Spätestens ab 2030 sind Sonne und Wind in allen G20-Staaten die billigste Stromquelle

G20: Erneuerbare lohnen sich schon jetzt

Die G20-Staaten sind rund für 80 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Doch das müsste nicht sein: Eine Studie zeigt, dass Strom aus erneuerbaren Energien schon jetzt in der Hälfte der G20-Länder günstiger ist, ab 2030 könnten sie sogar überall die billigste Stromquelle sein.

Erneuerbare Energien

Für die meistee G20-Länder ist Strom aus erneuerbaren Energien schon jetzt profitabel (Foto: kamasigns/ Fotolia)

Am morgigen Freitag beginnt in Hamburg der G20-Gipfel – das Treffen der weltweit größten Wirtschaftsmächte. Die 20 dort durch ihre Vertreter repräsentierten Staaten erwirtschaften zusammen mehr als vier Fünftel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts und decken rund drei Viertel des Welthandels ab. Fast zwei Drittel der Weltbevölkerung lebt in einem der G20-Staaten. Und: Die G20-Staaten stehen für mehr als 80 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen.

Aus diesem Anlass haben Forscher der finnischen Lappeenranta Universität im Auftrag von Greenpeace nun untersucht, wie es in den G20-Staaten mit der Stromerzeugung aussieht – und welche Rolle die erneuerbaren Energien dafür spielen. In der Studie verglichen die Experten auch die Stromerzeugungskosten für erneuerbare Energien mit denen konventionellen Energien inklusive externer Kosten beispielsweise für Rückbau oder die Treibhausgas-Emissionen.

Erneuerbare schon heute in vielen G20-Staaten profitabler

Das Ergebnis: In rund der Hälfte der G20-Staaten ist Strom aus erneuerbaren Energien schon jetzt billiger oder zumindest gleich teuer wie Strom aus Kohle oder Atomkraft. Windparks erzeugen schon seit 2015 in weiten Teilen Europas, in Südamerika, den USA, China und Australien den günstigsten Strom, wie die Studie belegt. Auch die Photovoltaik holt rasant auf und hat in vielen Teilen der Welt bereits die Konkurrenz überholt. Dies zeigt sich bei aktuellen Auktionen und weltweit abgeschlossenen Kaufverträgen für Solarstrom, wie die Forscher berichten.

"Klimaschutz wird in den G20 immer wirtschaftlicher", sagt Greenpeace Energieexperte Tobias Austrup. Die Subventionierung und weitere Nutzung fossiler Brennstoffe und der Atomkraft in vielen G20-Ländern sei unter diesen Gesichtspunkten auch wirtschaftlich nicht mehr zu rechtfertigen. "Wer heute noch Geld in Kohlemeiler und Atomkraftwerke steckt, investiert in Technik, die morgen nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Vom G20-Gipfel muss ein klares Signal zum raschen Ausbau der Erneuerbaren ausgehen", so Austrup.

Spätestens ab 2030 sind Sonne und Wind überall günstiger

Die weltweiten Investitionen folgen dieser Kostenentwicklung: Im Jahr 2016 wurden nach UN-Angaben etwa doppelt so viel in erneuerbare Anlagen investiert wie in konventionelle Kraftwerke. Etwa 55 Prozent der neuen Stromkapazitäten basierten im vergangenen Jahr auf erneuerbare Energien - ein Rekordwert. Der Grund sind auch hier die sinkenden Preise: So sanken die Kosten für ein Windkraftprojekt in Marokko auf etwa 26 Euro pro Megawattstunde. In Abu Dhabi wurden im vergangenen Jahr 24 Euro pro Megawattstunde für ein Solarkraftwerk geboten.

Und dieser Trend wird sich noch verstärken: Windräder und Solaranlagen werden spätestens bis zum Jahr 2030 in allen G20-Ländern die günstigste Form der Stromerzeugung sein, so die Prognose der Studie. Im Jahr 2030 könnte die Solarenergie nach Berechnungen der Forscher sogar so günstig sein, dass sie in vielen G20-Ländern die Windkraft noch unterbietet.

Abschied von der Kohle

Die ökonomischen Vorteile der erneuerbaren Energien wirken sich in den meisten G20-Staaten auch schon auf die Nutzung fossiler Energieträger aus: Die Länderprofile zur Energie- und Klimapolitik aller G20-Mitglieder zeigen, dass der absolute Kohleanteil an der Energieversorgung dieser Ländergruppe zwischen 2012 und 2014 stagnierte. Seither sinkt der Anteil der Kohle. Zwischen 2015 und 2016 halbierte sich die Gesamtkapazität geplanter Kraftwerke.

Gegen diesen Trend stemmt sich nahezu im Alleingang der US-Präsident Donald Trump. Er hat angekündigt, Kohlestrom und Atomenergie fördern zu wollen – und hat dem Klimaabkommen von Paris eine klare Absage erteilt. "Trumps Energiepolitik ist ein schlechter Deal mit Ansage", so Austrup. "Die USA haben beste Voraussetzungen um Wind- und Solarenergie auszubauen. Bundesstaaten wie Kalifornien, Texas oder Iowa werden sich diese Chance nicht entgehen lassen."

"Wir erleben den Anfang vom Ende der Kohle", sagt Greenpeace-Geschäftsführerin Sweelin Heuss. "Die G20 müssen dafür sorgen, dass schmutzige Kohlekraftwerke noch schneller durch saubere Erneuerbare ersetzt werden. Auch Deutschland kann sich nicht mehr vor dem überfälligen Kohleausstieg drücken."

Die Studie zum Download (PDF)

Quelle: Greenpeace

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 06.07.2017
Kategorie: Umwelt
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