Einwegindustrie verdient Milliarden durch nicht zurückgebrachte Flaschen und Dosen

Flaschenpfand: Sinnvoll, aber optimierbar

Eigentlich sollte das Zwangspfand auf Einwegflaschen dazu führen, dass wieder mehr Mehrwegverpackungen verkauft werden. Dieses Ziel wurde spektakulär verfehlt. Hinzu kommt, dass ausgerechnet die Einwegindustrie am System Milliarden verdient, wie der NABU berichtet.

PET-Flaschen

PET-Einwegflaschen nach Rückgabe: Ihr Anteil an den Getränkeverpackungen ist gestiegen. (Foto: joey333 /Fotolia)

Die Idee war ja nicht schlecht: Seit 2003 sind die meisten Einweggetränkeverpackungen in Deutschland pfandpflichtig. Die Zusatzkosten von 25 Cent sollten eigentlich den Kauf von Glas- und echten Mehrwegflaschen fördern und dafür sorgen, dass die PET-Einwegflaschen zurückgegeben werden. "Das Zwangspfand auf Einweggetränkeverpackungen hatte zwei Ziele: weniger Dosen und Einwegplastik in der Landschaft und eine Förderung von wiederbefüllbaren Mehrwegflaschen", sagt Ressourcenschutzexperte Sascha Roth von der Umweltschutzorganisation NABU. "Am zweiten Ziel ist man kolossal gescheitert."

Kein echter Kreislauf

Denn der Anteil an Einweg-Plastikflaschen und Aluminiumdosen nimmt seit Jahren zu. Sie haben seit Einführung des Pfands um 25 Prozent zugelegt und machen heute rund 52 Prozent der Getränkeverpackungen aus, wie der NABU berichtet. Wiederverwendbare Glas- und PET-Mehrwegverpackungen haben dagegen innerhalb von zehn Jahren über 20 Prozent Marktanteil verloren. Auch ökologisch vorteilhafte Einwegverpackungen wie der Getränkekarton haben wesentliche Marktanteile eingebüßt.

Das Problem dabei: Die in den Rückgabeautomaten gesammelten PET-Flaschen werden zwar recycelt und damit der Kunststoff zumindest zum Teil wiederverwertet. Allerdings wird nur ein Viertel der PET-Flaschen wieder zu neuen Getränkeflaschen. Aus dem allergrößten Teil der Flaschen werden andere, niederrangigere Plastikprodukte hergestellt, darunter Fasern, Folienprodukte oder Flaschen im Non-Food-Bereich. Der Begriff Kreislauf gelte daher hier nur bedingt, meint der NABU.

PET-Recycling

Das passiert mit den zurückgegebenen PET-Einwegflaschen (Grafik: NABU)

Profit für Handel und Einwegindustrie

Hinzu kommt, dass nicht alle Einwegflaschen und Dosen überhaupt zurückgegeben werden. Das Umweltbundesamt schätzt, dass zwischen 2003 und 2006 rund ein Viertel der Einweggebinde nicht zurückgegeben wurde. Heute liegt die Rücknahmequote zwar bei rund 96 Prozent. Doch selbst der vermeintlich geringe Anteil summiert sich: Pro Jahr werden rund 720 Millionen Flaschen und Dosen nicht zurückgegeben, sondern landen in der Gelben Tonne, im Restmüll oder in der Natur.

Das ist nicht nur schlecht für die Umwelt, es verdienen an diesem sogenannte Pfandschlupf auch vor allem diejenigen, die nicht unbedingt die Mehrwegidee fördern: "Verzichtet ein Verbraucher auf das Pfand und wirft seine Dose in den Müll oder in die Landschaft, dann verbleiben 25 Cent bei der Getränkewirtschaft, die Entsorgungskosten tragen alle", sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Seit Einführung des Zwangspfands haben Einwegindustrie und Handel durch diesen Pfandschlupf mehr als 3,5 Milliarden Euro verdient. "Das ist ökologischer Unsinn und nichts anderes als eine Subvention von Einweg-Plastikflaschen und Dosen."

Pfandschlupf-Geld anders einsetzen

Nach Ansicht des NABU ist der Einwegpfand dennoch sinnvoll. Denn seit Einführung der Abgabe habe die Vermüllung der Landschaft durch Plastikflaschen und Dosen deutlich abgenommen. Dennoch sollte künftig dafür gesorgt werden, dass das von den Verbrauchern bezahlte und nicht wieder eingelöste Pfand nicht der Wirtschaft, sondern der Umwelt- und Ressourcenschutz zugutekommen. "Das Geld darf nicht in den Kassen der Einwegabfüller und Händler landen, sondern sollte verpflichtend für Mehrweginitiativen und andere Abfallvermeidungsprojekte ausgegeben werden", so Miller.

Dazu schlägt der NABU eine Getränkeverpackungssteuer vor, die sich an der CO2-Belastung der Verpackungen orientiert. Das könnte dazu führen, dass Mehrwegalternativen für Verbraucher wieder attraktiver werden. So könnten 400.000 Tonnen Plastikmüll und 1,5 Millionen Tonnen CO2 jährlich vermieden werden. Außerdem sollten die Einnahmen aus dem so genannten Pfandschlupf umgelenkt werden. Länder wie Dänemark haben von Anfang an Einnahmen aus dem Pfandschlupf in einer zentralen Stelle verwaltet und für Ressourcenschutzprojekte ausgegeben.

Quelle: NABU

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 10.02.2017
Kategorie: Umwelt
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