Klimabilanz positiv

Elektromobilität bringt jetzt schon Klimavorteile

Elektrofahrzeuge leisten nur einen Beitrag zum Klimaschutz, wenn genügend Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Haben wir diesen Knackpunkt schon erreicht? Offenbar ja, geht aus einer Analyse des Öko-Instituts hervor.

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Elektromobilität lohnt sich nicht zwangsläufig. (Bild: Fotoschlick/fotolia.com)

Kein Treibstoff, keine Abgase – dennoch haben auch Elektrofahrzeuge nicht automatisch eine weiße Öko-Weste. Es kommt darauf an, aus welchen Quellen die elektrische Energie für ihren Antrieb stammt. Doch obwohl der momentane Strommix in Deutschland noch zu knapp 70 Prozent aus fossilen Energieträgern sowie Kernenergie besteht, besitzen Elektrofahrzeuge bereits heute schon eine vorteilhaftere Klimabilanz als konventionelle, berichtet das Öko-Institut. Dies geht aus der Studie "Wissenschaftliches Analyse- und Dialogvorhaben zur Sicherstellung des Klimavorteils von Elektromobilität" hervor, die das Öko-Institut für das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) durchgeführt hat.

Knackpunkt erreicht

Im Rahmen der Studie wurden zwischen 2014 und 2017 die teils komplexen Wechselwirkungen zwischen Elektromobilität und Stromerzeugung analysiert. Neben Modellanalysen der Stromerzeugung bis zum Jahr 2030 werteten die Wissenschaftler dafür Studien zum Einfluss der Elektromobilität auf das Verteilnetz aus. Wie sie berichten, zeichnet sich ab, wie die nun bereits schon grüne Bilanz immer günstiger ausfallen wird, wenn sich der Anteil der erneuerbaren Energien von derzeit etwa 32 Prozent stetig erhöht.

Entsprechend dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sollen die Stromerzeugungskapazitäten aus Sonne, Wind und Wasser im Jahr 2025 bei 40 bis 45 Prozent liegen und 55 bis 60 Prozent im Jahr 2035. Werden diese Ziele erreicht, stehen der Modellanalyse zufolge im Jahr 2030 jeder Tonne Kohlendioxid, die für die Nutzung eines Elektrofahrzeugs entstehen, zwei im Verkehr eingesparte Tonnen des Treibhausgases gegenüber.

Klimaschutzumlage auf Benzin- und Dieselkraftstoffe

Die Bundesregierung sollte aber dennoch durch zusätzlichen Druck und Förderung den Ausbau der erneuerbaren Energien verstärken, sagen die Experten des Öko-Instituts. "Wenn durch die Elektromobilität künftig der Strombedarf wächst, müssen die benötigten Mengen für den Ausbau der Erneuerbaren insgesamt nach oben gesetzt werden. Nur so kann die Elektromobilität einen stärkeren Beitrag zum Klimaschutz leisten als heute", erklärt Peter Kasten.

Klar scheint: Der Großteil der Treibhausgasemissionen im Verkehr wird auch mittelfristig noch durch die Verbrennung von Diesel- und Benzinkraftstoffen entstehen. Um dabei dem Verursacherprinzip Rechnung zu tragen, regen die Wissenschaftler an, die Möglichkeit einer Umlage auf Benzin- und Dieselkraftstoffe zu prüfen: "Die Nutzer von Elektrofahrzeugen beteiligen sich bereits über die EEG-Umlage des Fahrstroms am weiteren Ausbau der Erneuerbaren", sagt Kasten. "Sie tragen damit zur Glaubwürdigkeit der Elektromobilität als Klimaschutzmaßnahme bei. Mit der Umlage auf konventionelle Kraftstoffe würden auch Fahrer von Benzin- und Dieselfahrzeugen einen Beitrag für die Mobilität der Zukunft leisten", meint der Forscher.

Studie „Wissenschaftliches Analyse- und Dialogvorhaben zur Sicherstellung des Klimavorteils von Elektromobilität“ des Öko-Instituts (https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Klimavorteil-E-Mob-Endbericht.pdf)

Quelle: Öko-Institut

Ein Leserkommentar zu diesem Artikel:
von MCM / 28. August 2017 / 22.30 Uhr

Wie viel Treibstoff benötigt ein Panzer?

Gravatar ThumbnailWie viel Abgase entstehen bei Flügen? Wie viel Öl verbrauchen Hochseeschiffe? Wodurch entstehen die meisten Umweltschäden? Bei Tempo 30 in der Stadt würde ich die Pferdekutsche einem Elektroauto vorziehen

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Informationen zum Artikel

Martin Vieweg
Autor: Martin Vieweg
Datum: 28.08.2017
Kategorien: Menschen / Umwelt
Kommentare: 1

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