Waltypische Alarmlaute helfen Meeressäugern, Stellnetze zu erkennen

Neues Warngerät schützt Schweinswale

Hilfe für Schweinswale: Ein neuartiges Warngerät könnte die Meeressäuger künftig besser vor Stellnetzen im Meer warnen. Denn die neuartigen Warnbarken imitieren die natürlichen Warnlaute der Schweinswale. Das animiert sie dazu, ihre Echoortung hochzufahren und so die Netze zu bemerken.

Stellnetz und Wal

Schweinswal auf Kollisionskurs mit einem Netz (Foto: Boris Culik)

Immer wieder kommt es vor, dass sich Schweinswale in der Ostsee in Stellnetzen von Fischern verfangen. Sie nehmen die feinen Netze mit ihrem akustischen Orientierungssinn oft nicht rechtzeitig wahr und schwimmen daher geradewegs hinein. Das Problem dabei: Die Meeressäuger müssen regelmäßig zum Atmen an die Wasseroberfläche kommen. Sind sie aber im Netz verheddert, geht dies nicht und sie ertrinken. Nach verschiedenen Schätzungen sterben zwischen 1,8 und 18 Prozent der Ostsee-Schweinswale auf diese Weise.

Bisher wurde versucht, dieses Problem mit sogenannte Pingern oder Vergrämern zu beseitigen. Diese an den Stellnetzen befestigten Geräte senden störende Geräusche aus, die die Wale abschrecken. Dummerweise wirkt die Abschreckung so gut, dass die Schweinswale dadurch gleich ganz aus ihren natürlichen Lebens- und Nahrungsgründen vertreiben werden, wie Studien gezeigt haben. Die Tiere verringern beim Hören von Pingern außerdem die Intensität ihrer Echoortung, wodurch sie die Netze erst recht übersehen.

Warnruf der Wale imitiert

Ein neuentwickeltes Warngerät könnte dieses Dilemma nun lösen. Denn "Porpoise Alert" (PAL) erzeugt keinen unspezifischen Lärm, sondern imitiert natürliche Kommunikationssignale der Meeressäuger. Das Gerät sendet die Warnlaute der Schweinswale aus, sie bestehen aus Rufen auf der Frequenz von 133 Kilohertz, wie Forscher des Thünen-Instituts für Ostseefischerei berichten.

Tests ergaben, dass die Schweinswale auf diese neuartigen Warnsignale mit einer verstärkten Echoortungsaktivität reagieren. Dies ermöglicht es den Tieren, die gefährlichen Netze rechtzeitig wahrzunehmen. Gleichzeitig erhöhen sie den Mindestabstand zur Schallquelle nur um rund 20 Meter – sie werden also nicht völlig aus ihrem Lebensraum vertrieben. Seehunde und Kegelrobben können das Signal nicht hören und werden daher auch nicht davon in die Netze gelockt.

80 Prozent weniger Wale im Netz

Welche positiven Effekte der Einsatz dieser Warngeräte hat, belegen Testeinsätze, die seit 2014 in der kommerziellen dänischen und deutschen Stellnetzfischerei durchgeführt wurden. Bei jedem Versuch wurden gleichzeitig zwei gleich lange Netze ausgebracht. Nur eines war mit PAL ausgerüstet, das andere, herkömmliche Netz diente als Kontrolle.

Das vielversprechende Ergebnis: Durch die Warngeräte ließen sich die Schweinswal-Beifänge in der westlichen Ostsee um mehr als 80 Prozent verringern. In den Tests verfingen sich in mehr als 900 Einsätzen 21 Schweinswale in den Stellnetzen, wie die Forscher berichten. 18 davon in den Kontrollnetzen ohne Warngeräte, aber nur drei in den Netzen mit akustischem Warner. Nach Ansicht der Wissenschaftler ist das neu entwickelte akustische Warngerät daher eine wichtige und wirksame Sofortmaßnahme, um den Schweinswal-Beifang in der Netzfischerei zu verringern.

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 03.01.2017
Kategorie: Natur
Kommentare: 0
Schlagworte: Schweinwal / Ostsee / Fischerei / Fischernetz / Warnbarke

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