Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

Klimawandel macht Seen grüner - oder blauer

Durch den Klimawandel erwärmt sich auch das Wasser vieler Seen. Das führt zu einem überraschenden Effekt: Algenreiche, grüne Seen werden dadurch noch grüner, algenarme blaue Seen dagegen noch blauer. Die Klimaerwärmung verschärft demnach die Unterschiede zwischen "arm" und "reich".

blauer See

Klare, blaue Bergseen wie dieser werden durch die Erwärmung noch blauer und algenärmer (Foto: JFL Photography/ Fotolia)

Wie verändert sich die Phytoplanktondichte in einem See, wenn sein Wasser wärmer wird? Bisher gingen Forscher davon aus, dass ein zu warmes Wasser den Algen eher schadet: Weil es vielen Arten gerade der Bergseen oder nördlichen Breiten zu warm wird, können sie sich nicht mehr so stark vermehren. Als Folge müsste die Algendichte der Seen tendenziell eher abnehmen.

Ob das wirklich so ist, haben nun Forschende des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) näher untersucht. Für ihre Studie werteten Benjamin Kraemer und sein Team frei zugängliche Satellitenbilder der NASA aus den Jahren 2002 bis 2016 aus, um zu untersuchen, welche Zusammenhänge zwischen der Temperatur und dem Gehalt an Phytoplankton in 188 der größten Seen der Erde bestehen.

Grüne werden grüner

Das überraschende Ergebnis: Die Seen verhalten sich ganz anders als erwartet. Seen, die viel Phytoplankton produzieren und deswegen grün sind, werden in warmen Jahren noch grüner. Ihre Algendichte steigt entgegen den Erwartungen sogar noch an. Kraemer erklärt diesen Prozess so: "Die Erwärmung kann zu einer Zunahme von Phytoplankton führen, weil etwa die Wachstumsphasen länger werden oder weil sich die Zahl jener Tiere reduziert, die sich von Phytoplankton ernähren."

Das aber bedeutet: Für Seen, die ohnehin schon unter Algenblüten und einer Überdüngung leiden, könnte sich die Situation durch den Klimawandel weiter verschlechtern. Denn durch die Wärme wächst sogar noch mehr Phytoplankton, als Folge sinkt auch mehr totes Pflanzenmaterial zum Seegrund und zehrt dort bei seiner Zersetzung Sauerstoff. Um die Wasserqualität in diesen Seen zu erhalten, müsste in diesen grünen Gewässern daher dringend die Nährstoffzufuhr gesenkt werden, so die Empfehlung der Wissenschaftler.

Blaue werden blauer

Ganz anders dagegen die Lage bei klaren blauen Seen mit wenig Algenbewuchs: Sie werden bei Erwärmung noch blauer und damit algenärmer als zuvor, wie die Forscher herausfanden. Sie vermuten, dass dies mit der Schichtung des Sees zusammenhängt. Die höheren Lufttemperaturen erwärmen die oberen Wasserschichten stärker. Dadurch intensivieren sich die Temperaturunterschiede zwischen dem kalten Tiefenwasser und dem warmen Oberflächenwasser.

"In phytoplanktonarmen Seen führt die Erwärmung des Oberflächenwassers dadurch dazu, dass Nährstoffe unterhalb dieser Schicht ‚gefangen' sind und nicht aufsteigen können", erklärt Kraemer. " Das macht diese Stoffe für Phytoplankton unerreichbar und führt zu dessen Reduzierung und in der Folge zu einem blaueren See." Fische in solchen Seen könnten dadurch künftig häufiger hungrig bleiben.

Zusammengenommen bedeutet dies, dass die Erwärmung eines Sees dessen Phytoplankton-Gehalt weiter verstärkt. Wer schon jetzt arm ist, wird noch ärmer, wer algenreich ist, bekommt noch mehr hinzu.

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) im Forschungsverbund Berlin e.V., Fachartikel: Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-017-11167-3

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 26.09.2017
Kategorie: Natur
Kommentare: 0
Schlagworte: See / Gewässer / Wasser / Klimawandel / Erwärmung / Phytoplankton / Algen

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