen Umweltbehörde zusage, die Betrugs-Diesel so umzubauen, dass sie durch verbesserte Katalysatoren die Abgaswerte auf der Straße einhalten, ermögliche Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt VW im eigenen Land eine weitgehend unwirksame Placebo-Maßnahme.

Nach Ansicht der Umweltorganisation sähe eine wirksame Maßnahme so aus: VW müsste für die betroffenen Fahrzeuge eine neue Typgenehmigung beantragen und hierzu deren Abgasreinigungsanlage wesentlich erneuern, um die derzeit geltenden Abgasgrenzwerte einzuhalten. "Durch die Nachrüstung mit einer SCR-Katalysatoranlage könnte das Fahrzeug auf der Straße die Eurostufe 6 einhalten", so der Verkehrsexperte Axel Friedrich.

"Andernfalls müssen die Fahrzeuge stillgelegt werden. In jedem Fall haben die Fahrzeughalter ein Anrecht auf Entschädigung", so Resch. Die DUH will nun weitere Untersuchungen von Diesel-Pkw vor und nach einem Software-Update durchführen. Zudem sollen weitere juristische Schritte eingeleitet werden, um eine wirksame Nachbesserung der betroffenen Fahrzeuge oder aber deren Stilllegung zu erreichen.

Eigene Teststrecke für das Kraftfahrt-Bundesamt

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat inzwischen immerhin methodisch aufgerüstet: Nachdem das Amt jahrelang keine eigenen Teststrecken und Messmöglichkeiten hatte, soll es nun auf einem alten Bundeswehr-Flugplatz eine eigene Messstrecke für Abgastests bekommen. Dort will das Bundesamt dann stichprobenartige Kontrollen von Fahrzeugen durchführen. Auch ein eigenes Labor mit Prüfständen ist geplant. Bisher mussten alle Abgasmessungen en externe Organisationen wie den TÜV oder die Dekra vergeben werden.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe, Kraftfahrt-Bundesamt

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 15.03.2017
Kategorie: Umwelt
Kommentare: 0
Schlagworte: Abgas / Diesel / Autoabgas / Verkehr / Stickoxid / VW / Luftverschmutzung

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