Löwen in Westafrika könnten zu einer eigenen Unterart gehören

Einzigartige Löwen

Die Löwen in Westafrika sind akut von Aussterben bedroht. Doch wenn sie verschwinden, wäre der Verlust weit größer als bisher gedacht. Denn die Löwen West- und Zentralafrikas sind von den restlichen so verschieden, dass sie wahrscheinlich sogar eine eigene Unterart bilden, wie Biologen herausgefunden haben.

Löwe

Bedrohter König der Savanne: In Westafrika gibt es nur noch rund 500 Löwen. (Foto: Crazycolors/Fotolia)

Der Löwe ist das vielleicht symbolträchtigste Raubtier der afrikanischen Savanne. Doch seine Bestände sind bedroht: In ganz Afrika existieren nur noch 23.000 bis 35.000 Löwen – und ihre Zahl sinkt weiter rapide. Experten erwarten, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten weitere 50 Prozent der Löwen verschwinden. Besonders dramatisch ist die Lage in Westafrika: Hier leben nur noch rund 500 Löwen, meist isoliert in einzelnen Schutzgebieten. Hauptgrund für die Abnahme der Löwenpopulationen ist der Verlust ihres Lebensraums: Die Savanne muss Plantagen, Feldern und Siedlungen weichen.

Zwei Unterarten

Jetzt haben Biologen etwas herausgefunden, das die Sorge um die Löwen in Westafrika noch verschärft. Denn wie sich herausstellt, bilden sie eine ganz eigene, genetisch einzigartige Gruppe. Entdeckt haben Laura Bertola von der Universität Leiden und ihre Kollegen dies, als sie untersuchten, wie die Populationen von Löwen und anderen Savannentieren in verschiedenen Gebieten Afrikas jeweils miteinander verwandt sind. Dafür analysierten sie das Erbgut von 194 Tieren in 22 afrikanischen Ländern.

Dabei zeigte sich: Die stark gefährdeten Löwen in West- und Zentralafrika unterscheiden sich genetisch überraschend stark von ihren Artgenossen weiter im Süden. Diese Unterschiede sind immerhin stark genug, dass die Forscher in ihnen eine eigene, einzigartige genetische Gruppe sehen. "Auf Basis dieser Daten halten wir eine Revision der aktuellen Löwen-Taxonomie für sinnvoll, in der eine nördliche und südliche Unterart eingeführt wird", so Bertola und ihre Kollegen.

Regenwald als Barriere

Den Analysen nach müssen sich beide Löwengruppen schon vor rund 300.000 Jahren voneinander abgespalten haben. Zu jener Zeit sorgte ein besonders warmes und feuchtes Klima dafür, dass sich die Regenwälder im äquatorialen Afrika stark ausbreiteten. Für die Savannentiere und vor allen die Löwen bildete dieser dichte Urwald eine nahezu unpassierbare Barriere. Als Folge wurden nördliche und südliche Populationen voneinander isoliert und entwickelten sich unabhängig voneinander fort.

"Diese Waldbarriere beeinflusste nicht nur die Löwen, sondern auch eine Reihe anderer großer Säugetiere, wie Giraffen, Kuhantilopen, Kaffernbüffel, Geparden und Tüpfelhyänen", sagen die Biologen. "Viele andere großen Savannentiere zeigen daher ähnliche Teilungen mit einzigartigen genetischen Linien in West-und Zentralafrika."

Besserer Schutz nötig

Angesichts der vor allem in Westafrika schnell schwindenden Savannenflächen und Refugien für Wildtiere ist dies keine gute Nachricht. Sollten die letzten Löwen Westafrikas aussterben, dann wäre nicht nur eines der Symboltiere der Savanne dort verschwunden – auch eine genetisch einzigartige Unterart des Löwen könnte dann für immer verloren gegangen sein.

Um dies zu verhindern, werden die Forscher der Universität Leiden ihre Ergebnisse auch auf dem kommenden World Conservation Congress der Internationalen Naturschutzunion IUCN im September vorstellen. Ihr Ziel ist es, schnelle und gezielte Schutzaktionen für die Löwen West- und Zentralafrikas in Gang zu bringen.

Quelle: Universiteit Leiden, Fachartikel: Scientific Reports, doi: 10.1038/srep30807

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 15.08.2016
Kategorie: Natur
Kommentare: 0
Schlagworte: Löwe / Savanna / Afrika / DNA / Artenschutz

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