Studie bestätigt Senkung der Stickoxid-Belastung um maximal sieben Prozent

Diesel: Software-Updates abgewatscht

Schon nach dem Dieselgipfel Anfang August prognostizierten viele, dass die beschlossenen Software-Updates für Dieselautos nicht reichen werden. Jetzt bestätigt eine Studie des Umweltbundesamtes: Die Luftbelastung in den Städten ließe sich dadurch nur maximal um sieben Prozent senken.

Dieselabgas

Dieselabgase sind die Hauptquelle der Stickoxid-Belastung in den Stadtzentren. (Foto: Sergiy Serdyu/ Fotolia)

Am 2. August 2017 sollte endlich etwas getan werden gegen die hohe Belastung der Stadtluft mit Stickoxiden und Feinstaub. Beim Dieselgipfel verhandelten Autohersteller und Politik, wie sich der Abgasausstoß der Diesel-PKW – eine der Hauptursachen für die Luftverschmutzung in Ballungsräumen – verringern lässt. Denn durch zu kleine Tanks für die Abgasreinigung, eine Abschaltautomatik bei Kälte und Schummeleien bei der Software stoßen die Diesel-PKW deutlich mehr Stickoxide aus, als sie dürften.

Das für viele eher enttäuschende Ergebnis des Dieselgipfels: Fünf Millionen Diesel-Fahrzeuge der Euro-5 und 6-Norm sollen ein Software-Update bekommen, dass den Stickoxid-Ausstoß der Fahrzeuge senkt. Technische Nachrüstungen an der Abgasreinigung lehnten die Autohersteller jedoch ab. Bereits damals prognostizierten Umweltorganisationen und selbst der ADAC, dass die Software-Updates nicht ausreichen werden, um die Stickoxid-Belastungen der Städte genügend zu senken und Fahrverbote zu vermeiden.

Maximal sieben Prozent

Jetzt hat eine Studie des Umweltbundesamts dies bestätigt. Der Untersuchung zufolge senkt ein Software-Update selbst im günstigsten Fall die Stickoxid-Belastung um maximal sieben Prozent, wie die Forscher berichten. "Die Wirkung wird jedoch deutlich verringert, wenn Autobesitzer die Updates verweigern oder wenn die Updates nur 15 Prozent Minderung bringen, wie es in Szenario 2 der Fall wäre", heißt es in der Studie. Dann würde sich die Stickoxid-Belastung der Stadtluft nur um drei Prozent verringern.

Der Grund: "Dass die Luft in den Städten trotz Software-Update kaum spürbar besser wird, liegt ganz einfach am viel zu schlechten Ausgangsniveau der Fahrzeuge", erläutert UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. "Euro 5-Diesel ohne Update stoßen heute im Schnitt 906 Milligramm Stickstoffoxide pro Kilometer aus. Das ist fünfmal mehr als der Grenzwert von 180 Milligramm. Auch aktuelle Euro 6-Diesel ohne RDE stoßen sechsmal mehr Stickstoffoxide aus dem Auspuff aus als zulässig."

Zwei Szenarien

Für ihre Studie hatten die Forscher zwei Szenarien untersucht: Ein optimales ging von einem Update bei fünf Millionen Euro-5 und Euro-6 Dieselautos und einer NO2-Minderung von 25 Prozent am Fahrzeug aus. Das zweite Szenario sah ein Update bei 3,5 Millionen Dieselautos und eine NO2-Minderung von 15 Prozent vor.

Wie viel sich dies auf die Luftbelastung in der Stadt auswirkt, prüften die Forscher in einer Simulation am Beispiel zweier Messstellen: Eine liegt in der bisher hochbelasteten Landshuter Allee in München, die zweite in mittelgradig mit Stickoxiden belasteten Mainzer Parcusstraße. Wie die Studie ergab, bringt das Update an stark belasteten Standorten wie der Landshuter Allee eine Minderung der Stickoxid-Belastung um maximal fünf Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. An geringer belasteten Standorten verringert sich die Belastung nur um zwei Mikrogramm.

70 deutsche Städte weiter über den Grenzwerten

Damit ist klar, dass die Luftbelastung sich auch durch das Software-Update vielerorts kaum verringern wird. "Für fast 70 deutsche Städte reichen die Maßnahmen voraussichtlich nicht aus, um die Atemluft unter den Grenzwert von maximal 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid im Jahresmittel zu senken", sagt Krautzberger. "Nur in rund 20 Städten, die derzeit knapp über dem Grenzwert liegen, werden die Beschlüsse des Diesel-Gipfels dazu führen, die seit 2010 geltenden EU-Grenzwerte endlich einzuhalten."

Auch die Umtauschprämien, die die Autohersteller den Besitzern älterer Dieselauto beim Kauf eines Diesels nach der neuen Euro-6-Norm anbieten, ändert dran kaum etwas, wie die Studie ergab. Selbst wenn 75 Prozent der alten Diesel-PKW gegen neue Modelle eingetaucht würden, brächte dies nur eine Minderung um drei Prozent. "Bei einem Wechsel von realistischeren 25 Prozent der alten Diesel-PKW, kann von einer Emissionsminderung von weniger als einem Prozent der Emissionen des Verkehrs ausgegangen werden", so die Forscher.

"Der Dieselgipfel war ein erster Schritt, dem dringend weitere und größere Schritte folgen müssen", sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. "Die Weigerung der Autoindustrie, sich mit technischen Nachrüstungen zu befassen, ist für mich nicht akzeptabel." Im Herbst soll ein weiterer Dieselgipfel stattfinden. Ob er hier Fortschritte bringt, bleibt abzuwarten.

Die Studie zum Download (PDF)

Quelle: Umweltbundesamt/ Bundesumweltministerium

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 24.08.2017
Kategorie: Umwelt
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