Rechercheblog aus Tansania

Hightech im Busch

Teil V. Im letzten Teil unseres Rechercheblogs aus Tansania berichtet Peter Laufmann von Technik im Kampf gegen Wilderer, Begegnungen mit gefährlichen Tieren und dem höchsten Berg Afrikas.

MKO_WRC_Arusha_2012_Blog_066.jpgEs ist unglaublich, wie viele Telefonläden es in Arusha gibt. Das Handy ist wohl die größte Revolution in Afrika seit der Erfindung des Rades. Beinahe jeder scheint im Besitz eines mobilen Telefons zu sein und es auch im besten Sinne einzusetzen. Verabredungen und Geschäfte gehen jetzt viel leichter von der Hand, als zu Zeiten, in denen man noch darauf hoffte, dass weder eine Sturm, ein Dieb oder ein trampeliger Elefant die Telefonleitung geschrottet haben.

Hightech ist auch bei den Rangern ein Thema. Klar, GPS und Nachtsichtgeräte gehören heute dazu, aber es gibt noch mehr; Craig Bruce, Ranger und WWF-Vertreter Asiens stellte eine Computerprogramm vor, mit dem Einsatzwege, gefundene Tiere oder Lücken im Überwachungssystem aufgezeichnet werden können. Hört sich banal an, gibt aber die Möglichkeit, mit einfachsten Mitteln (Handy!) Daten zu sammeln, um die Wildererjagd zu verbessern.

Eine neue Waffe im Kampf für die Wildtiere sind auch Ultraleichtflugzeuge. Das Bantam Microlight Aircraft hat eine ganze Reihe von Vorzügen: Mit so einem Flieger können schnell tausende Hektar Land kontrolliert werden, Die Flieger vertragen selbst mieses Benzin und schlechtes Wetter. Und sie stürzen nicht gleich ab, wenn mal ein Loch in den Flügel geschossen wurde. Das Wichtigste ist: So ein Flieger ist nicht so teuer wie ein Hubschrauben und kostet nur so viel wie ein ausgerüsteter Geländewagen. An einer schusssicheren Pilotenkabine wird noch gearbeitet. Von dort oben können beispielsweise Wilderer per GPS markiert werden. Die Ranger am Boden müssen dann nur noch zuschlagen.

MKO_WRC_Arusha_2012_Blog_573.jpgGestern bin ich noch im Arusha National Park gewesen. Per Auto und zu Fuß. Es ist etwas anderes auf Augenhöhe mit den Tieren zu sein. Umso mehr, wenn der Ranger immer näher an die Büffelherde herantritt. Nicht ohne zu sagen, dass Büffel die gefährlichsten Tiere Afrikas seien. Bis auf 20 Meter führt er mich heran. Ich höre, wie sie ihren Schweif hin- und herschlagen und gemütlich Gras kauen. Desinteressiert schauen die gewaltigen Tiere zu uns herüber. Nein, es sei nicht gefährlich, erklärt er. In der Herde wären sie nicht aggressiv, da fühlten sie sich sicher. Nur, wenn wir später ein einzelnes Tier sehen, dann sollten wir vorsichtig sein. Sein alter Karabiner strahlt nicht unbedingt Sicherheit aus, aber ich vertraue ihm.

Später sehe ich meine erste Tstse-Fliege, die etwas unruhig auf meinem Hemd sitzt. Ich vertreibe sie. Die kleinen Insekten können die Schlafkrankheit übertragen. So schlimm die Krankheit auch ist, ihr ist mit zu verdanken, dass es in Afrika überhaupt noch Wildnis gibt, denn Jahrhunderte lang machte die Schlafkrankheit Ostafrika nicht gerade zu einem bevorzugten Siedlungsraum für Eroberer.

544839_373804186042060_1823970681_n.jpgNoch später beenden wir den Tag am Großen Momella-See. Tausende Flamingos schlagen sich hier die Bäuche voll. Vollkommen überwältigend wird die Szene aber, als die die Wolken vom Wind vertrieben werden und die Sicht auf den Kilimanjaro freigeben. Wahnsinn!

Fotos: Marco Kost

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Informationen zum Artikel

Peter Laufmann
Datum: 13.11.2012
Kategorien: Menschen / Natur
Kommentare: 0
Schlagworte: Tansania / Wilderei / Arusha