Hummeln müssen richtiges Schütteln erst lernen

Pollensammeln mit "Good Vibrations"

Raffinierte Strategie: Hummeln nutzen Vibrationen, um Pflanzen wie Tomaten oder Kartoffeln zu bestäuben – erst dann wird der Pollen frei. Jetzt zeigt sich: Die richtige Technik müssen die pelzigen Bienen erst durch Übung lernen, doch Neonicotinoide hindern sie daran.

Hummel

Hummel auf einer Blüte – bei einigen Nachtschattengewächsen muss sie den Pollen erst freischütteln. (Foto: YB/Fotolia)

Bei vielen Pflanzen reicht es, wenn eine Biene auf der Blüte landet und leicht an die pollentragenden Antheren stößt. Sie streift automatisch Pollen ab und trägt ihn zur nächsten Blüte. Doch bei Nachtschattengewächsen wie Tomaten, Auberginen oder Kartoffeln, liegt der Pollen nicht frei auf den Blüten herum. Er steckt im Inneren der Antheren und tritt erst dann aus, wenn er Pollenbehälter ordentlich durchgeschüttelt wird.

Raffinierte Schütteltechnik

Genau hier kommen die Hummeln ins Spiel: Die pummeligen Pelzbienen haben eine Strategie entwickelt, um den Pollen freizusetzen. "Die Bienen erzeugen eine Vibration, die die Pollen aus den Antheren schütteln wie aus einem Pfefferstreuer", erklärt Penelope Whitehorn von der University of Stirling. "Wenn die Biene auf der Blüte landet, krümmt sie ihren Körper um die Anthere und greift dessen Basis mit ihren Mandibeln. Dann kontrahiert sie ihre Flugmuskeln ohne die Flügel zu bewegen und erzeugt so Vibrationen."

Dieser Vibrationstrick der Hummeln ist schon länger bekannt. Unklar war aber, ob die Bienen die Technik des Pollenschüttelns instinktiv beherrschen oder ob sie dies erst lernen müssen. Immerhin umfasst diese Strategie eine Abfolge komplexer Verhaltensweisen. Um dies zu testen und auch um den Effekt von Pestiziden auf diese Bestäubungstechnik zu untersuchen, beobachteten Whitehorn und ihre Kollegen jungen Hummeln im Labor bei der Bestäubung von Stachel-Nachtschatten-Pflanzen (Solanum rostratum).

Übung macht den Meister

Dabei zeigte sich: Hummeln werden nicht als "Vibrations-Meister" geboren, sie müssen die richtige Technik erst lernen und durch ständige Übung verfeinern. Je häufiger die Hummeln geübt hatten, desto mehr Pollen sammelten sie - und desto erfolgreicher wurden die Blüten bestäubt, wie die Biologen beobachteten.

Das Experiment enthüllte aber auch: Wenn das Futter der Hummeln mit feldtypischen Dosen des Neonicotinoids Thiamethoxam versetzt wurde, beeinträchtigte dies ihre Vibrationstechnik. Die dem Pestizid ausgesetzten Hummeln verbesserten selbst nach vielen Versuchen ihre Schüttelstrategie nicht, wie die Forscher feststellten. Offenbar hemmt das Neonicotinoid die Lernfähigkeit der Bienen. Als Folge sammelten diese Hummeln deutlich weniger Pollen als ihre pestizidfreien Artgenossen.

"Damit ergänzt unsere Studie die zahlreichen Belege dafür, dass Neonicotinoide das Lernen und Gedächtnis von Bienen stören, ihre Kommunikation, Sammeleffizienz und ihre Immunsysteme beeinträchtigen und – noch entscheidender – auch ihren Erfolg als Bestäuber und ihre Fortpflanzung", sagt Whitehorn. Seit 2013 dürfen in der EU drei Neonicotinoide nur noch sehr eingeschränkt eingesetzt werden. Doch dieses Moratorium gilt vorerst nur befristet. Zurzeit wird die Lage überprüft und 2017 soll dann entschieden werden, ob diese Beschränkungen für diese Pestizide weiterhin bestehen bleiben.

Quelle: British Ecological Society

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 13.12.2016
Kategorie: Natur
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