Männliche Löwen sind besonders bedroht

Löwe Cecil war kein Einzelfall

Als Löwe Cecil in Zimbabwe von einem US-Zahnarzt auf Trophäenjagd abgeschossen wurde, war der weltweite Protest groß. Doch jetzt zeigt eine Studie, dass mehr als zwei Drittel aller Löwenmännchen in Cecils Heimat dieses Schicksal teilen und noch teilen werden.

Löwe Cecil

Das Löwenmännchen Cecil im Nationalpark Hwange (Foto: Colourbox)

Cecil der Löwe lebte im Hwange-Nationalpark in Simbabwe und war daher eigentlich geschützt. Doch der rund 7.000 Quadratkilometer große Park ist nicht eingezäunt und daher kommt es häufiger vor, dass gerade Löwenmännchen die schützenden Grenzen des Nationalparks verlassen. Dann aber sind sie Freiwild – besonders, wenn sie nach Norden oder Nordosten ziehen, denn dort liegen lizensierte Jagdgebiete und menschliche Siedlungen.

Cecil wurde dies zum Verhängnis. Er wurde am 1. Juli 2015 von einem US-Zahnarzt zunächst mit einer Armbrust angeschossen und verendete erst 24 Stunden später. Gerüchten nach sollen einheimische Helfer zuvor den Löwen aus dem Nationalpark gelockt haben, damit ihr Kunde zum Schuss kommen konnte.

Es trifft 69 von 100 Löwenmännchen

Wie groß die Gefahr eines ähnlichen Schicksals für andere Löwen des Hwange-Parks und anderer Nationalparks in Afrika ist, haben nun Julia Barthold von der Universität von Süddänemark in Odense und ihre Kollegen untersucht. Dafür sammelten sie Daten zu den Wanderungen männlicher Löwen und zu ihren Todesraten und erstellten daraus ein demografisches Modell.

Das erschreckende Ergebnis: Nur einer von drei männlichen Löwe in Hwange stirbt eines natürlichen Todes, die restlichen werden abgeschossen oder auf andere Weise vom Menschen getötet. "69 von 100 Löwenmännchen sterben frühzeitig – weil sie von Trophäenjägern getötet werden oder von örtlichen Bauern, die ihre Herden schützen wollen", erklärt Barthold. "Und das wird so weitergehen, wenn nichts getan wird."

Tod durch Jagd

Den Grund für diese hohe Todesrate sehen die Forscher vor allem in der Umgebung des Nationalparks: Er ist im Norden und Osten von Siedlungen und Jagdgebieten umgeben. Weil aber männliche Löwen sehr mobil sind und bei ihren Wanderungen oft die Grenzen des Parks überschreiten, wird ihnen dies in Hwange zum Verhängnis – solange sie kein Zaun davor schützt.

Anders dagegen in einem Vergleichsgebiet im Serengeti-Nationalpark in Tansania: Dieses ist mit 2.000 Quadratkilometern zwar kleiner, aber nicht von menschlichen Siedlungen umgeben. Hier sterben daher nur sehr wenige Löwen vorzeitig – egal wie ausgedehnt sie wandern. "In der Serengeti sterben nur sechs von zehn männlichen Löwen vorzeitig", sagt Barthold.

Schaden für die gesamte Löwenpopulation

Nach Ansicht der Forscher muss dringend etwas gegen den Tod der männlichen Löwen getan werden. Denn werden sie abgeschossen, schadet dies auch den verbleibenden Löwinnen und ihre Jungen. Weil die Sozialstruktur der Rudel zerstört wird, kommt es oft zu Kämpfen zwischen den verbleibenden Männchen und Neuankömmlingen, die um Vorherrschaft streiten.

Erringt dann ein neues Männchen die Hoheit über das Löwenrudel, tötet es meist alle Jungen von anderen Männchen. Weibchen, die versuchen, ihren Nachwuchs davor zu beschützen, werden häufig ebenfalls verletzt. Als Folge ist die gesamte Population der Löwen in diesem Gebiet betroffen. "Wie die Trophäenjagd die Population als Ganzes trifft, ist daher eine wichtige Frage für den Schutz der Löwen", betont Barthold. Nach Abschuss des Löwen Cecil wurde zwar die Jagd im Umfeld des Hawange-Nationalparks kurzzeitig ausgesetzt, doch inzwischen ist die Jagd wieder erlaubt.

Quelle: Universität von Süddänemark

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 23.02.2016
Kategorie: Natur
Kommentare: 0
Schlagworte: Löwe / Artenschutz / Tierschutz / Nationalpark / Afrika / Jagd

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