Primatenforschung

Schlaue Schimpansen

Dass Schimpansen ihr räumliches Gedächtnis nutzen, um im Regenwald Bäume wiederzufinden, von denen sie schon einmal Früchte geerntet haben, weiß man bereits. Ob und welche Strategien sie aber anwenden, um die süße Kost überhaupt aufzuspüren, konnten Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie erst jetzt zeigen.

Fotolia_1974128_XS_250.jpgDie Verhaltensforscher um Karline Janmaat und Christophe Boesch beobachteten dafür Schimpansen im Taï-National Park an der Elfenbeinküste, während die Tiere ihren Lebensraum auskundschafteten, und zeichneten die Blicke auf, mit denen die Schimpansen die Baumkronen inspizierten. Für ihre Auswertung analysierten die Wissenschaftler nur jene Aufnahmen, auf denen Schimpansen Bäume absuchten, die gerade keine Früchte trugen, bei denen sie sich also „geirrt“ hatten.

Dass sich die Tiere hier geirrt hatten, schloss die Möglichkeit aus, dass ihr Suchverhalten erst durch Anblick oder Geruch von Früchten ausgelöst worden war. Die Wissenschaftler fanden stattdessen heraus, dass die Schimpansen diese Bäume überprüften, weil sie erwarteten, dort in naher Zukunft Früchte zu finden.

Wenn sie dann tatsächlich die erste Frucht der Saison verspeist hatten, erhöhte sich ihre Erwartungshaltung noch beträchtlich. „Die Schimpansen entwickeln nicht einfach nur eine Vorliebe für eine bestimmte Frucht, die sie in der Vergangenheit oft gegessen haben“, sagt Karline Janmaat. „Stattdessen können wir anhand einer botanischen Besonderheit vorhersagen, welche Bäume die Tiere inspizieren werden: in welchem Maße bestimmte Baumarten zeitgleich Früchte produzieren."

Demnach haben Schimpansen also Kenntnis davon, welche Baumarten zur selben Zeit Früchte tragen. Ihre Erwartungen an den Erfolg ihrer Suche bemessen sich nach zwei kombinierten Faktoren: Botanische Kenntnisse, die auf der Erfolgsrate der Tiere beim Auffinden von Früchten beruhen, und die Fähigkeit, Obstsorten zu kategorisieren. „Unsere Ergebnisse zeigen, welche Vielfalt an Strategien unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, bei der Nahrungssuche anwenden. Darüber hinaus beleuchten sie auch die evolutionären Ursprünge der menschlichen Fähigkeit des Kategorisierens und abstrakten Denkens“, sagt Christophe Boesch, der die Abteilung für Primatologie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie leitet.

Foto Schimpanse © Ronnie Howard - Fotolia.com

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Autor: natur Autor
Datum: 17.04.2013
Kategorie: Natur
Kommentare: 0
Schlagworte: Schimpansen / Forschung / Max Planck

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