Zweite Art von asiatischen Varroamilben hat den Wirtwechsel geschafft

Neue Gefahr für Europas Honigbienen

Europas Honigbienen droht eine neue Gefahr: Nach der blutsaugenden Milbe Varro destructor hat jetzt eine zweite Varroaart den Wirtswechsel von der asiatischen auf die europäische Honigbiene geschafft. Noch sind diese Milben zwar nicht in Europa angekommen, aber mit dem Handel könnte dies schnell geschehen.

Biene Varroa

An dieser Honigbiene saugt eine Varroamilbe. (Foto: Purdue University/Tom Campbell)

Die vor rund 60 Jahren aus Asien nach Europa eingeschleppte Milbe Varroa destructor gilt als eine der größten Bedrohungen der europäischen Honigbienen. Denn die parasitischen Milben saugen das Blut von Bienenlarven, Puppen und Erwachsenen und schwächen ihre Abwehr. Hinzu kommt, dass die Parasiten oft Krankheitserreger übertragen, darunter das tödliche Flügeldeformationsvirus. Die Milben gelten deshalb neben Pestiziden und landwirtschaftlichen Monokulturen als eine Ursache für das grassierende Koloniesterben.

Sprung auf neuen Wirt geschafft

Jetzt droht den Bienen die nächste Gefahr: Nach Varroa destructor haben Forscher nun eine zweite Varroa-Art entdeckt, die den europäischen Honigbienen gefährlich werden könnte. Bisher befiel Varroa jacobsoni nur asiatische Bienenarten. Auf europäischen Honigbienen konnten die Milben zwar Blut saugen, sich aber nicht vermehren.

Doch jetzt haben Forscher festgestellt, dass einige Stämme dieser Milbenart sich an die europäische Honigbiene als neuen Wirt angepasst haben und sich nun auch auf ihr vermehren können. Aus Gendaten geht hervor, dass diese neuen Stämme den Sprung auf den neuen Wirt erst innerhalb des letzten Jahrzehnts geschafft haben. Der Wirtwechsel liegt damit noch nicht lange zurück, der Anpassungsprozess der Milbe an ihre neue Nahrung läuft noch.

Gladys Andino von der Purdue University und ihre Kollegen hatten festgestellt, dass sich die Genexpression bei den auf asiatischen und auf europäischen Honigbienen parasitierenden Varroa jacobsoni-Milben unterscheidet. Bei der Wirtswechsel-Variante sind mehr als 200 Gene stärker aktiv, viele davon sind mit Stressreaktionen verknüpft. "Das ergibt Sinn", sagt Andino. "Denn wenn man auf einem neuen Wirt parasitiert, muss man sich anpassen – und das erzeugt Stress."

Noch hat sich die neue Form nicht ausgebreitet

Die Tatsache, dass Forscher den Wirtwechsel bei Varroa jacobsoni so früh entdeckt haben, weckt Hoffnung, die Ausbreitung dieser neuen Gefahr für die europäische Honigbiene noch begrenzen zu können – und zu verstehen, welche Mechanismen diesen Artensprung ermöglichen. Bisher wurden diese Stämme von Varroa jacobsoni nur auf Papua-Neuguinea nachgewiesen.

Aber nach Ansicht von Bienenforschern ist höchste Wachsamkeit angesagt. Denn die europäische Honigbiene wird weltweit als Honigproduzent und Bestäuber gehalten und gehandelt. Durch Import und Export verseuchter Völker könnte sich die Milbe daher rasant ausbreiten. "Dies könnte eine echte Gefahr bedeuten", sagt Gladys Andino von der Purdue University. "Wenn diese Milbe außer Kontrolle gerät und sich verbreitet, dann könnten wir eine weitere Milbenplage wie bei Varroa destructor bekommen."

Quelle: Purdue University, Fachartikel: BMC Genomics, doi: 10.1186/s12864-016-3130-3

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Nadja Podbregar
Datum: 22.11.2016
Kategorie: Natur
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