Minimalismus stärkt die Lebenszufriedenheit

Je weniger desto glücklicher

Sich von Dingen trennen, kann das Leben leichter machen. Unserer Gastautorin ist auf diese Weise sprichwörtlich ein Stein vom Herzen gefallen.

Fotolia_33500492Minimalismus begleitet mich schon mein ganzes Leben, auch die Suche nach Menschen, die genauso ticken. Seit ich denken kann, zähle ich Shampoo-Flaschen und Gewürze in fremden Wohnungen. Diese Datenanalyse reicht mir aus, um auf die Gesamtpersönlichkeit der Nutzer zu schließen. Denn: Ich empfinde Besitz als unheimlich belastend. Weniger ist mehr. Noch weniger ist noch mehr. Wenn ich als Kind beim Kartenspiel endlich alle Joker los war, fühlte ich mich erleichtert.

1000 Dinge haben letztes Jahr die Wohnung verlassen. Was vermisse ich seitdem? Nichts. Das Leben fühlt sich wieder leicht an. Kleiderbügel in den Mundwinkeln. Dauergrinsen. Manchmal will ich nur noch tanzen. Ich springe jetzt rein ins Leben und genieße den Moment. Ich brauche keinen Joker für irgendwann.

Was wirklich wichtig ist, sind Familie, gute Freunde, Laptop, Outdoor-Sachen, schöne Erlebnisse, einfaches gesundes Essen und Musik. Ich verbringe keine Zeit mehr mit überflüssigem Besitz. Anschaffung, Reinigung, Pflege und Erneuerung. 80 Prozent der Dinge nutzt man nicht. Jede Neuanschaffung ist jetzt durchdacht. Ich kaufe was ich brauche oder liebe. Dafür muss ein anderer Gegenstand die Wohnung verlassen. Das ist so einfach.

Reduzieren bringt Ruhe

Als Hochsensible klingt die Welt immer eine Frequenz höher. Ohne Filter muss ich zu viele Reize verarbeiten: Gerüche, Stimmungen, taktile oder kinästhetische Informationen, die andere nicht in der Intensität wahrnehmen. Mein größter Erfolg in der reduzierten Wohnung: Es geht nichts mehr zu Bruch. Ich war früher sehr umwerfend. Meine Aufmerksamkeit war einfach überfordert.

Ohne Smartphone bin ich jederzeit unerreichbar. Das ist toll! Ich möchte nur noch Kosmetik, die ich essen kann. Und mag Rohkost wie nie zuvor. Beim Essen schließe ich gerne die Augen. Die E-Mail-Fächer halte ich konsequent leer und trage nur noch Lieblingsklamotten. 100 Teile im Kleiderschrank. Fünf Jacken und fünf Schuhpaare. Der Briefkasten ist werbefrei. Von Produkten entferne ich die Etiketten. Ich habe alles Unnötige abbestellt, Versicherungen und Verträge gekündigt. "So jemand hat hier noch nie angerufen. Sie wollen Ihr Leben reduzieren?"

Willst du eine Rose aus Kenia, für deren Bewässerung Kinder verdursten? Willst du Tiere essen, die lebendig zerstückelt wurden? Willst du Kleidung tragen, genäht von Händchen, die nach der Arbeit zu müde sind zum Spielen? Minimalismus stellt viele Fragen und dein Leben auf den Kopf. Das Tolle: Du findest raus aus dem Konsumpf. Und kommst endlich nach Hause.

Tanja Heller ist freiberufliche Texterin. Ihr minimalistischer Lebensstil brachte ihr als Hochsensible endlich Ruhe - und Glück.

Foto: Andreas P/Fotolia.com

Der Originalbeitrag erschien auf einfachbewusst.de

Ein Leserkommentar zu diesem Artikel:
von Tanya / 19. April 2014 / 15.13 Uhr

Gravatar Thumbnailsehr relevant))) Ich muss es probieren, weil ich viele unnotige Sachen zu Hause habe

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Informationen zum Artikel

Datum: 19.03.2014
Kategorie: Menschen
Kommentare: 1

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