Umweltmacht China

Durchatmen? Lieber nicht

Globales Sorgenkind und Haupthoffnungsträger: Auch auf der Weltklimakonferenz, die ab Ende November in Paris stattfindet, spielt China zwei Rollen zugleich. Seit Anfang des Jahres hat natur die "Umweltmacht China" in einer zehnteiligen Serie vorgestellt. Ein Rück- und Überblick

Shanghai im Smog

Shanghai im Smog (Foto: wusuwei/Fotolia)

Wird China krank, bevor es reich ist? Diese Frage war der Ausgangspunkt der natur-Serie. Es war eine rhetorische Frage, denn bei wirklich guter Gesundheit ist das Land schon länger nicht mehr. Das gilt für den absurden Smog in vielen Städten, der die Menschen Luftfilteranlagen kaufen lässt, die noch mehr Strom verbrauchen, was die Luft weiter verschlechtert. Und das gilt vielleicht noch mehr für die unsichtbaren Gefahren. Für das Erdreich und das Grundwasser, die in weiten Teilen Chinas mit Schadstoffen belastet sind. Für Flüsse wie den Jangtse, einst für Artenreichtum bekannt, heute für Schiffreichtum und Wasserverschmutzung. Für die Wasserknappheit in Nordchina, die die Regierung mit endlos langen Kanälen zu lindern versucht.

Ein ernsthaftes Umdenken setzt ein

Die Ausgangsfrage war aber auch eine offene Frage. Denn in China, wo jahrelang die imposanten Wirtschaftswachstumszahlen alles überstrahlten und viele betörten, scheint ein ernsthaftes Umdenken einzusetzen. Die Regierung möchte ein Emissionshandelssystem etablieren, mit dem der Ausstoß von Klimagasen reduziert werden soll. Immer mehr Bürger treffen umweltbewusste Konsum- und Lebensentscheidungen. Und was den Ausbau erneuerbarer Energien angeht, ist China Weltspitze.

Besonders zuversichtlich stimmt, dass der Mut chinesischer Umweltjournalisten immer öfter belohnt wird. Die Smog-Dokumentation "Unter der Glocke" der Journalistin Chai Jing, die im Frühjahr China elektrisierte (ehe sie dann doch von der Zensurbehörde aus dem chinesischen Internet getilgt wurde), ist nur das prominenteste Beispiel für kritischen, investigativen Journalismus, der tatsächlich etwas bewegt. "Wir sind in ein goldenes Zeitalter für Umweltjournalismus eingetreten", so Liu Jianqiang von der Umweltorganisation Chinadialogue. Einige Enthüllungen von Journalisten haben weitreichende politische und juristische Folgen.

"Krieg gegen die Umweltverschmutzung"

Anfang 2015 trat ein neues, strikteres Umweltschutzgesetz in Kraft. Das zeigt, dass es Chinas Führung ernst ist mit dem "Krieg gegen die Umweltverschmutzung", den Regierungschef Li Keqiang vergangenes Jahr ausgerufen hatte. Ein weiterer Hoffnungsschimmer. Für Chinas Genesung. Und für die Klimakonferenz in Paris.

Die Serie "Umweltmacht China" ist entstanden mit Unterstützung der Internationalen Journalisten-Programme (IJP) und des Deutsch-Chinesischen Mediennetzwerks e. V.


Die Serie "Umweltmacht China"

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Teil 1: Wird China krank, bevor es reich ist?
Bald wird das Land die USA als Wirtschaftsweltmeister ablösen. Es ist Sprinter und Dauerläufer zugleich. Doch China wird von seinen Umweltproblemen eingeholt. Autor: Markus Wanzeck (natur 02/15)

 

 

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Teil 2: Chinas Aufstieg als CO2-Handelsnation
Mit sieben Pilotprojekten ist Chinas Emissionshandel noch in der Testphase - und dennoch bereits das zweitgrößte System dieser Art weltweit. Schon in einem Jahr soll dieses klimapolitische Instrument im ganzen Land eingesetzt werden. Autor: Felix Lee (natur 03/15)

 

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Teil 3: Landwirtschaft rot-grün
Chinas Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie stecken in der Vertrauenskrise. Die Biobewegung wächst. Gerade gut gebildete Städter sind es, die bewusster einkaufen, Gemüse selbst anbauen - oder gleich ein ganz neues Leben beginnen. Autor: Markus Wanzeck (natur 04/15)

 

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Teil 4: Im Reich des grünen Stroms
China ist der weltgrößte Emittent von klimaschädlichem CO2. Inzwischen aber ist das Land auch Spitzenreiter beim Ausbau der erneuerbaren Energieträger. Autor: Felix Lee (natur 05/15)

 

 

 

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Teil 5: "Viele wissen nicht, wie kritisch die Lage ist"
Chinas Sorgen und Hoffnungen sind nah am Wasser gebaut. natur hat die Umweltschützerin Wang Yongchen in Peking getroffen, um mit ihr über Wasserknappheit, Wasserverschmutzung und Wasserkraft zu sprechen. Interview: Markus Wanzeck (natur 06/15)

 

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Teil 6: Der verstummte Frühling
China und der Journalismus - ein schwieriges Verhältnis. Noch komplizierter wird es, wenn sich der Journalismus um die Umweltverschmutzung dreht. Es ist wohl das Thema, das die Menschen in China derzeit am meisten bewegt. Und eines, bei dem die Zerrissenheit der Staatsführung offen zutage tritt. Autor: Sam Geall (natur 07/15)

 

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Teil 7: Exodus in Chinas größter Wasserstraße
Der Jangtse gilt als Amazonas Asiens. Noch ist er Heimat einer riesigen Artenvielfalt. Doch der Chinesische Flussdelfin ist schon verschwunden. Und nun steht auch der Jangtse-Glattschweinswal vor der Vertreibung. Autorin: Wang Tao (natur 08/15)

 

 

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Teil 8: Geschundener Untergrund
Grauer Smoghimmel, bunte Flüsse - Umweltprobleme, die erblassen lassen. Doch Chinas größte Katastrophe lauert womöglich unsichtbar in der Tiefe. Boden und Grundwasser sind in einem erschreckenden Zustand. Autorin: Liu Hongqiao (natur 09/15)

 

 

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Teil 9: Ein Land verlässt das Land
Ressourcen, Energie, Klima - Chinas Urbanisierung hat globale Auswirkungen. Können "Ökostädte" helfen, einen Umweltkollaps abzuwenden? Gastbeitrag von Jiang Kejun, leitender Wissenschaftler am Energieforschungsinstitut der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission China. Autor: Jiang Kejun (natur 10/15)

 

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Teil 10: Chinas Wirtschaft ergrünt
Auch in Fernost kommen Ökologie und Ökonomie einander näher - Umweltbewusstsein wird wirtschaftlich immer gewinnbringender. Autor: Mark L. Clifford (natur 11/15)

 

 

 

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Informationen zum Artikel

Markus Wanzeck
Datum: 29.10.2015
Kategorien: Menschen / Natur / Umwelt
Kommentare: 0
Schlagworte: China / Smog / Umwelt

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