Zur Honig-Richtlinie der EU

Schützt die Bienen vor gentechnisch veränderten Pollen

Die EU-Kommission plant eine Novelle der Honig-Richtlinie. Künftig sollen Pollen als natürlicher Bestandteil von Honig eingestuft werden. Was harmlos klingt, droht für ökologisch produzierende Imker zu einem Desaster zu werden. Ein Gastkommentar von Thomas Radetzki

ThomasRadetzki_170x250px_72dpi.jpgEs ist erst ein gutes Jahr her, da haben wir das „Honig-Urteil“ des Europäischen Gerichtshofs gefeiert. Mit Unterstützung des von uns initiierten Bündnisses zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik siegte Imker Karl Heinz Bablok gegen den Genriesen Monsanto. Das Gericht erkannte an, dass Pollen des Gentechnik-Maises MON 810 im Honig eine wesentliche Beeinträchtigung für den Imker darstellt, weil der Honig dadurch seine Verkehrsfähigkeit verliert. Die EU-Kommission möchte dieses Urteil nun nachträglich durch eine Änderung der Honig-Richtlinie aushebeln.

Das Urteil der Europarichter fußte im Wesentlichen auf der Einschätzung, dass Pollen wie eine Zutat im Honig zu behandeln sei, weil er unter anderem durch das Schleudern in den Honig gelange. Nun soll die Honig-Richtlinie so geändert werden, dass Pollen als natürlicher Bestandteil des Honigs eingestuft wird. Was sich so harmlos liest, hätte zur Folge, dass auch gentechnisch veränderter Pollen als natürlicher Bestandteil gewertet würde.

Dies zeigt sowohl die Gefährlichkeit als auch die Absurdität der geplanten Novelle der Honigrichtlinie. Sie könnte letzten Endes dazu führen, dass selbst Honig, der vollständig oder zu großen Teilen aus Gentechnik-Raps stammt, nicht mit einem Hinweis auf die Gentechnik gekennzeichnet werden muss. Verbraucher hätten dann keinerlei Wahlfreiheit mehr in Bezug auf die Gentechnikfreiheit ihrer Nahrung, und Honig als naturreines Lebensmittel wäre Geschichte.

Deshalb war die EU-Kommission schon vor dem EuGH mit ihrer Argumentation gescheitert. „Mit der vorgeschlagenen Auslegung“, begründeten die Richter ihre Ablehnung in der Urteilsbegründung, „würde das Ziel der menschlichen Gesundheit beeinträchtigt, da ein Lebensmittel wie Honig keiner Kontrolle hinsichtlich seiner Unbedenklichkeit unterläge, auch wenn er in hohen Mengen genetisch verändertes Material enthalten würde.“

Nun unternimmt die Kommission einen erneuten Vorstoß und gibt vor, den Imkern eine Erleichterung verschaffen zu wollen, damit sie für ihren Honig keine Zutatenliste angeben müssen. Das müssen sie jedoch nach Auffassung von Rechtsexperten ohnehin nicht. Im Zweifelsfall wäre eine Angabe „enthält Blütenpollen“ völlig ausreichend.

Würde es der Kommission tatsächlich nur darum gehen, eine Zutatenliste für Honig zu vermeiden, wäre es naheliegend und vollkommen ausreichend, nicht die Honig-Richtlinie, sondern das allgemeine Lebensmittelkennzeichnungsrecht zu ändern.

Das Lebensmittelkennzeichnungsrecht enthält bereits eine Liste von Lebensmitteln, für die keine Zutatenliste erforderlich ist. Käseist beispielsweise darin enthalten, Honig dagegen noch nicht.

Mit der geplanten Änderung tut man uns Imkern definitiv keinen Gefallen. Denn wir haben ja im Interesse der Transparenz und Wahlfreiheit für unsere Kunden das Honig-Urteil vor dem Europäischen Gerichtshof erstritten. Es ist davon auszugehen, dass die EU-Kommission mit ihrem Vorstoß verhindern möchte, dass Imker aus Schäden durch die Verunreinigung ihres Honigs mit verbotener Gentechnik Schutz- oder gar Schadensersatzansprüche ableiten könnten. Genau das könnte schon bald passieren.

Denn der Fall von Imker Karl Heinz Bablok, der mit Unterstützung des von uns initiierten Bündnisses zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik vor dem Europäischen Gerichtshof gegen den Gentechnik-Giganten Monsanto erfolgreich war, befindet sich derzeit zur endgültigen Entscheidung vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Wir möchten dort durchsetzen, dass Bienen und Honig vor verbotener Gentechnik geschützt werden. Konkret heißt das, dass wir einen Schutzradius von zehn Kilometern um Bienenstände benötigen, denn so weit fliegen Bienen auf der Suche nach Nektar und Pollen.

Zum Autor

2960Honig_170x250px_72dpi.jpgThomas Radetzki ist Imkermeister und im Vorstand der Vereinigung Mellifera, einem Pionier in der ökologischen und wesensgemäßen Bienenhaltung.

Bilder: privat

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2 Leserkommentare zu diesem Artikel:
von Klaus-Dieter Jany / 26. Oktober 2012 / 12.47 Uhr

Änderung der Honigrichtlinie

Gravatar ThumbnailKläger und Imkerverbände fordern mehr, als sich aus dem EuGH-Urteil und der Änderung der Honigrichtlinie ableiten lässt. Sie fordern eine Null-Toleranz für jeglichen gv-Pollen in Honig und gehen in diesem Zusammenhang sogar über die Vorgaben für eine Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“ hinaus. Von dieser Anforderungswarte aus gehen die Imkerverbände natürlich recht in ihrer Kritik, dass sowohl eine Änderung der Honigrichtlinie als auch der allgemeinen Etikettierungsrichtline keines ihrer bisweilen selbst initiierten Probleme hinsichtlich der Grünen Gentechnik lösen wird.

von Gerhard Fehrentz / 01. November 2012 / 19.44 Uhr

Änderung der Honigrichtlinie

Gravatar ThumbnailDer EuGH ist bei seiner Entscheidung der falschen Argumentation der Kläger gefolgt und hat Pollen zu einer Zutat zum Honig erklärt. Pollen gelangt im wesentlichen durch Einstäubung schon auf der Blüte, oder die Arbeit der Bienen im Stock in den Nektar bzw. den Honig. Wenn die Entscheidung des EuGH Bestand haben sollte und die EU die Honigrichtlinie nicht im angedachten Sinn ändert, hätte das fatale Folgen für die Kleinimkereien. Der Aufwand für die Pollenuntersuchungen würde sehr viele Imkerkollegen dazu bewegen, die Imkerei aufzugeben. Der Vorschlag, die EU möge Honig von der Angabe einer Zutatenliste befreien, ist im Hinblick auf die Nulltoleranz Argumentation fragwürdig, widerprüchlich und unlogisch.

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Datum: 26.10.2012
Kommentare: 2
Schlagworte: Millifera / Honig / Bienen / Gentechnik / Lebensmittel

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