Grünstoff im September

Im Schatten der Honigbiene

Es muss nicht immer die Honigbiene sein, die unsere Pflanzen bestäubt. Andere Insekten haben daran einen wesentlichen Anteil. Ein Film über die unterschätze Arbeit von Wildbienen und Schmetterlingen.

BienenSchmetterlinge_DVD4_groß.pngDen einen gehört sofort unsere Sympathie, den anderen schenken wir kaum Beachtung: Schmetterlinge und Wildbienen. Die einen finden wir schön, die anderen scheuen wir aufgrund ihrer Wehrhaftigkeit. Und das macht wohl auch schon den Unterschied aus, der dafür sorgt, dass unsere Aufmerksamkeit so unterschiedlich ausfällt. Dabei hätten sie natürlich eine ähnliche Wertschätzung verdient, vor allem wenn es um die sogenannte Bestäubungsleistung dieser beiden wild lebenden Insekten geht. Doch beide flattern und summen in Majas Schatten. Zu Unrecht!

Die Rolle der Wildinsekten

Nein, es muss nicht immer die Honigbiene sein, die den Pollen von Blüte zu Blüte trägt. Auch Schmetterlinge und Wildbienen, ja sogar Fliegen, Käfer, Wespen und Motten tun ihr Werk dazu. Das zeigt eine Studie, veröffentlicht im US-Fachmagazin Science. Danach sind wild lebende Insekten enorm wichtig für die Kulturpflanzenbestäubung. Bestäuben Wildbienen, Schwebefliegen oder Käfer die Blüten, werden wesentlich mehr Blüten zu Früchten, als wenn das Honigbienen tun. Fazit: Auch wenn Honigbienen als Bestäuber gebraucht werden, können sie nur gemeinsam mit den Wildinsekten eine optimale Bestäubung gewährleisten. Jan Haft unterfüttert seinen neuen Film zwar nicht mit diesen Fakten – was er ruhig hätte tun können, um die Bedeutung dieser Krabbeltiere stärker zu untermauern –, aber er holt gleich zwei wilde Bestäuber aus dem Schatten der Honigbiene heraus und widmet ihnen einen zweiteiligen Film: ein Teil gehört den Wildbienen, der andere den Schmetterlingen.

Nutzlose Brummer? Sinnlose Frage

Die eingangs des Films gestellte rhetorische Frage wirkt ein wenig plump: „Sind sie nutzlose Brummer oder ist ihre Artenvielfalt gar nützlich für uns Menschen?" Jedenfalls hat die Evolution 560 verschiedene Bienenarten in Deutschland hervorgebracht. Wer über diesen kleinen „Fehlgriff" hinwegsieht, kann sich nun an der erstaunlichen Diversität erfreuen, die uns der Dokumentarfilmer vor Augen führt – mit Kameraaufnahmen, nur einen Flügelschlag von den Tieren entfernt. Er pickt sich die erstaunlichsten Wildbienenarten heraus und zeigt, wie sie leben, in Erd- oder Baumlöchern, meist solitär, aber auch sozial wie etwa die Fransenschmalbiene oder Hummeln. Oder wie sie den Winter ohne Zutun des Menschen überstehen, anders als die Honigbiene. Manche sind auf nur eine Pflanzenart spezialisiert. Die Hosenbiene hat sich etwa auf die Wegwarte als Pollenquelle kapriziert. Diese blüht jedoch nur vormittags. Vier Stunden am Tag bleiben der Biene, um Pollen für den Nachwuchs zu sammeln. Deshalb hat sie riesige Haarbürsten an den Hinterbeinen, um so viel Futter wie möglich auf einmal zu sammeln. Der zweite Filmteil folgt dem selben Prinzip: Auch Falter und Schmetterlinge überraschen mit ihrer Vielfalt und Angepasstheit. Eine gelungene Doku über harte Kämpfe, beachtliche Leistungen, verrückte Bauwerke und farbenfrohe Individuen, die uns leise daran erinnert, dass all das bedroht ist.

BienenSchmetterlinge_DVD4_klein.jpgJan Haft (Regie): Wildbienen und Schmetterlinge. Polyband. 90 Minuten, 15,49 €

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Informationen zum Artikel

Tania Greiner
Autor: Tania Greiner
Datum: 28.09.2017
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Schlagworte: Bienen / Schmetterlinge / Insekten / Film

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