Hilferuf von Tierheimen und Auffangstationen an die Politik

Immer mehr Exoten in Tierheimen

Tierschützer schlagen Alarm: Immer mehr exotische Tiere landen in deutschen Tierheimen und Auffangstationen – und bringen diese an den Rand ihrer Kapazität. In einem Brief an den Bundeslandwirtschaftsminister fordern sie nun, den unkontrollierten Handel mit exotischen Wildtieren einzuschränken.

Karakal

Statt Hund und Katze landen immer häufiger Nasenbären und wie hier Karakale im Tierheim. (Foto: Katerina Mirus/ Fotolia)

Normalerweise versorgen Tierheime vor allem ausgesetzte Hunde und Katzen. Auffangstationen für Wildtiere kümmern sich um verwaiste heimische Rehkitze oder verletzte Greifvögel. Doch seit längerem bereitet ein anderes Thema den Stationen große Kopfschmerzen: Zu groß gewordene Leguane, vereinsamte Äffchen und kranke Karakale finden immer häufiger ihren Weg in Tierheime und Auffangstationen.

Überlaufen und überfordert

Der Grund für die Exoten-Schwemme ist der einfache Zugang zu den diversesten Wildtieren als Haustiere: "Jeder kann sich auf einer Exoten-Börse ein Wildtier kaufen und das ohne jegliche Vorkenntnisse", berichtet ist Sandra Giltner vom Tierheim München. Sie weiß aus Erfahrung, welche Probleme dadurch entstehen können: Im Münchner Tierheim saßen schon Nasenbären, diverse Affen und ein Känguru.

Das Problem dabei: Die Tierheime sind auf die immer größere Zahl der abgegebenen Exoten nicht eingestellt. "Unser Personal ist zur Pflege von Hunden und Katzen geschult. Die Aufnahme von Exoten stellt uns vor enorme Herausforderungen – finanziell sowie personell", sagt Giltner. Die meist nur über Spenden finanzierten Tierheime müssen trotz ihrer begrenzten Mittel dafür sorgen, dass die Exoten artgerecht untergebracht und versorgt werden. Dies frisst einen großen Teil der Gelder auf, die eigentlich der Aufnahme und Vermittlung von Haustieren dienen sollten.

Lage spitzt sich zu

In Auffangstationen für Wildtiere sieht es oft ähnlich aus. Sie haben oft keine Kapazitäten für die Exoten und viele kämpfen ohnehin um ihr finanzielles Überleben. Denn: Unterstützung von politischer Seite gibt es kaum, wie Olaf Neuendorf, der Leiter der Auffangstation für Raubkatzen und andere exotische Tiere in Ansbach berichtet. Die Auffangstation steht vor dem Aus, denn das Gelände, auf dem unter anderem Tiger, Füchse und Affen ein neues Zuhause gefunden haben, soll verkauft werden.

Und die Lage spitzt sich zu: Oftmals können die Veterinärbehörden Tiere aus schlechter Privathaltung nicht beschlagnahmen, weil sie nicht wissen, wo sie die Tiere unterbringen sollen. Einige wählen nun schon die Lösung, die Exoten ins Ausland zu bringen: Die Auffangstation AAP in den Niederlanden hat in den vergangenen Jahren schon fast 200 Tiere aus Deutschland aufgenommen. Kostenpunkt für die durch Spenden finanzierte Station: Fünf Millionen Euro für Rettung und Verpflegung der Tiere.

Handel kaum reguliert

Der Grund für das Problem: Der Handel mit exotischen Wildtieren ist bisher in Deutschland kaum reguliert. Jeder, der das Geld hat, kann ein solches Tier kaufen – egal, ob er damit umgehen kann oder nicht. "Der Zugang zu den Tieren ist allzu einfach: In Zoofachgeschäften, auf Börsen oder im Internet kann man problemlos Exoten kaufen, dies oftmals zu einem geringen Preis", so die Tierschützer. "Das fördert spontane und unüberlegte Käufe."

Gleichzeitig wird kaum auf die Anforderungen einer artgerechten Haltung solcher Tiere hingewiesen. "Und das alles nur, weil in einem völlig unregulierten Markt, der das einzelne Tier ohne Rücksicht auf Verluste nur als handelbare Ware benutzt, einige an dem Exotenelend verdienen und einige sich an Exotenhaltung ergötzen wollen", sagt Sandra Gulla , Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins von 1841.

Brief an den Landwirtschaftsminister

Deshalb haben nun 30 deutsche Tierheime und Auffangstationen in einem Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt gefordert, den Handel und die Haltung von exotischen Wildtieren endlich einzuschränken. Sie fordern unter anderem, die großen kommerziellen Wildtierbörsen zu verbieten und den Verkauf und Versand von lebenden Tieren über Internetbörden zu unterbinden. Eine Positivliste von exotischen Wildtieren, die nicht zur privaten Haltung geeignet sind, soll zusätzlich dazu beitragen, nichtartgerechte Tierhaltung einzudämmen.

Tatsächlich hatte die Koalition bereits im Herbst 2013 beschlossen, gewerbliche Tierbörsen zu verbieten und den Handel mit und die Haltung von Wildtieren in Privathand zu regulieren. Doch das ist bisher nicht geschehen. Die Tierschützer hoffen nun, mit ihrer Initiative auf die eskalierenden Probleme und die Überlastung der Tierheime und Auffangstationen aufmerksam machen zu können und die Misere für Tiere und Tierschützer zu beenden.

Quelle: Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V.

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 02.05.2017
Kategorie: Natur
Kommentare: 0
Schlagworte: Tierheim / Exoten / Wildtiere / Tierhandel / Tierhaltung

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