Erste systematische "Volkszählung" liefert gute und schlechte Nachrichten

Sansibars einzigartige Affen

Der Sansibar-Stummelaffe kommt nur an einem einzigen Ort auf der Erde vor: auf der Inselgruppe Sansibar vor der Küste Ostafrikas. Jetzt zeigt eine erste systematische Zählung: Es gibt zwar noch mehr von diesen Affen als bisher gedacht, dennoch ist ihr Bestand akut bedroht.

Colobus

Sansibar-Stummelaffen gibt es nur auf Sansibar – sie sind dort stark gefährdet. (Foto: Tim R.B. Davenport)

Der Sansibar-Stummelaffe (Piliocolobus kirkii) gehört zur Familie der Meerkatzen. Typisch für diese bis zu 65 Zentimeter großen Baumbewohner ist ihr schwarzes, haarloses Gesicht, das von einer weißen Haarmähne umgeben ist. Die tagaktiven Affen ernähren sich vorwiegend von unreifen Früchten und Blättern und kommen vor allem auf der Hauptinsel von Sansibar, Unguja, vor.

Dreimal mehr Stummelaffen als gedacht

"Der Sansibar-Stummelaffe ist zwar der Wissenschaft schon seit rund 150 Jahren bekannt, aber eine systematische Zählung dieser kaum erforschten Art in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet fehlte bisher", sagt Tim Davenport von der Wildlife Conservation Society (WCS). Um dies zu ändern, haben er und seine Kollegen zwei Jahre lang eine Volkszählung unter den Affen durchgeführt. Tausende Stunden durchsuchten die Forscher dafür die Waldgebiete Ungujas und der Nachbarinseln und kartierten jeden einzelnen Stummelaffen.

Jetzt haben sie die Daten dieser ersten systematischen Erhebung ausgewertet. Die gute Nachricht: Es gibt auf Sansibar mehr Stummelaffen als gedacht. Die Biologen kamen bei ihrer Zählung auf mehr als 5800 Tiere – das ist gut dreimal mehr als bisher angenommen. Ebenfalls positiv: Von diesen Affen leben knapp 70 Prozent innerhalb der Schutzgebiete auf der Insel Unguja – und ihre Gruppen sind relativ groß und intakt, wie die Forscher berichten.

...aber rasanter Schwund

Doch es gibt auch schlechte Neuigkeiten: Die gut 30 Prozent der Stummelaffen, die außerhalb der Schutzgebiete leben, sind akut bedroht. Aus vier Wäldern, in denen zuvor nachweislich Affengruppen lebten, sind sie inzwischen ganz verschwunden. In vier weiteren Gebieten lebt nur noch jeweils eine einzige Familiengruppe. Das aber ist zu wenig, um langfristig dort überleben zu können, erklären Davenport und seine Kollegen.

Die größte Bedrohung für die seltenen Affen ist die Entwaldung, wie die Forscher erklären. Jedes Jahr werden allein auf der Hauptinsel Unguja 19 Quadratkilometer Wald abgeholzt, um Platz zu schaffen für Landwirtschaft und neue Siedlungen. In etwas geringerem Maße sind die Tiere aber auch durch die Jagd gefährdet: Als "Bushmeat" dienen sie als Fleischmahlzeit und viele Bauern schießen die Affen auch aus Vergeltung ab – weil diese in ihren Feldern gefressen haben.

Stummelaffe als neues Wappentier?

Um diesen auf der Roten Liste als "stark gefährdet" geführten Affen langfristig zu erhalten, raten die Wissenschaftler dringend dazu, weitere Schutzgebiete für die Sansibar-Stummelaffen einzurichten. Eine weitere Maßnahme könnte die Bevölkerung stärker auf diesen weltweit einzigartigen Primaten und seinen Wert aufmerksam machen und den Ökotourismus fördern: Wenn Sansibar den Stummelaffen zu seinem offiziellen Wappentier macht.

"Der Sansibar-Stummelaffe ist einzigartig und könnte daher ein passendes Symbol für Sansibar und die Naturschutzbemühungen der Regierung sein", sagt Davenport. Die Wildlife Conservation Society will mit der Regierung von Sansibar zusammenarbeiten, um ein gezieltes Schutzprogramm für die seltenen Affen und ihre Wälder zu lancieren und zu unterstützen.

Quelle: Wildlife Conservation Society

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Informationen zum Artikel

Nadja Podbregar
Datum: 27.12.2017
Kategorie: Natur
Kommentare: 0
Schlagworte: Affe / Sansibar / Artenschutz / Regenwald / Afrika

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