Anteil von Sonne, Wind und Co steigt in Europa weiter

EU: Erneuerbare überflügeln Atomkraft

Gute Nachrichten: In der Europäischen Union gewinnt die Energiewende immer mehr Boden. Bereits 2016 produzierten Sonne, Wind und Co mehr Strom in der EU als die Atomkraft. Die installierte Leistung steigt stetig an. Auch in Asien wenden sich einige Länder bereits von Kohle und Atomkraft ab.

Atomkraftwerk

Der Ausstieg aus der Atomkraft liegt im Trend (Foto: Christian Schwier/ Fotolia)

Wird Kohle zur Stromerzeugung verbrannt, wie in vielen Ländern weltweit noch der Standard, dann heizt dies den Treibhauseffekt an. Denn das CO2 aus fossilen Brennstoffen ist ein Hauptverursacher des Klimawandels. Die meisten Wissenschaftler sind sich daher einig, dass die Zukunft den Energietechnologien gehört, die Strom klimaneutral und umweltfreundlich produzieren – die Quellen der Energie sind vor allem Sonne, Wind und Wasser.

Rein theoretisch wäre auch die Atomkraft klimafreundlich – zumindest wenn man nur auf die direkten Emissionen schaut. Doch diese Technologie birgt dafür große Gefahren, wie Tschernobyl und Fukushima demonstriert haben. Zudem ist das Problem der Endlagerung für den strahlenden Atommüll noch immer nicht gelöst. Viele Länder haben sich daher entschieden, aus der Atomkraft auszusteigen, darunter auch Deutschland.

Erneuerbare legen zu, Atomkraft baut ab

Wie sich der Trend Atomkraft versus Erneuerbare in der EU und weltweit entwickelt hat, haben nun Forscher der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) ermittelt. Das ermutigende Ergebnis: "Der Trend geht klar in Richtung Erneuerbare Energien, auch wenn der Ausbau noch zügiger voranschreiten kann", sagt Nils Boenigk von der AEE. Die installierte Leistung erneuerbarer Energien zur Stromproduktion ist im vergangenen und in diesem Jahr in zahlreichen EU-Mitgliedstaaten spürbar gestiegen.

Wie aus Daten der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) hervorgeht, sank die Produktion von Atomstrom im immer älter werdenden EU-Kraftwerkspark 2016 im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent auf rund 800 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Im Gegenzug erhöhte sich die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien um rund zwei Prozent auf mehr als 950 Mrd. kWh.

Frankreich fährt Atomstrom herunter

Besonders große Veränderungen bahnen sich in Frankreich an – einem Land, das bisher stark auf Atomkraft setzte. Immerhin knapp die Hälfte aller EU-Atomreaktoren steht in Frankreich. Doch die neue französische Regierung unter Emmanuel Macron hat das Ziel bekräftigt, den dominierenden Anteil der Atomenergie bis 2025 auf 50 Prozent abzusenken und dafür immerhin bis zu 17 Atomreaktoren stillzulegen.

Und auch bei den erneuerbaren Technologien tut sich in Frankreich inzwischen einiges: 2016 erhöhte sich die installierte Leistung bei Windkraft und Bioenergie gegenüber dem Vorjahr jeweils zweistellig. Insgesamt stieg die installierte Anlagenleistung erneuerbarer Energien zur Stromproduktion um 2200 Megawatt auf knapp 46.000 Megawatt.

Langsame Fortschritte in Deutschland, Blockade bei den Briten

In Deutschland geht Ende dieses Jahres Block B des Kernkraftwerks Gundremmingen vom Netz. Dann verbleiben noch sieben Reaktoren, darunter Brokdorf, wo es in diesem Jahr zu einer langen Produktionspause gekommen war. Trotz Atomausstiegsbeschluss ist Deutschland bislang vor Großbritannien und Schweden immer noch der zweitgrößte EU-Atomstromproduzent.

Doch nicht überall geht die Atomkraft zurück. In einigen EU-Ländern wie Finnland und Großbritannien wird sie sogar noch aktiv gefördert – und das mit Unterstützung der EU. So hat die EU-Kommission hohe Subventionen der britischen Regierung für ein Kernkraftwerk an der englischen Westküste genehmigt, das umgerechnet rund 21,4 Milliarden Euro kosten und in zehn Jahren erstmals Strom produzieren soll. Auch Finnland hält bisher an der Atomenergie fest.

Atomausstieg auch in Fernost

Beruhigend immerhin: Der Atomausstieg ist kein europäischer Sonderweg. Denn auch außerhalb Europas entscheiden sich immer mehr Staaten für einen Abschied von der Atomenergie. So hat Südkorea unter seiner neuen Regierung das Ende der Kernkraft beschlossen. Ähnlich wie Deutschland vor dem Atomausstieg sind in Südkorea bislang Kohle und Atomkraft die dominierenden Stromproduzenten.

Auch Taiwan hat den Atomausstieg beschlossen. "Nur noch wenige große Staaten treiben aktiv den Ausbau der Kernkraft voran, während immer mehr Länder sich aktiv von der Risikotechnologie verabschieden", bilanziert Boenigk.

Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 13.09.2017
Kategorie: Umwelt
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