Hilfe bei der Rückkehr

Fischotter brauchen "Laufstege"

Die Fischotter erobern sich Deutschland zurück – doch dabei haben die putzigen Wassermarder offenbar ein erstaunlich wirkendes Problem: Brücken. Sogenannte Bermen sollen verhindern, dass die Tiere an diesen Stellen den Fluss verlassen und über die Straße laufen.

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Eine Passierhilfe wird eingeweiht. (Foto: DUH)

Umweltverschmutzung, Fluss-Begradigungen und die Jagd haben den Fischotter in Deutschland einst fast völlig ausgerottet. Doch mittlerweise haben sich die Lebensmöglichkeiten deutlich verbessert und zur Freude von Tierschützern breitet sich der Otter in einigen Teilen Deutschlands wieder aus. Allerdings macht ihnen dabei ein Faktor enorm zu schaffen - der Straßenverkehr. Man könnte sich fragen: Was machen denn diese Flusstiere auf Straßen? Der Grund, warum sie ihren natürlichen Lebensraum verlassen, sind Brücken, berichtet die Deutsche Umwelthilfe (DUH).

Anscheinend finden es Otter "unheimlich", wenn es unter einer Brücke keinen Uferbereich gibt - das heißt, wenn das Flusswasser direkt mit den Betonwänden der Brückenpfeiler abschließt. In diesem Fall schwimmen sie nicht einfach unter der Bücke hindurch. Sattdessen klettern sie die Böschung vor der Brücke hinauf und überqueren dann die Straße, um auf der anderen Seite wieder in den Fluss zu gelangen. Das ist natürlich mit einem großen Unfallrisiko verbunden und so ist der Verkehr eine der größten Bedrohungen bei der Rückkehr des Fischotters in die Flüsse Deutschlands.

Passierhilfen für die Rückkehrer

Bereits seit einiger Zeit versuchen Tierschützer das Problem mit dem Bau von Passierhilfen zu lösen. Bei diesen sogenannten Bermen handelt es sich um Laufstege aus Steinen oder anderem Material, mit denen die steilen Wände unter den Brücken versehen werden. Über diese künstlichen Böschungen können die Otter unter der Brücke durchlaufen – sie sehen sich dadurch nicht mehr zu dem gefährlichen Weg über die Straße gezwungen.

Die DUH berichtet aktuell über den Bau solcher Bermen in Thüringen. Bis in die Neunziger Jahre hinein war der Fischotter in diesem Bundesland im Herzen Deutschlands ausgestorben. Heute ist er bereits wieder in der Weißen Elster sowie in der Pleiße zu Hause und dringt nun auch nach und nach in die Saale, Unstrut, Helme und Werra vor. Doch dabei zeichnet sich das Brücken-Problem ab: Viele Otter wurden in Thüringen tot auf Straßen aufgefunden. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich hoch, denn nicht alle Totfunde werden gemeldet.

Brücken in Thüringen werden mit Bermen nachgerüstet

Zwischen 2012 und 2015 hat die DUH bereits einige Passierhilfen in Thüringen gebaut. Die Otter, aber auch andere Tiere nehmen die Uferstreifen sehr gut an, berichtet die Naturschutzorganisation. Nun wurde eine weitere Berme in der Gemeinde Greußen feierlich eingeweiht. "Wir freuen uns, dass wir dem Fischotter mit der Passierhilfe ein sicheres Tor zu neuen Lebensräumen öffnen", sagte der Bürgermeister der Stadt Greußen, René Hartnauer, bei der Bauabnahme. Diese Eröffnung steht symbolisch für das Projekt: Bis September 2019 sollen etwa 1000 Brücken in sieben weiteren Landkreisen kontrolliert und insgesamt zehn Gefahrenstellen umgebaut werden.

Ziel ist es, einen Biotopverbund für den Otter aber auch für andere Tiere herzustellen. "Die Durchgängigkeit der Flüsse ist eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Wiederbesiedlung durch den Otter und in der Folge auch für den Austausch von Individuen und sichere Wanderungsaktivitäten der Art", resümiert Sabine Stolzenberg, Projektmanagerin der DUH.

Ein Video der DUH veranschaulicht das Otter-Projekt in Thüringen.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe

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Informationen zum Artikel

Martin Vieweg
Autor: Martin Vieweg
Datum: 20.03.2017
Kategorien: Natur / Umwelt
Kommentare: 0
Schlagworte: Wildtiere / Flüsse / Tierschutz

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