Europäische Umweltagentur veröffentlicht Klimabericht 2016

Klimawandel: Ernste Risiken für Europa

Hitzewellen, Überschwemmungen, invasive Arten und neue Krankheiten: Auch Europa bleibt von den Folgen des Klimawandels nicht verschont. Der aktuelle Klimabericht der Europäischen Umweltagentur zeigt, dass der Süden Europas, die Küsten und die Alpen schon jetzt am stärksten betroffen sind.

Pasterze-Gletscher

Die Pasterze, der größte Gletscher Österreichs, hat seit Beginn der Industrialisierung rund die Hälfte der Eisfläche verloren. (Foto: JanJBrand/iStockphoto)

Alle vier Jahre veröffentlicht die Europäische Umweltagentur (EEA) zusammen mit weiteren EU-Stellen einen Bericht über den Klimawandel in Europa und dessen gegenwärtige und zukünftige Folgen für Ökosysteme und Gesellschaft. Ihre im aktuellen Bericht "Climate change, impacts and vulnerability in Europe 2016" zusammengetragenen Ergebnisse machen deutlich, dass auch Europa nicht vom Klimawandel verschont bleibt und erste Folgen bereits messbar sind.

Rekorde auch in Europa

Der Bericht bestätigt unter anderem, dass die letzten drei Jahre auch in Europa gleich mehrere Rekorde gebrochen haben. 2014 und 2015 war es wärmer als je zuvor, der Meeresspiegel an den Küsten erreichte neue Höchststände und die winterliche Meereisfläche in der Arktis sank auf den geringsten Wert seit langem. In den europäischen Polargebieten und den Gebirgsregionen schrumpfen die Gletscher, die Schneebedeckung nimmt ab.

Insgesamt verstärken sich die Klimaunterschiede: In den ohnehin schon regenreichen Regionen Europas nehmen die Niederschläge zu, die niederschlagsärmeren Regionen werden hingegen trockener. In vielen Regionen steigt zudem die Häufigkeit und Intensität von Extremereignissen wie Hitzewellen, Starkregen und Dürreperioden, so die Forscher: "Der Klimawandel hat die Wahrscheinlichkeit solcher Wetterextreme in Europa erhöht." Den Klimaprognosen nach wird sich dieser Trend in Zukunft fortsetzen.

Überschwemmungen 1980-heute

Schwere Überschwemmungen in Europa von 1980 bis heute (Grafik: EEA)

Die "Hotspots" des Klimawandels

Anfällig für den Klimawandel sind alle Regionen Europas, doch einige sind von den negativen Auswirkungen besonders stark betroffen, wie der Bericht klarstellt. Einer der Hotspots liegt in Süd- und Südosteuropa. Hier sind die Temperaturen und vor allem die Hitzeextreme am stärksten gestiegen, gleichzeitig gehen die Niederschläge zurück und die Flusspegel sinken. In dieser Region besteht daher erhöhte Gefahr für Dürren, Ernteausfälle und Waldbrände, auch die Artenvielfalt leidet.

Ein weiterer Hotspot sind die Küsten Westeuropas. Steigende Meeresspiegel und eine mögliche Zunahme von Sturmfluten lassen auch hier die Gefährdung wachsen. Für die marinen Ökosysteme bringt der Klimawandel infolge der Versauerung und zunehmenden Erwärmung der Meere und der Ausweitung der sauerstoffarmen Totzonen ebenfalls weitreichende Veränderungen mit sich. Die europäische Arktis leidet vor allem unter besonders stark steigenden Temperaturen.

Gewinner des Klimawandels sind nur einige Gebiete in Nordeuropa. Dort bietet das mildere Klima in Zukunft bessere Bedingungen für die Landwirtschaft. Insgesamt jedoch werden negativen Folgen in den meisten Regionen und Wirtschaftszweigen überwiegen, so der Bericht.

Auswirkungen für Mensch und Ökosysteme

Überall in Europa geraten Ökosysteme und die Artenvielfalt durch den Klimawandel und andere Stressfaktoren wie die veränderte Landnutzung zunehmend unter Druck. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten wandern nordwärts und in höhergelegene Regionen ab, während sich verschiedene invasive Arten dauerhaft ansiedeln oder ihren Lebensraum ausgeweitet haben. Marine Arten, darunter auch wirtschaftlich wichtige Fischbestände, wandern ebenfalls gen Norden. Von diesen Veränderungen sind unterschiedliche Ökosystemdienstleistungen und Wirtschaftszweige betroffen, wie Land- und Forstwirtschaft und Fischerei.

Die Veränderungen des Klimas haben auch auf Mensch und Gesellschaften messbare Auswirkungen, wie der Bericht betont. So waren bereits die vergangenen Hitzewellen für den vorzeitigen Tod von zehntausenden Europäern verantwortlich, Hochwasser und Überschwemmungen betrafen Millionen Menschen entlang der europäische Flüsse und Küsten. Durch die Ausbreitung exotischer Zecken- und Mückenarten steigt zudem das Risiko für die Übertragung von Infektionskrankheiten wie West-Nil-Fieber, Denguefieber, Chikungunyafieber und Leishmaniose.

Messbare wirtschaftliche Folgen

Nach Schätzungen des Berichts sind allein durch klimabedingte Wetterextreme seit 1980 im europäischen Wirtschaftsraum zusätzliche Kosten von mehr als 400 Milliarden Euro entstanden. Mit Fortschreiten des Klimawandels muss jedoch mit höheren Kosten gerechnet werden. "Die wirtschaftlichen Schäden könnten selbst für einen moderaten Klimawandel hoch sein und werden für Szenarien mit stärkerer Erwärmung signifikant ansteigen", so die Forscher.

Hinzu kommt, dass Europa in Zukunft zunehmend auch von Klimafolgen betroffen sein wird, die außerhalb Europas eintreten. Dem Bericht nach wird sich dies vor allem über sechs Wege bemerkbar machen: Beim Handel mit landwirtschaftlichen und nichtlandwirtschaftlichen Gütern, in der Transportinfrastruktur, der sich verändernden Geopolitik, der Sicherheit und durch die Migrationsbewegungen.

Angesichts dieser Situation gelangen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass bessere und flexiblere Strategien, Konzepte und Maßnahmen zur Anpassung entscheidend dafür sein werden, ob es gelingt, diese Folgen zu mindern. "Der Klimawandel wird sich über viele Jahrzehnte hin fortsetzen," sagt Hans Bruyninckx, Exekutivdirektor der Europäischen Umweltagentur. "Ausmaß und Auswirkungen des künftigen Klimawandels werden von der Effektivität der Umsetzung der weltweiten Vereinbarungen zur Eindämmung der Treibhausgasemissionen abhängen, aber auch davon, dass es uns gelingt, die richtigen Strategien und Konzepte zu entwickeln, um die durch aktuelle und prognostizierte Klimaextreme hervorgerufenen Risiken zu verringern."

Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Bericht "Climate change, impacts and vulnerability in Europe 2016"

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 26.01.2017
Kategorie: Umwelt
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