Zwischenruf von Peter Laufmann

Freispruch für den Dschungel

Das Fernsehen schickt Menschen in Dschungelcamps. Im Urwald treiben die Prominenten merkwürdige Dinge. Trotzdem kann das Zuschauen erstaunlich erkenntnisfördernd sein. Denn vor unseren Augen wird im Fernsehen ein uralter Konflikt zelebriert.

TukanEs ist wieder soweit: Der Fernsehsender RTL hat wieder einmal mehr oder weniger Prominente in den australischen Regenwald geschickt, um Ruhm, Geld und Einschaltquoten zu sammeln. Die Dschungel-WG muss Begegnungen mit Kakerlaken und Ratten über sich ergehen lassen, eklige Dinge tun oder essen. Wie sinnvoll oder unterhaltend das ist, soll jeder selbst entscheiden.

Aber der Konflikt, mit dem gespielt wird, schwelt seit Jahrhunderten: Mensch kämpft gegen grüne Hölle. Gegen eine potentiell tödliche Natur. Gegen Schlamm, Hitze und eine Feuchtigkeit, die die Klamotten am Körper verschimmeln lässt. Schon im 16. Jahrhundert haben die europäischen Konquistadores den Regenwald Südamerikas durchkämmt, um das sagenhafte Eldorado zu finden. Die alte Geschichte: Es ging um Geld und Ruhm. Nur die Einschaltquoten waren nicht so entscheidend. Gefunden haben sie Eldorado nicht und auch einen möglichen Ruhm haben die meisten mit ins Grab genommen. Und wahrscheinlich nehmen auch die diesjährigen Kandidaten von RTL nicht viel mehr mit.

Dabei haben die Dschungelkrieger  damals wie heute aus den Augen verloren, dass diese grüne Welt mit das spannendste ist, was der Planet zu bieten hat. Hier zeigt die Natur alles, was sie kann. Zunächst einmal die ungeheure Vielfalt an Farben und Formen, die Grüns, das schillernde Blau eines Blauen Morpho-Falters, das Gelb und Rot der Pfeilgiftfrösche, die Federn und Schnabelformen von Tukanen oder Paradiesvögeln. Dann das perfekte Recycling: Kein Nährstoff geht verloren, sondern wird schnell wieder ins Lebendige einbezogen. Und schließlich die Stabilität, die Jahrhunderte, Jahrtausende im ständigen Wechsel besteht, im ständigen Wachsen und Vergehen.

Das interessiert bei „Ich bin ein Star – holt mich hier raus" leider nicht unbedingt. Im Fokus steht auch nicht die Gefahr für die Regenwälder: Allein in Australien sind von ursprünglich 43000 Quadratkilometern seit der europäischen Inbesitznahme des Kontinents bereits 13000 verschwunden. Im Grunde muss sich der Mensch also nicht mehr gegen die grüne Hölle durchsetzen. Er hat es schon getan. Mitleid mit den Dschungelcampern braucht keiner zu haben.

Dennoch:  Vielleicht bleibt ja diesmal etwas Wissenswertes über die Regenwälder hängen, jenseits des Ekelfaktors. Vielleicht wäre es auch eine gute Idee für RTL, mal ein bisschen Werbung für den Regenwaldschutz zu machen. Ja, ich weiß – träum weiter.

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Bild: Fotolia

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Informationen zum Artikel

Peter Laufmann
Datum: 15.01.2013
Kategorie: Menschen
Kommentare: 0
Schlagworte: Regenwald / Dschungelcamp

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